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Es war ein Freitagabend, an dem der Fußball in Coburg mal wieder die ganze Palette seiner Launen zeigte: Euphorie, Verzweiflung, und am Ende ein leises Fluchen über vertane Chancen. 3.500 Zuschauer im Stadion sahen ein Oberliga-F-Spiel, das mit 2:3 (2:1) endete - und das hätte für den DVV Coburg durchaus anders laufen können. Empor Rostock begann forsch. Schon in der 5. Minute zappelte der Ball im Netz, nachdem Bernt Riedel einen sehenswerten Angriff über die rechte Seite vollendete. "Ich hab einfach draufgehalten - und diesmal ging er rein", grinste der 26-Jährige später, während Trainer Johan Johansson daneben nickte: "Wir wollten früh Zeichen setzen, das war unser Plan A - und zum Glück brauchten wir keinen Plan B." Coburg schüttelte sich kurz, dann übernahm das Heimteam das Kommando. Mit 52 Prozent Ballbesitz und viel Kontrolle im Mittelfeld erspielte sich die Mannschaft von Trainer (dessen Name das Datenblatt verschweigt) eine Reihe von Möglichkeiten. Frank Albers war es schließlich, der in der 20. Minute nach Flanke von Alexander Maus zum 1:1 traf. Die Coburger Fans hatten gerade das zweite Bier geöffnet, da zischte der Ball schon wieder im Netz. Maus, diesmal selbst als Vollstrecker, traf in der 33. Minute zum 2:1 - Vorlage: Rechtsverteidiger Marko Klug, der kurz darauf scherzhaft meinte: "Ein Assist pro Halbjahr reicht mir - ich bin ja schließlich Abwehrspieler." Mit dieser Führung ging es in die Pause, und die Stimmung auf den Rängen war gelöst. Rostocks Trainer Johansson verschwand dagegen wortlos im Kabinengang - vermutlich um seine Offensivformation noch einmal zu justieren. Denn sein Team hatte zwar mehr Torschüsse (15 insgesamt), aber bis dahin wenig Zählbares außer dem frühen Treffer. Die zweite Halbzeit begann mit einem Schockmoment: Rostocks Youngster Björn Hafner musste nach 60 Minuten verletzt runter. "Er hat eine Beule, wie man sie sonst nur nach Boxkämpfen sieht", witzelte Johansson später, der prompt den 21-jährigen Maurice Hofmann einwechselte. Und diese Einwechslung sollte sich lohnen. Zunächst aber kam Rostock durch Jakob Hauser zurück ins Spiel. In der 79. Minute verwertete er eine präzise Flanke von Phillip Bachmann zum 2:2-Ausgleich. Der Jubel der Gäste war laut, der der Coburger Fans eher gequält. "Wir haben den Moment verpasst, das 3:1 zu machen", ärgerte sich Albers danach. "Und wenn du das nicht tust, bestraft dich der Fußball - oder eben Rostock." Die Schlussphase war dann ein Abbild der ganzen Partie: Coburg versuchte, das Ergebnis zu retten, Rostock blieb offensiv. In der 92. Minute fiel das, was man in Norddeutschland wohl "späten Lohn für Arbeit" nennt: Maurice Hofmann, eben jener Joker, der erst eine halbe Stunde zuvor gekommen war, traf nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Noah Koch zum 3:2-Endstand. Die Empor-Bank explodierte, Johansson sprang drei Meter weit und schrie Richtung Himmel. "Ich hab einfach instinktiv den Fuß hingehalten", erklärte Hofmann nach dem Spiel, während sein Trainer trocken anfügte: "Manchmal zahlt sich Pressing bis zur letzten Sekunde eben aus." Coburg dagegen stand konsterniert auf dem Rasen. Eine Gelbe Karte für den jungen Innenverteidiger Lasse Hofmann in der 87. Minute passte sinnbildlich ins Bild: viel Einsatz, aber am Ende zu wenig Ertrag. Auch wenn die Statistik leicht für Coburg sprach - mehr Ballbesitz, neun Torschüsse, solide Passquote - nutzten die Gäste ihre Chancen einfach konsequenter. Nach Abpfiff klopfte Trainer Johansson seinem Pendant auf die Schulter und murmelte: "Schönes Spiel - zumindest für uns." Der Coburger Trainer verzichtete auf jegliche Erwiderung, stattdessen blickte er lange auf den Rasen, als wolle er dort den verlorenen Punkt suchen. Ein paar Fans blieben noch auf den Rängen, um ihre Mannschaft zu trösten. "So ist Fußball", seufzte ein älterer Herr im Vereins-Schal, "mal führst du 2:1, mal verlierst du 2:3 - Hauptsache, der Glühwein bleibt heiß." Ein Satz, der wohl auch den Abend zusammenfasst: heiß, wechselhaft, und am Ende ein bisschen bitter für Coburg. Rostock dagegen reist mit drei Punkten im Gepäck zurück an die Ostsee - und der Gewissheit, dass sich Hartnäckigkeit manchmal erst in der Nachspielzeit auszahlt. Und Coburg? Die müssen wohl lernen, dass ein Spiel eben erst dann vorbei ist, wenn auch die letzte Minute gespielt ist - und der Schiedsrichter endlich pfeift. 06.11.643990 14:15 |
Sprücheklopfer
Da haben Spieler auf dem Spielfeld gestanden, gestandene Spieler.
Günter Netzer