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Wenn 63.782 Zuschauer am 6. Januar 2026 in Cittadella auf ihren Sitzen stehen, dann riecht das Stadion nicht nur nach Bratwurst und Hoffnung, sondern auch nach einer kleinen Sensation. Und die bekamen sie: US Cittadella fegte den AC Neapel mit einem glasklaren 3:0 vom Rasen - ein Ergebnis, das so deutlich war, wie es klang, und doch so leichtfüßig zustande kam, als hätte jemand die Gravitation für 90 Minuten abgeschaltet. Schon nach 60 Sekunden nahm das Schicksal Fahrt auf. Alexander Albrecht, der Mann mit der Stürmermentalität eines Uhrwerks, verwandelte den ersten Angriff in ein Tor. Igor Buterin, der zentrale Strippenzieher im Mittelfeld, hatte die Vorlage geliefert - ein Pass so fein dosiert, dass er vermutlich auch eine Espressomaschine bedienen könnte. "Ich dachte, das sei noch zu früh für ein Tor", grinste Trainer Michael Schuller später. "Aber Alex hat mich eines Besseren belehrt. Und ehrlich gesagt - ich hatte noch nicht mal meinen Kaugummi ausgepackt." Neapel, unter Coach Header Maxov angetreten, wirkte in dieser Anfangsphase wie ein Tourist, der gerade die falsche U-Bahn genommen hat. Offensiv ausgerichtet, aber ohne Pressing, ohne Biss - und mit nur 36 Prozent Ballbesitz. Die wenigen Offensivmomente kamen von Arnaldo Soveria Simeri, der in der 32. und 34. Minute immerhin zwei Warnschüsse abgab. Doch Cittadellas Keeper Werner Gade, elegant wie ein Bibliothekar mit Fanghandschuhen, hielt souverän. Noch vor der Pause schnürte Cittadella den Gegner in dessen Hälfte ein. 63 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse insgesamt - ein Wert, der eher an eine Trainingseinheit erinnert als an ein Ligaspiel. Neapel kam auf drei, und das ist keine Übertreibung, sondern Statistik. Nach dem Seitenwechsel ging’s munter weiter. In der 52. Minute schickte Buterin den quirligen Jozsef Bene steil, der wiederum das Leder mit chirurgischer Präzision ins lange Eck schlenzte - 2:0. Der Jubel? Eine Mischung aus Euphorie und Ungläubigkeit. Bene, der sonst eher als arbeitsamer Flügel bekannt ist, grinste nach dem Tor: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte andere Pläne." Und während Neapel noch überlegte, ob man vielleicht doch ein bisschen mehr tun sollte, machte Cittadella in der 61. Minute endgültig den Deckel drauf. Der junge Amaury Brito, gerade einmal 20, tankte sich durch die Abwehr und legte quer auf Marc Oliveira - 3:0. Ein Treffer, der so sauber ausgespielt war, dass man ihn in Lehrfilme schneiden könnte. "Amaury spielt, als hätte er das Spiel auf Zeitlupe", schwärmte Schuller nach der Partie. Neapel hingegen wechselte wild. Zwischen der 63. und 75. Minute brachte Maxov gleich drei frische Offensivkräfte - Petrow, Winchel und Carnegie - doch der Effekt blieb aus. Statt Aufbäumen kam Ratlosigkeit. "Wir wollten reagieren, aber Cittadella ließ uns einfach nicht", seufzte Maxov. "Es war, als hätten sie den Ball mit Magneten festgeklebt." Die einzige nennenswerte Farbe auf Neapels Seite war Gelb - Stephane Leachman sah sie in der 58. Minute nach einem rustikalen Foul. Cittadellas Gyula Lorant revanchierte sich in der Nachspielzeit mit seiner eigenen Verwarnung - sportliche Fairness in Gelb eben. Kurz vor Schluss dann noch ein Schreckmoment: Arnaldo Soveria Simeri verletzte sich in der 86. Minute und musste behandelt werden. Während er vom Platz humpelte, rief ein Cittadella-Fan aus der Kurve: "Kopf hoch, Arnaldo, beim nächsten Mal schießt du ihn rein!" Der junge Neapolitaner hob die Hand - ob zum Dank oder als stilles Versprechen, blieb offen. Als Schiedsrichter Marco D’Andrea abpfiff, stand ein 3:0 auf der Anzeigetafel, das auch hätte höher ausfallen können. Cittadella spielte, als hätten sie heimlich das Drehbuch gekannt, Neapel dagegen, als hätten sie es erst in der Pause gelesen. "Wir haben heute Fußball zelebriert, nicht nur gespielt", sagte Schuller mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und Ungläubigkeit schwebte. Und als ihn ein Reporter fragte, ob das der Start einer Serie sei, antwortete er trocken: "Wenn meine Jungs so weiterspielen, brauchen wir bald eine eigene Liga." Ein großartiger Abend für Cittadella, ein gebrauchter für Neapel - und ein Spiel, das zeigt, dass Leidenschaft und Disziplin manchmal stärker sind als große Namen. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen brummte: "Manchmal ist das Schöne am Fußball, dass er keine Logik kennt. Heute schon gar nicht." 18.03.643987 02:55 |
Sprücheklopfer
Je länger ich darüber nachdenke, desto definitiver stehe ich nicht zur Verfügung.
Franz Beckenbauer