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Ein Torwart, der zum Helden wird, ein Innenverteidiger, der zum Stürmer mutiert, und ein Publikum, das zwischen Staunen und Stöhnen schwankte - der 19. Spieltag der 1. Liga Wales hatte im Bridgend Park alles, was ein Montagabendspiel braucht. Am Ende jubelten jedoch nur die Holyhead Blues, die dank eines seltenen Glücksmoments ihres Abwehrhünen Max Combe mit 1:0 (1:0) bei Bridgend Athletic gewannen. Vor 31.126 Zuschauern entwickelte sich ein Spiel, das auf dem Papier knapp aussah, auf dem Rasen aber eine klare Sprache sprach. 21 Torschüsse für die Gäste, nur drei für die Heimelf - wer das Ergebnis nicht kannte, hätte wohl auf ein 0:4 getippt. Doch Fußball schreibt eben manchmal Geschichten, die selbst Hollywood zu banal wären. Die ersten Minuten waren ein einziges Blaues Dauerfeuer. Noah Barbier prüfte bereits nach zwei Minuten den jungen Bridgend-Keeper Dylan Forsythe, der das Leder mit zitternden Handschuhen über die Latte lenkte. In der 15. Minute versuchte es Igor Skrtel, später noch einmal Barbier, noch einmal Skrtel, dann sogar Innenverteidiger Combe - Holyhead schoss aus allen Lagen, während Bridgend versuchte, den Ball möglichst schnell wieder loszuwerden. "Wir spielen auf Konter", erklärte Trainer Jiri Hartl vor dem Spiel. Nach zehn Minuten hatte man das Gefühl, er meinte: "Wir spielen auf Befreiungsschläge." Seine Jungs hielten sich jedenfalls an den Plan - lange Bälle, schneller Verlust. Die Entscheidung fiel in der 39. Minute, und sie fiel - natürlich - nach einer Standardsituation. Rechtsverteidiger Jacinto Almeida flankte butterweich in den Strafraum, und ausgerechnet Max Combe, der sonst hinten die Lufthoheit beansprucht, stieg hoch und nickte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. 1:0 für die Blues, und der Rest des Spiels fühlte sich an wie ein nicht endendes Déjà-vu: Holyhead griff an, Bridgend hoffte auf den Zufall. "Ich weiß gar nicht, warum ich da vorne war", grinste Combe nach dem Spiel. "Vielleicht hat mich der Wind geschoben. Oder der Trainer." Sein Coach Jürgen Steinmetz lachte: "Ich sag immer, wenn du schon 20 Mal danebenköpfst, dann triffst du irgendwann. Heute war das irgendwann." Kurz vor der Pause kam Bridgend zu seiner besten Chance: James Devaney, der einsame Mittelstürmer, stellte Holyhead-Keeper Damian Maniche auf die Probe, doch der 32-Jährige zeigte, warum man ihn in Holyhead liebevoll "die Wand" nennt. "Der Ball war scharf, aber ich hatte noch Tee im Blut", witzelte er im Nachgang. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Holyhead blieb ruhig, spielte weiter ihr balanciertes Passspiel, während Bridgend versuchte, mit Tempo über die Flügel zu kommen. Trainer Hartl schrie sich an der Seitenlinie die Seele aus dem Leib, besonders nach der gelben Karte für George Hiliard (48.), der in bester Rugby-Manier in den Gegner grätschte. In der 62. Minute dann Schreckmoment für die Blues: Mittelfeldmann Ramon Vaz blieb nach einem Zweikampf liegen, musste verletzt raus. Für ihn kam Tobias Werner, der sich prompt eine Gelbe abholte - "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", kommentierte Werner trocken. Von Bridgend kam weiterhin wenig außer guter Absicht. Riley Graysmark prüfte Maniche in der 41. Minute, Marc Bonnaire tat es ihm in der 81. gleich, doch mehr als ein müdes Raunen ging durch die Tribünen nicht. Als der Schlusspfiff ertönte, war das 0:1 fast schmeichelhaft. "Wir haben gegen die Wand gespielt - und verloren", fasste Hartl lapidar zusammen. "Ballbesitz ist schön, wenn man ihn hat. Wir hatten ihn eben selten." Laut Statistik nur 43,7 Prozent - und das sah man. Steinmetz hingegen war zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir hätten das Spiel früher entscheiden müssen. Aber wenn du so viele Chancen hast und der Gegner nie gefährlich wird, dann reicht manchmal auch ein Kopfballtor vom Verteidiger. Ich nehm’s." Die Fans in Bridgend verabschiedeten ihr Team dennoch mit Applaus - vielleicht, weil sie wussten, dass man mit langen Bällen keine Flügel bekommt. Ein Fazit mit Augenzwinkern: Holyhead zeigte, wie man mit Geduld und Präzision ein Spiel kontrolliert, Bridgend hingegen, wie man mit viel Herz, aber wenig Plan einen Abend füllt. Und irgendwo zwischen einem Abwehrkopfball und einer Teetasse feierte Max Combe den wahrscheinlich schönsten Moment seiner Karriere - bis der Trainer ihn daran erinnerte, dass er nächste Woche wieder hinten bleiben soll. 27.08.643987 04:58 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts