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Alpha Ethniki | 4. Spieltag | 08.07.26 | Chersonissos - Alexandroupoli 5:0 Es war eine dieser Partien, bei denen man sich fragt, was in der Kabine passiert ist. In Hälfte eins: gepflegtes Ballgeschiebe, 51 Prozent Ballbesitz für Chersonissos, aber wenig Zwingendes. Alexandroupoli hielt dagegen, ohne selbst gefährlich zu werden. Vier Torschüsse - ein paar harmlose Versuche von Gavriil Notara, der sich zwar redlich mühte, aber spätestens an Chersonissos-Keeper Amaury Alvarez scheiterte. Dann kam Minute 53. Otto Justesen, der 35-jährige Rechtsaußen, der bei seinem Anblick schon fast nach Veteranenrabatt aussieht, hatte offenbar genug von der Gemütlichkeit. Nach einem langen Pass von Innenverteidiger Mika Vuorinen nahm er den Ball elegant mit der Brust, drehte sich - und hämmerte ihn ins rechte Eck. 1:0. Das Stadion explodierte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Justesen später, "aber dann dachte ich: Warum nicht mal wieder altmodisch Tore schießen?" Drei Minuten später war’s Theodoros Fyssas, 22 Jahre jung und mit mehr Energie als die gesamte Gastmannschaft zusammen. Nach feinem Zuspiel von Borislaw Repnew tanzte er durch zwei Verteidiger und schob locker ein - 2:0. Alexandroupoli-Trainer Grecco Grecco (ja, der Mann heißt wirklich so) stand an der Seitenlinie, die Arme ausgebreitet, als wollte er den Schiri fragen, ob man das abbrechen könne. Doch es kam noch schlimmer. Sechs Minuten nach dem ersten Tor - Minute 61 - mischte sich sogar Rechtsverteidiger Dylan Monroe unter die Torschützen. Nach einem Doppelpass mit Stürmer Juanito Quiles versenkte er den Ball humorlos unter die Latte. 3:0. "Ich hab nur geschossen, weil keiner da war, der mich gestoppt hat", lachte Monroe hinterher. Zwei Minuten später wieder Justesen, wieder nach Vorlage Vuorinen - diesmal war’s fast eine Kopie des ersten Treffers. 4:0. Der erfahrene Däne riss die Arme hoch, grinste in Richtung Gästeblock, wo sich die mitgereisten Fans schon gegenseitig trösteten. Und weil fünf eine schönere Zahl ist als vier, legte Borislaw Repnew in Minute 69 nach - nach Pass von Granit Xhaka, der im Mittelfeld die Fäden zog wie ein erfahrener Dirigent. 5:0. Danach durfte Alexandroupoli wenigstens Mitleid kassieren: Stephane Leblanc musste verletzt raus, und Trainer Grecco brachte den überforderten Vitorino Carvalho, der prompt als rechter Mittelfeldspieler auflief, obwohl er eigentlich Verteidiger ist. Chersonissos bekam noch drei Gelbe Karten - Gounaris, Repnew und Monroe -, aber das störte niemanden mehr. Trainer Kersten Rittner grinste nach dem Abpfiff breit wie ein Mann, der weiß, dass seine Mannschaft gerade eine Machtdemonstration geliefert hat. "Ich habe in der Halbzeit gesagt: Jungs, spielt doch einfach Fußball. Offenbar haben sie mich beim Wort genommen." Die Statistiken sprechen Bände: 16 Torschüsse zu 4, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu fünf verschiedene Vorlagengeber. Alexandroupoli schaffte es trotz offensiver Ausrichtung kaum über die Mittellinie, und das Pressing? Nun ja - wenn man es freundlich formulieren wollte: Es fand nicht statt. "Wir wollten kontrolliert agieren", erklärte Grecco nach dem Spiel. Dann seufzte er und fügte hinzu: "Aber irgendwann kontrollierte nur noch der Gegner." Auf der Tribüne tuschelte man schon über "das neue Chersonissos-Wunder". Die Fans sangen, Otto Justesen bekam Standing Ovations, und der Stadionsprecher musste die Zuschauer dreimal bitten, die Sitze wieder einzunehmen. Am Ende blieb das Gefühl, Zeuge eines kleinen Fußball-Feuerwerks geworden zu sein. Die zweite Halbzeit war nicht taktische Perfektion, sondern pure Spielfreude - oder, wie Repnew es formulierte: "Wir haben einfach Lust bekommen." Vielleicht war’s der Wind vom Meer, vielleicht der Kaffee in der Pause - sicher ist nur: Wenn Chersonissos so weitermacht, wird’s in dieser Alpha Ethniki noch einige Mannschaften geben, die sich auf der Rückfahrt fragen, was ihnen da eigentlich passiert ist. Und irgendwo in Alexandroupoli wird Trainer Grecco heute Nacht wachliegen und denken: Vielleicht hätten wir ja doch ein bisschen pressen sollen. 08.07.2026 21:14 |
Sprücheklopfer
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!
Rudi Völler