Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Chersonissos tanzt - De Graff und Fotopoulos zerlegen Thrasivoulos

Wer am Samstagabend im Stadion von Chersonissos war, bekam mehr als nur Fußball geboten - es war eine kleine griechische Tragödie für Thrasivoulos und ein Festspiel für die Gastgeber. Vor 19.869 Zuschauern setzte sich Chersonissos am 13. Spieltag der 1. Liga Griechenlands mit einem souveränen 3:0 (1:0) durch. Drei Tore, drei Geschichten - und ein Karel De Graff, der aussah, als hätte er beschlossen, das Spiel im Alleingang zu gewinnen.

Bereits in der 12. Minute machte der 33-jährige Niederländer ernst. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Aaron Warriner pflückte De Graff den Ball aus der Luft, drehte sich um seinen Gegenspieler und schob lässig ins lange Eck. "Ich dachte, ich hab den Winkel zu spitz", grinste der Routinier nach dem Spiel, "aber dann hab ich einfach mal so getan, als wäre ich 25." Das Stadion tobte, und Trainer Harry Kane - ja, der Harry Kane, der nun an der Seitenlinie in Griechenland residiert - ballte die Faust. "Karel hat heute gespielt, als hätte er noch eine Rechnung offen - vielleicht mit dem Laufband im Fitnessraum", scherzte Kane später.

Thrasivoulos dagegen suchte lange nach einer Idee. Zwar hielten sie den Ball mit fast 49 Prozent Ballbesitz einigermaßen in den eigenen Reihen, aber gefährlich wurde es selten. Ivan Tokic versuchte es zweimal aus der Distanz (33. und 36. Minute), doch Torhüter Ashton Heighway blieb unbeeindruckt und sortierte nach jeder Parade seelenruhig seine Handschuhe. Als Orestis Giannopoulos in der 43. Minute verletzt vom Platz musste, schien das Unheil seinen Lauf zu nehmen.

Kurz nach Wiederanpfiff dann der Doppelschlag, der das Spiel entschied: De Graff lauerte links, Ignacio Albacar schickte einen Pass durch die Schnittstelle, und mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon alles gesehen hat, schloss De Graff in Minute 48 zum 2:0 ab. Sekunden später lag er am Boden - Muskelverhärtung, nichts Dramatisches. "Ich wollte eigentlich noch ein drittes machen", sagte er, "aber mein Oberschenkel hatte andere Pläne."

Harry Kane reagierte sofort, brachte frischen Wind: William Hamlin kam für Morgan Staunton, der 17-jährige Theodoros Fyssas ersetzte Tyler O’Brien - und zeigte immerhin, dass in Chersonissos auch die Zukunft schon am Horizont lauert.

Thrasivoulos, von der eigenen Offensive verlassen, blieb bemüht, aber harmlos. Antonios Karagounis prüfte Heighway in der 55. Minute, Ivan Tokic drosch in der 75. den Ball über die Tribüne - sinnbildlich für den Abend. "Wir haben offensiv gespielt, aber ohne Biss", seufzte Trainer Giorgos Papanikolaou (der sich nach Abpfiff lieber nicht zur Taktik äußern wollte).

Die Schlussphase gehörte dann wieder Chersonissos. Venediktos Fotopoulos, der 23-jährige Mittelstürmer mit der Physis eines antiken Helden, krönte seine starke Leistung in der 86. Minute mit dem 3:0. Nach Vorarbeit von William Hamlin vollendete er aus kurzer Distanz. "Ich hab den Ball reingeschoben, aber ehrlich - William hat den gemacht", sagte Fotopoulos bescheiden. Hamlin grinste nur: "Das schreibst du jetzt aber auch so, ja?"

Es blieb beim 3:0, auch weil Thrasivoulos in den letzten Minuten mehr Gelbe Karten sammelte (Mouratidis, Theotokis) als Torchancen. Chersonissos dagegen spielte das Ergebnis souverän herunter - selbst als Tomas Kisel kurz vor Schluss noch Gelb sah und sich beim Schiedsrichter mit einem ironischen Applaus bedankte.

Statistisch gesehen war es ein beinahe ausgeglichenes Spiel: 51,4 Prozent Ballbesitz für Chersonissos, 48,6 für Thrasivoulos. Doch das sagt wenig über die Qualität aus - 17 Torschüsse der Hausherren stehen mageren sechs der Gäste gegenüber. Das Tackling-Verhältnis (54 zu 46 Prozent) spricht ebenfalls für die Gastgeber, die einfach entschlossener wirkten.

Als der Schlusspfiff ertönte, standen die Zuschauer längst auf den Sitzen. Die Sonne war untergegangen, aber die Gesichter auf den Rängen leuchteten. Trainer Harry Kane fasste es trocken zusammen: "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können. Heute haben wir’s sogar gezeigt."

Und Thrasivoulos? Die Gäste verließen das Feld mit hängenden Köpfen, aber immerhin ohne Platzverweis - ein kleiner Sieg in einem sonst trostlosen Abend.

Fazit: Chersonissos spielte wie ein Team, das weiß, wohin es will. Thrasivoulos spielte wie eines, das noch den Bus sucht. Und irgendwo zwischen De Graffs Erfahrung und Fotopoulos’ jugendlicher Wucht lag die Wahrheit dieses Abends: Fußball kann manchmal einfach sein - wenn man ihn so spielt.

Oder, wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Das war kein Spiel, das war eine Lektion in Stil."

07.06.643987 00:27
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