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Ein kühler Abend am Bosporus, 18.563 Zuschauer im Vodafone Park, und ein 18-jähriger Stürmer, der die Bühne für sich entdeckt: Antonio Conti war der Mann des Abends beim 2:1-Sieg von Besiktas gegen Bursa Nilüferspor am 23. Spieltag der 1. Liga Türkei. Zwei Tore, ein Lächeln, das halb Istanbul erhellte - und ein Trainer Jon Dpunkt, der nach Schlusspfiff wirkte, als hätte er gerade eine Achterbahnfahrt überlebt. "Ich hab ihm gesagt: Mach’s einfach wie im Training - nur halt diesmal mit Publikum", grinste Dpunkt nach dem Spiel über seinen Jungspund. Und Conti? Der drückte seine Stirn gegen die kalte Mikrofonstange und meinte trocken: "Ich wollte eigentlich flanken." Dabei begann das Spiel alles andere als glamourös. Bursa Nilüferspor überraschte mit forschem Auftreten. Schon in der zweiten Minute prüfte Onur Sargun Besiktas-Keeper Koray Martin mit einem satten Flachschuss. Kurz darauf drosch Güngör Sentürk den Ball zweimal gefährlich Richtung Gehäuse - die Fans auf der Nordtribüne duckten sich sicherheitshalber. Besiktas brauchte gut eine Viertelstunde, um in den Rhythmus zu finden. Dann aber zeigten die Schwarz-Weißen, warum sie daheim kaum zu knacken sind. Nach Vorarbeit von Jeno Nyilasi setzte Conti in der 22. Minute zum Sprint an, nahm den Ball mit zwei Kontakten mit und schob eiskalt ein - 1:0. Der Jubel? Eher ein Aufatmen. Denn die Fans hatten bis dahin mehr Ballverluste als Torchancen gezählt. Doch die Freude währte kurz. In der 33. Minute schlich sich Marco Djalo auf der rechten Seite davon, bekam den Ball in den Lauf und hämmerte ihn humorlos unter die Latte - 1:1. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand Besiktas-Verteidiger Stefan Martens nachher und fügte hinzu: "War er aber nicht. Leider." Mit dem Unentschieden ging’s in die Pause. Trainer Dpunkt blieb seiner defensiven Grundordnung treu - "wir wollten sie müde spielen", erklärte er später -, doch die Zuschauer wollten lieber Tore sehen. Und Chancen gab’s reichlich: 19 Torschüsse für Besiktas, fünf für Bursa. Harrison Nolan prüfte Keeper Berat Gürsoy mehrfach, Esteban Carvalho zirkelte knapp vorbei, und selbst Innenverteidiger Martens versuchte sich an einem Kopfball, der mehr an eine verunglückte Rückgabe erinnerte. Bursa blieb gefährlich im Konter, schaffte es aber selten über die Mittellinie hinaus. Filipe Antunes sah in der 51. Minute Gelb, nachdem er Conti etwas zu stürmisch umarmt hatte - "er wollte wohl mein Trikot schon vorher", witzelte der Stürmer später. Die Entscheidung fiel schließlich in der 83. Minute. Der junge Andrej Nemec, 19 Jahre alt und eigentlich eher der stille Arbeiter im Mittelfeld, spielte einen Pass, der so fein war, dass selbst die VIP-Loge kurz inne hielt. Conti startete, nahm Maß - und traf zum 2:1. Der Jubel? Diesmal grenzenlos. Dpunkt warf die Arme hoch, die Ersatzbank fiel sich in die Arme, und selbst der Linienrichter grinste kurz. In den letzten Minuten verteidigte Besiktas das Ergebnis mit der Gelassenheit einer Mannschaft, die weiß, wie schnell Fußball grausam werden kann. Nur Zahit Sargun ließ sich in der 90. Minute noch eine Gelbe Karte zeigen - "weil ich zu euphorisch gejubelt habe", meinte er schulterzuckend. Nach Abpfiff klatschten die Fans rhythmisch, als wollten sie den jungen Conti für immer in die Vereinschronik einmeißeln. Trainer Dpunkt fasste das Spiel nüchtern zusammen: "Wir waren defensiv eingestellt, haben aber offensiv das Herz gezeigt, das man hier sehen will." Bursa-Coach - der nach Spielende wortkarg blieb - dürfte das anders sehen, doch seine Mannschaft hatte dem Druck von Besiktas in der zweiten Halbzeit kaum etwas entgegenzusetzen. Statistisch war alles klar: 52,6 Prozent Ballbesitz, fast viermal so viele Torschüsse - Besiktas dominierte, auch wenn der Sieg knapp aussah. Für Bursa Nilüferspor bleibt das Fazit: mutiger Beginn, dann zerrieben zwischen der jugendlichen Unbekümmertheit von Conti und der Routine von Nyilasi. Und irgendwo in den Katakomben hörte man den 18-jährigen Matchwinner noch sagen: "Zwei Tore sind schön, aber Mama will immer drei." Wenn er so weitermacht, könnte das bald kein Scherz mehr sein. Ein bisschen Glück, viel Einsatz und ein Hauch jugendlicher Leichtsinn - Besiktas hat wieder diesen Mix gefunden, den man in Istanbul liebt. Und Antonio Conti? Der Junge hat an diesem Abend vielleicht mehr Fans gewonnen, als er Instagram-Follower hat. 02.06.643993 15:30 |
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Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler