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Es war einer dieser Abende im Estadio Azul, an denen man das Gefühl hatte, das Tor der Indios Juarez sei kleiner als sonst. 46.612 Zuschauer sahen ein 0:0 der besonderen Art - eines, das sich eher nach 5:0 anfühlte, wenn man die Statistik liest. 28 Torschüsse für CD Cruz Azul, ein einziger für die Gäste. Und doch stand am Ende: nichts. Null. Nada. Trainer Chucky Mandu stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, grinste schief und sagte mit seiner typischen Mischung aus Galgenhumor und Trotz: "Ich hab meinen Jungs gesagt, sie sollen das Tornetz nicht kaputtschießen - das haben sie wohl zu ernst genommen." Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Bereits in der fünften Minute prüfte Adam Matusiak den gegnerischen Keeper Vincent Santos mit einem satten Schuss aus zwölf Metern. Santos hechtete, der Ball klatschte an seine Handschuhe - und das war der Auftakt zu einem wahren Belagerungszustand. In der sechsten Minute zog Silvestre Veloso nach, dann Felipe Da Cru, dann wieder Matusiak. Es war, als hätte Cruz Azul beschlossen, dass jeder einmal darf. Juarez’ Trainer, dessen Name den Statistikbögen entgangen ist, dürfte sich innerlich bedankt haben, dass seine Defensive mehr Glück als Ordnung hatte. Schon in der 17. Minute wagte sein Stürmer Andre Ring den einzigen Schuss der Gäste - ein halbhoher Versuch, der eher an eine Rückgabe erinnerte. Torwart Lionel Eusebio musste immerhin einmal die Handschuhe anfeuchten. Danach blieb der Rasen vor seinem Tor unberührt. "Das war wie ein Handballspiel ohne Tore", lachte Verteidiger Kurt Götz nach dem Abpfiff. "Wir haben sie 90 Minuten eingeschnürt, aber irgendwie wollte der Ball einfach nicht." Sein Mitspieler Andrew Hunt, der zwischen Minute 37 und 72 gleich fünfmal abschloss, nickte resigniert: "Ich hab irgendwann gefragt, ob da vielleicht ein Magnet im Ball ist, der ihn vom Tor wegzieht." Die Statistik liest sich tatsächlich wie ein schlechter Witz: 60 Prozent Ballbesitz für Cruz Azul, 28 Abschlüsse, zwei Gelbe Karten - beide für Juarez, eine schon in der vierten Minute für Bryan Baus, weil er offenbar zu früh gemerkt hatte, dass er viel zu tun bekommen würde. In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel zur reinen Geduldsprobe. Chucky Mandu brachte zur Pause den jungen Roberto Jemez für den ausgelaugten Adam Munro - vielleicht in der Hoffnung, dass frische Beine auch frische Ideen bringen. Jemez tat sein Möglichstes, setzte in der 90. Minute sogar noch einen Distanzschuss ab, der Zentimeter über die Latte flog. Danach blickte er gen Himmel, als wollte er fragen, was man eigentlich noch tun müsse, um dieses Tor zu treffen. Indios Juarez stand derweil tief, so tief, dass man zeitweise das Gefühl hatte, sie spielten lieber in einer anderen Postleitzahl. Die Zuschauer wurden unruhig, einige pfiffen, andere lachten kopfschüttelnd. Ein älterer Fan rief: "Noch ein Schuss, und der Ball findet den Weg nach Puebla!" Nach dem Spiel gab sich Juarez-Keeper Santos bescheiden: "Ich hatte heute Glück und 28 Freunde in blauen Trikots, die nicht treffen wollten." Seine Teamkollegen nickten müde, während Trainer Mandu in der Pressekonferenz trocken anmerkte: "Wenn’s Punkte fürs Schießen gäbe, hätten wir heute gewonnen." Taktisch blieb Cruz Azul seiner Linie treu - ausgewogen, geduldig, vielleicht zu brav. Kein Pressing, kein wildes Offensivfeuer, obwohl das Spiel danach schrie. In der Schlussphase sah man bei den Himmelblauen eher Frust als Finesse. Die letzten zehn Minuten bestanden aus Verzweiflungsschüssen und Stoßgebeten. Und so endete ein Spiel, das keiner verlieren wollte - und das Cruz Azul trotzdem wie eine Niederlage schmeckte. Für Indios Juarez hingegen fühlte sich das 0:0 an wie ein Lottogewinn. Sie hatten den Regen überstanden, ohne nass zu werden. Als die Flutlichter erloschen, sagte ein Balljunge mit einem Grinsen: "Vielleicht hätten sie heute einfach das Tor verschieben sollen - dann hätten sie’s getroffen." Ein Satz, der den Abend perfekt zusammenfasste. Ein 0:0, das keiner vergessen wird - nicht, weil es spannend war, sondern weil es so unglaublich unlogisch war. Fußball kann grausam sein. Und manchmal, wie an diesem Abend in Mexiko, ist er einfach nur absurd schön. 08.01.643994 11:59 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale