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Crno Belgrad verspielt Führung - Gela dreht packendes Auftaktduell

59.000 Zuschauer im Stadion von Belgrad sahen am Dienstagabend ein Spiel, das all das bot, was man von einem Champions-League-Auftakt erwartet - nur nicht das Ergebnis, das die heimischen Fans erhofft hatten. Crno Belgrad verlor nach einer 2:1-Halbzeitführung mit 2:3 gegen das italienisch anmutende, aber international bunt gemischte Team von Gela.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Schon früh präsentierte sich Belgrad kämpferisch, vielleicht ein bisschen zu sehr: In der 5. Minute sah der junge Linksverteidiger Arnaldo Cerzeto Gelb, weil er meinte, den Ball sei leichter zu stoppen, wenn man den Gegner gleich mitnimmt. Trainer Cevo Icvic kommentierte später trocken: "Er wollte einfach zeigen, dass er da ist. Nun, das hat er geschafft."

In der 37. Minute brach das Stadion dann in Jubel aus: Albert Zigic, der flinke Linksaußen, traf nach klugem Zuspiel von Eric Achard - 1:0! Zigic riss die Arme hoch, Achard klopfte ihm auf die Schulter, und selbst Icvic lächelte kurz, bevor er wieder stoisch an seiner Kappe zupfte. Doch die Freude währte nur drei Minuten. Gela antwortete durch Javier Vazques, der nach einer butterweichen Flanke von Rechtsverteidiger Samuel Perlman den Ball ins lange Eck zirkelte.

Belgrad zeigte sich unbeeindruckt: Nur drei Minuten später, in der 43. Minute, stellte Jewgeni Groschew nach Vorlage von Gojko Ilic den alten Abstand wieder her - 2:1 zur Pause. "Wir hatten das Spiel unter Kontrolle", meinte Icvic später, "zumindest bis zur 61. Minute."

Denn dort begann der Umschwung. Zunächst kassierte Hartmut Schmitz Gelb, kurz darauf traf wieder Javier Vazques, diesmal nach Vorarbeit von Julian Martins, zum 2:2. Gela, das bis dahin etwas zahmer aufgetreten war, schaltete nun auf vollen Angriff. Die Statistiken erzählen die Geschichte: 14 Torschüsse der Gäste gegenüber 10 von Belgrad, 45 Prozent Ballbesitz - aber was zählt, sind eben die Tore.

In der 78. Minute fiel dann die Entscheidung. Ausgerechnet Filipe Semedo, erst in der 49. Minute für den verletzten Jeno Lisztes eingewechselt, nutzte eine Unordnung in der Belgrader Abwehr und traf nach feinem Doppelpass mit Vazques zum 3:2. Der Jubel bei Gela kannte keine Grenzen. Trainer Michael Müller, sonst eher der sachliche Typ, rannte an der Seitenlinie entlang, schrie etwas Unverständliches Richtung Himmel und umarmte dann seinen Co-Trainer. "Ich hatte das Gefühl, dass wir noch was im Tank haben", sagte er später mit einem Grinsen.

Belgrad versuchte es in der Schlussphase mit wütenden Angriffen, Zigic prüfte Gela-Keeper Willem Veeder in der 85. Minute noch einmal mit einem satten Schuss, doch der Niederländer hielt mit Katzenreflexen. Als Miroslav Kolarov in der 90. Minute eingewechselt wurde, war das Spiel längst gelaufen.

In den Katakomben klang es dann versöhnlicher, als man es nach so einer Niederlage erwarten konnte. Zigic, zweifacher Torschütze, sagte: "Wir haben gezeigt, dass wir Tore schießen können. Leider auch, dass wir sie zulassen." Sein Trainer nickte nur und murmelte: "Manchmal verliert man, weil der Fußball einfach keine Gnade kennt."

Auf der anderen Seite feierten die Gäste ausgelassen. Doppeltorschütze Vazques wurde von seinen Mitspielern mit Wasser übergossen - "Champagner kommt später", lachte er. Und als Filipe Semedo nach seinem Siegtreffer gefragt wurde, grinste er: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn der Ball drin ist, soll’s mir recht sein."

Statistisch betrachtet war es ein enges Spiel: Belgrad hatte mit 54 Prozent den höheren Ballbesitz, Gela die besseren Chancen. Die Gäste zeigten sich cleverer und effektiver - und vielleicht auch etwas kühler im Kopf.

Für Belgrad bleibt die Erkenntnis, dass Leidenschaft allein in der Champions League nicht reicht. "Wir müssen lernen, das Tempo über 90 Minuten zu halten", meinte Icvic zum Abschied. "Und vielleicht auch, dass man nicht jeden Angriff mit einem Foul beginnen muss."

Gela dagegen reist mit drei Punkten und breiter Brust zurück. Trainer Müller verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: "Wenn wir weiter so treffen, müssen wir bald unsere Abwehr gar nicht mehr bemühen."

Das Publikum in Belgrad ging trotz der Niederlage nicht enttäuscht nach Hause - eher mit einem Schulterzucken. "War gutes Kino", sagte ein älterer Fan auf der Tribüne. Und in gewisser Weise hatte er recht: Es war Drama, Komödie und Lehrstück in einem.

Und wer weiß - vielleicht schreibt Crno Belgrad schon im nächsten Spiel das Drehbuch um.

07.08.643990 06:01
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Ich habe versucht, den Spielern das Gefühl zu geben, dass sie Fehler machen dürfen. Das haben sie bis auf wenige Ausnahmen gut gemacht.
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