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Ein Abend, wie gemacht für Herzpatienten - 43.135 Zuschauer im Estadio Nacional sahen am 11. Januar ein Spiel, das von der ersten Sekunde an unter Strom stand. AD Cristal gegen Inti Gas Deportes, das klang schon nach südamerikanischem Feuer, und die Akteure lieferten prompt: Noch ehe die ersten Zuschauer ihre Inka-Cola geöffnet hatten, stand es 1:0. Gerade einmal 60 Sekunden waren gespielt, als Paulus Abramson - der bullige Mittelstürmer, dessen Bart länger ist als manche Abwehrreihe - nach einem Pass von Rafael Vaz eiskalt einschob. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Vaz nach dem Spiel, "aber Paulus hat halt Magnetfüße." Trainer Dirk Spieler rieb sich da schon die Hände - und das zu Recht: Cristal legte los, als wollten sie die Liga im Eiltempo entscheiden. In der 12. Minute folgte das 2:0 durch Carl Vaz (nein, kein Verwandter von Rafael, auch wenn der Name anderes vermuten lässt). Wieder war Vaz senior (Rafael) der Vorlagengeber. "Ich habe nur gesehen, dass Carl losläuft - und dachte, warum nicht?", erzählte der Mittelfeldmann später mit einem Schulterzucken. Cristal dominierte in dieser Phase das Spiel, hielt 55,8 Prozent Ballbesitz und spielte, als hätten sie doppelt so viele Beine. Doch Inti Gas Deportes, trainiert vom ewig wild gestikulierenden Arjen Robby, ließ sich nicht in die Anden schicken. Kaum eine Minute nach dem zweiten Gegentor konterten sie über den pfeilschnellen Francisco Álvarez, dessen Flanke Salvatore Calabro per Direktabnahme in den Winkel drosch - 2:1! "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Calabro, "und gehofft, dass der Ball nicht in Cusco landet." Das Spiel blieb ein offener Schlagabtausch. Beide Teams suchten das Tor, 14 Abschlüsse auf Seiten Cristals, 13 bei Inti Gas - Statistiker bekamen feuchte Augen. Cristal blieb gefährlicher, doch Inti Gas biss, grätschte, und wenn nötig, diskutierte. Besonders Carl Postiga, der rechte Flügelstürmer der Gäste, zeigte mehr Emotionen als ein Telenovela-Hauptdarsteller. "Ich war nah dran, das 2:2 zu machen - aber der Torwart hatte wohl was dagegen", knurrte er später. Nach der Pause änderte sich wenig am Drehbuch: Cristal blieb offensiv, Inti Gas hoffte auf Konter. In der 49. Minute musste allerdings Sergio de Almeida verletzt raus - bitter, denn kaum eingewechselt, humpelte Ersatzmann Diego Costinha nach einem Zusammenprall gleich wieder vom Platz. Trainer Robby war fassungslos: "So viele Verletzte hab ich sonst nur beim Kartenspielabend." In der 54. Minute dann die Szene des Spiels: Elemer Hrutka, der rechte Flügelstürmer, tanzte zwei Gegenspieler aus, legte quer auf Igor Zivkovic - und der schob mit eiskalter Präzision ein. 3:1 für AD Cristal! Das Stadion tobte, Trainer Spieler sprang seinen Co-Trainer fast um. "Das war Fußball, wie ich ihn im Traum male", schwärmte er hinterher, "nur dass ich da meistens aufwache, bevor wir treffen." Doch Inti Gas gab sich noch nicht geschlagen. In der 63. Minute verkürzte Carl Postiga auf 3:2 - ein wuchtiger Schuss unter die Latte, bei dem Cristal-Keeper Carl Cunha nur hinterherblickte. "Ich hab den Ball gehört, bevor ich ihn gesehen hab", gab Cunha zu. Von da an wurde es wild: Gelbe Karten, hitzige Wortgefechte, taktische Umstellungen - alles dabei. Levi Galili und Jose Cunha sahen Gelb, und spätestens da wusste jeder auf der Tribüne: Das hier würde nicht als Freundschaftsspiel enden. In den letzten Minuten drückte Inti Gas mit aller Macht, stellte auf volles Pressing um. Cristal verteidigte mit Herz, Humor und notfalls beiden Beinen. "Wir wollten das Ding einfach nach Hause bringen", keuchte Verteidiger Dimas de Almeida, der kurz vor Schluss eingewechselt wurde, "auch wenn’s nur auf der Trage gewesen wäre." Als Schiedsrichter Torres - der übrigens mehr gestikulierte als beide Trainer zusammen - endlich abpfiff, fiel Dirk Spieler seinem Torwart um den Hals. 3:2, ein Arbeitssieg mit lateinamerikanischem Drama und europäischer Effizienz. "Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur tanzen, sondern auch kämpfen können", sagte Torschütze Zivkovic, während er sich den Schweiß aus den Augen wischte. Bei Inti Gas dagegen war die Stimmung gedämpft. "Wenn du zwei Tore auswärts machst und trotzdem verlierst, willst du einfach nur in den Bus", meinte Calabro trocken. Am Ende bleibt ein Spiel, das alles bot: frühe Tore, Verletzungspech, gelbe Karten und ein Publikum, das wohl noch heute heiser ist. AD Cristal klettert mit diesem Sieg in der "1. Liga Peru" weiter nach oben - und Trainer Spieler hat wieder Stoff für seine Lieblingsphrase: "Ein gutes Spiel erkennt man daran, dass man danach duschen muss - selbst auf der Bank." Und wer dabei war, weiß: Der Mann hat recht. 15.05.643987 02:17 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
Mehmet Scholl zur schlechten Stimmung bei den Bayern