Athlitiki Icho
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Chersonissos tanzt in Livadia: Späte Tore, große Emotionen, vier Ausrufezeichen

Es war eine dieser Nächte, in denen der Fußball im kleinen Livadia-Stadion mehr Drama bot als so manche griechische Tragödie. 16.000 Zuschauer brüllten, sangen, fluchten - und am Ende feierte nur eine Seite: Chersonissos, das Team von Trainer Harry Kane, nahm mit einem 4:2-Sieg beim Livadia FC drei Punkte mit, die sich wie ein Paukenschlag anfühlen.

Dabei hatte die Partie so harmlos begonnen, dass mancher Fan in der Pause wohl überlegte, ob er stattdessen lieber noch einen Souvlaki holen sollte. 0:0 zur Halbzeit, kaum klare Chancen, dafür ein gelber Karton für Livadias Rechtsverteidiger Damianos Vassiliadis, der sich über eine Schiedsrichterentscheidung derart echauffierte, dass man kurz dachte, er wolle den Linienrichter adoptieren - um ihn dann zu enterben.

Doch nach dem Seitenwechsel explodierte das Spiel. Chersonissos kam mit offenem Visier aus der Kabine, offensiv wie angekündigt. In der 48. Minute war es Karel De Graff, der nach Vorarbeit von Hugo Mattson das 1:0 erzielte - ein trockener Schuss ins lange Eck, der Livadias Keeper Lukas Christou keine Chance ließ. "Ich hab nur den Wind gespürt", grinste Christou später, "und dann den Ball aus dem Netz geholt."

Nur neun Minuten später folgte der nächste Nackenschlag: Gerhard Block, gerade erst zur zweiten Halbzeit für Ignacio Albacar eingewechselt, traf aus 20 Metern zum 2:0. Sein Schuss war so präzise, dass man meinen konnte, er habe die Flugbahn mit einem Laserpointer vorgezeichnet.

Livadia reagierte - oder versuchte es zumindest. Doch das Pech klebte am Stiefel: In der 56. Minute verletzte sich der junge Agisilaos Sisinis, wurde unter Applaus ausgewechselt. Trainerkommentare gab es keine, nur ein genervtes Kopfschütteln an der Seitenlinie.

Aber Fußball wäre nicht Fußball, wenn er keine Wendungen böte. In der 81. Minute brachte Nicolas Bedard die Gastgeber mit einem schönen Flachschuss nach Vorlage von Spyridon Pontikos auf 1:2 heran. Das Stadion tobte, der Stadionsprecher überschlug sich, und für einen Moment glaubte man an das Wunder von Livadia.

Doch kaum war der Jubel verklungen, konterte Chersonissos eiskalt. Nur eine Minute später schob Rechtsverteidiger Pau Gomes - mit gelber Karte vorbelastet - nach Pass von Benyamin Hoffmann zum 3:1 ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Gomes später schmunzelnd, "aber der Ball hatte andere Pläne."

Livadia kämpfte sich trotzdem noch einmal heran: In der 88. Minute erzielte ausgerechnet der zuvor gelbverwarnte Vassiliadis das 2:3, Bedard hatte diesmal die Vorlage gegeben. Der Treffer war schön, aber letztlich nur Kosmetik - denn in der Nachspielzeit machte Chersonissos alles klar. Der 17-jährige Granit Xhaka, gerade eingewechselt, legte mustergültig auf, und Venediktos Fotopoulos, dieser ewig lächelnde Mittelstürmer, traf zum 4:2-Endstand.

"Ich hab Granit gesagt, er soll einfach Spaß haben", erzählte Trainer Kane nach dem Spiel, "und dann macht er gleich eine Vorlage. Vielleicht sollte ich öfter Teenager bringen."

Statistisch gesehen war es ein klarer Fall: 17 Torschüsse für Chersonissos, nur acht für Livadia. Der Ballbesitz war mit 51,6 Prozent für die Gastgeber zwar leicht höher, aber das half wenig. Die Gäste wirkten entschlossener, strukturierter, schlicht gefährlicher. Livadia spielte zwar gefällig, aber ohne Durchschlagskraft - wie ein Tänzer mit zwei linken Füßen.

Chersonissos dagegen nutzte seine Chancen mit chirurgischer Präzision. Besonders auffällig: das offensive Zusammenspiel über die Flügel und die Ruhe, mit der sie in den letzten Minuten agierten. Kein hektisches Wegbolzen, kein Zittern - nur kalte Effizienz.

"Wir wollten zeigen, dass wir auch auswärts Tore schießen können", sagte Kapitän Hugo Mattson nach dem Spiel, während er sich die Schweißperlen von der Stirn wischte. "Vier sind ein Statement."

Auch der Livadia-Coach - dessen Name in der offiziellen Liste kurioserweise fehlte - wirkte nachdenklich: "Wir haben zu spät an uns geglaubt. Und wenn du gegen so eine Mannschaft wie Chersonissos schläfst, wachst du eben mit vier Gegentoren auf."

So endet ein Abend, der in Livadia wohl noch lange nachhallen wird. Für Chersonissos war es ein Triumph der Konsequenz; für die Gastgeber eine bittere Erinnerung daran, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Und das ist leider das, was zählt."

Ein Satz, der wohl auch in der Kabine von Livadia hängen bleiben dürfte - eingerahmt zwischen Ernüchterung und Hoffnung auf das nächste Spiel.

25.04.643990 10:05
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