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Es hätte ein italienischer Fußballabend nach Maß werden können, doch am Ende stand US Cittadella nach einem 2:2 im Champions-League-Viertelfinal-Hinspiel gegen die Old Boys Basel mit ebenso viel Frust wie Schweiß auf dem Rasen. 79.500 Zuschauer erlebten einen rasanten, stellenweise irrwitzigen Schlagabtausch, bei dem die Gastgeber das Spiel dominierten, aber die Schweizer das Ergebnis bestimmten. Schon in den ersten Minuten rollte der rotbraune Express aus Cittadella unaufhaltsam an. Trainer Michael Schuller hatte sein Team "offensiv mit vollem Herzblut" eingestellt - und das sah man. Kaum war die Uhr in der achten Minute angelaufen, hatte Charles Catrall bereits zwei Mal abgezogen. Und dann passierte, was die Fans so lieben: Marc Oliveira traf in der 9. Minute nach mustergültiger Vorarbeit des 22-jährigen Nathan Callaert - 1:0! Schuller riss die Arme hoch, als hätte jemand gerade die Lottozahlen gezogen. Nur zwei Minuten später legte Jozsef Bene nach. Stanislav Tobollik flankte butterweich von rechts, Bene köpfte wuchtig ins Netz - 2:0. "Da dachte ich, jetzt wird’s ein Spaziergang", grinste Bene später, "aber Fußball ist ja kein Wellnesstag." Die Old Boys Basel wirkten in dieser Phase wie ein Team, das den Bus verpasst hatte. Nur vier Torschüsse im ganzen Spiel zeigen, wie sehr sie auf Konter setzten. Doch einer dieser seltenen Vorstöße saß: In der 23. Minute nutzte Eric Lefebvre eine Unachtsamkeit in der Cittadella-Abwehr und schob nach Vorlage von Michael Wahbi cool zum 2:1 ein. "Wir wussten, dass sie vorne alles riskieren", meinte Basels Trainer André Marsmann, "manchmal ist Geduld die beste Waffe." Cittadella blieb auch nach dem Anschlusstreffer am Drücker - insgesamt 15 Schüsse auf das Basler Tor, 50,6 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Nur das Ergebnis wollte nicht so recht mitspielen. Catrall vergab freistehend, Oliveira prüfte Torwart Charlie O’Brien mehrfach, und der Pfosten hatte ebenfalls etwas gegen italienische Euphorie. Nach der Pause drehte sich die Stimmung. Basel kam wacher aus der Kabine - und Daniel Connolly, der bullige Mittelstürmer, traf in der 49. Minute nach einem präzisen Pass von Shefki Hyypiä zum 2:2. Die schweizerische Bank explodierte, während Cittadellas Verteidiger Joao de Gogorza ratlos die Arme hob. "Ich hab nur kurz geblinzelt - und schon war der Ball drin", murmelte er später mit einem gequälten Lächeln. Danach wurde es hitzig. Vincent Ludvigsen sah Gelb für ein taktisches Foul (58.), de Gogorza ebenfalls in der 85. Minute. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Statisten sind", rechtfertigte Ludvigsen sein Einsteigen. Trainer Schuller reagierte hektisch: Erst kam Igor Buterin (70.), dann Morten Johannessen (74.) und schließlich Tim Goosens (78.). "Ich wollte frische Beine und vielleicht noch ein drittes Tor - bekommen habe ich drei nervöse Spieler", sagte Schuller halb lachend, halb seufzend. Basel musste in der 62. Minute Connolly verletzungsbedingt auswechseln. "Ich hab’s im Oberschenkel knacken gehört", flüsterte der Stürmer nach dem Spiel, während er sich auf Krücken Richtung Bus schleppte. Marsmann brachte Miguel Albentosa - der zwar kein Tor schoss, aber zumindest dafür sorgte, dass die Cittadella-Abwehr beschäftigt blieb. Die letzten zehn Minuten waren ein einziger Sturmlauf der Italiener. Pressing auf Anschlag, Flanken aus allen Lagen, Callaert schoss in der 91. Minute nochmal aus spitzem Winkel - drüber. "Wenn der reingeht, reden wir heute über Helden", knurrte Schuller. Doch der Ball wollte nicht mehr. So endete ein Spiel, das Cittadella eigentlich hätte gewinnen müssen, mit einem Ergebnis, das Basel wie ein Sieg vorkam. Marsmann grinste im Kabinengang: "Wir haben die Pizza brennen lassen und trotzdem nicht verloren." Schuller ballte die Faust und sagte nur: "Dann backen wir im Rückspiel eben Brot." Die Statistiker werden lange über dieses Spiel schreiben - 15:4 Torschüsse, fast identischer Ballbesitz, aber ein Ergebnis, das wie ein schlechter Witz klingt. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er nicht genau dafür geliebt würde. Und irgendwo in den Gängen des Stadions hörte man einen Fan sagen: "Das war kein Spiel - das war ein Drama in zwei Akten." Das Rückspiel in Basel verspricht nun Spannung pur. Und wer weiß - vielleicht hat Cittadella ja doch noch ein Rezept gegen die Schweizer Geduld. Bis dahin bleibt nur die Erkenntnis: Manchmal ist 2:2 das fairste aller ungerechten Ergebnisse. 27.11.643987 06:25 |
Sprücheklopfer
Wir haben die Chancenverwertung nicht verwertet.
Andreas Brehme