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Wenn 59.000 Zuschauer im Estadio Azul gleichzeitig aufspringen, weiß man: Hier passiert gerade etwas, das die Geschichtsbücher füttert. CD Cruz Azul hat im Achtelfinal-Hinspiel der Copa Libertadores Lions Generalena nicht nur geschlagen - die Mexikaner haben sie filetiert. 4:0 hieß es am Ende, und das Ergebnis schmeichelte den Gästen noch. Von Beginn an war klar, dass Trainer Chucky Mandu seine Elf nicht zum gemütlichen Ballkreisen geschickt hatte. Schon nach sieben Minuten prüfte Adam Matusiak den gegnerischen Keeper Javier Montanes. "Ich wollte ihm gleich zeigen, dass er heute viel zu tun bekommt", grinste Matusiak hinterher. Er sollte recht behalten. Nur sieben Minuten später, nach einem quirlig vorgetragenen Angriff über links, legte Adam Munro mustergültig auf - Matusiak drosch den Ball humorlos in den Winkel. 1:0. Die Lions blickten betreten drein, als hätten sie gerade erfahren, dass das Rückspiel bereits abgesagt wurde. Generalena, von Coach Gerd Hauser taktisch auf Defensive geeicht, stand tief, zu tief. Der Matchplan - "erst mal hinten dicht, vielleicht segnet uns der Kontergott" - kollabierte bereits vor der Pause. In der 40. Minute köpfte Innenverteidiger Manuel Rizzi nach einer Ecke von Thalis Ardizoglou das 2:0. Spätestens da begann der mexikanische Abend zu leuchten. Hauser, der in der Coachingzone wild gestikulierte, versuchte seine Mannschaft mit Worten wachzurütteln. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen mutiger sein", seufzte er später. "Aber manchmal hören sie mich wohl nicht - vielleicht wegen des Lärms, vielleicht wegen des Ergebnisses." Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Cruz Azul behielt mit über 61 Prozent Ballbesitz die Kontrolle, die Lions liefen dem Ball hinterher wie Katzen einer Laserpointerlinie. In der 50. Minute war es dann der Regisseur selbst, Thalis Ardizoglou, der nach Vorarbeit von Silvestre Veloso zum 3:0 traf. Ein Treffer, so elegant, dass selbst der Linienrichter kurz lächelte. Das Publikum begann zu feiern, wie es nur in Mexiko gefeiert wird - mit Trommeln, Gesängen und einer Prise Wahnsinn. "Ich dachte, das Stadion hebt ab", beschrieb es Torschütze Ardizoglou später augenzwinkernd. Die Lions reagierten mit zwei Wechseln, Emilio Sa Pint kam, Andres Gonzalo durfte auch ran. Doch die neuen Gesichter änderten wenig. Im Gegenteil: In der 80. Minute setzte Rechtsverteidiger Marius Aas, der sonst eher für präzise Grätschen bekannt ist, den Schlusspunkt. Wieder kam die Vorlage von Veloso, wieder zappelte der Ball im Netz. 4:0 - und die Zuschauer taumelten in eine Art kollektive Euphorie. "Das war ein Statement", sagte Mandu nach dem Spiel und zwirbelte zufrieden seinen Schnurrbart. "Aber wir wissen, dass Fußball manchmal grausam ist. Wir müssen auch im Rückspiel so hungrig bleiben." Mandu, stets ein Freund klarer Worte, fügte hinzu: "Heute haben wir den Ball geliebt - und er hat uns zurückgeliebt." Auf der anderen Seite herrschte Schweigen. Capitán Predrag Jevtic stand in der Mixed Zone mit leerem Blick. "Manchmal trifft dich der Sturm, bevor du den Regenschirm aufspannst", murmelte er, ehe er im Mannschaftsbus verschwand. Die Statistik sprach ohnehin eine eindeutige Sprache: 18 Torschüsse für Cruz Azul, nur fünf für die Lions. Tacklingquote 55 zu 44 Prozent, Ballbesitz 62 zu 38 - eine Dominanz, die fast unhöflich wirkte. Doch bei allem Jubel bleibt auch Raum für Ironie: Ausgerechnet die Spieler, die in der Taktiktafel als "defensiv" markiert waren, erzielten drei der vier Tore. "Vielleicht müssen wir die Tafel umdrehen", scherzte Mandu in der Pressekonferenz. Und was sagt der Mann des Abends, Adam Matusiak, zum furiosen Start? "Ich wollte einfach Spaß haben. Und wenn Spaß Tore bringt, mache ich das im Rückspiel wieder." Ob die Lions im Rückspiel in Generalena noch einmal brüllen werden, steht in den Sternen. Nach dieser blauen Symphonie dürfte es allerdings eher ein leises Miauen werden. Doch wie sagte Hauser zum Abschied? "Im Fußball ist alles möglich - außer, dass wir die erste Halbzeit vergessen." Ein Abend, der in Mexiko noch lange nachklingen wird - und in Generalena wohl Albträume verursacht. 01.06.643993 17:00 |
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