// Startseite
| Athlitiki Icho |
| +++ Sportzeitung für Griechenland +++ |
|
|
|
Elf Grad, leichter Wind vom Meer und 11.000 Zuschauer im Stadion von Piräus - eigentlich perfekte Bedingungen für einen gemütlichen Fußballabend. Doch gemütlich war an diesem 12. Spieltag der griechischen Liga nur eines: das Verteidigungsverhalten der Gastgeber in den ersten 25 Minuten. Nach dem 0:2 (0:2) gegen Chersonissos suchte Piräus FC am Montagabend lange nach einer Erklärung - oder wenigstens nach einem Schussgefühl. Der Schock saß früh. Schon in der 4. Minute zappelte der Ball im Netz - Hugo Mattson, 34 Jahre alt, rechts außen, und offenbar fest entschlossen, dem Abend einen Rahmen zu geben. Ignacio Albacar hatte den Pass in die Tiefe gespielt, Mattson nahm den Ball in einem Zug mit und schob ihn lässig ins linke Eck. "Ich hab einfach gedacht: Wenn keiner mich stoppt, dann muss ich wohl treffen", grinste der Routinier später in die Mikrofone. Piräus-Coach, dessen Name in den offiziellen Unterlagen merkwürdigerweise fehlte, stand da schon mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. "Wir wollten kompakt stehen", murmelte er später, "aber offenbar hatten die Jungs ’kompakt’ mit ’statisch’ verwechselt." Chersonissos, trainiert von Harry Kane - nein, nicht der englische Stürmer, sondern sein griechisch-britischer Namensvetter mit gepflegtem Dreitagebart - blieb nach dem frühen Treffer am Drücker. Tyler O’Brien, der wendige Linksmittelfeldspieler, erhöhte in der 25. Minute auf 2:0. Ein sauberer Schuss, vorbereitet von Morgan Staunton, der zuvor zwei Gegenspieler wie Trainingshütchen umkurvt hatte. "Ich hab den Ball einfach flach gehalten", erklärte O’Brien später mit einem Schulterzucken, "der Rest war Physik." Piräus wirkte danach wie ein Team, das plötzlich bemerkt, dass es eigentlich auch mitspielen darf. Zwischen Minute 40 und 41 hatten Omiros Fyssas und Sasa Neziri tatsächlich zwei Torschüsse - beide gingen direkt auf Torwart Ashton Heighway, der sie freundlich, aber bestimmt abwehrte. Insgesamt kamen die Gastgeber auf vier Schüsse aufs Tor. Chersonissos? Fünfzehn. Das Verhältnis sprach Bände. Im Mittelfeld mühte sich Avraam Vryzas redlich, Ordnung in das Spiel der Hausherren zu bringen. Doch seine langen Pässe fanden selten Abnehmer. "Wenn du vorne keine Bewegung hast, sieht jeder Ball lang aus", sagte er nach dem Spiel trocken. Rechts hinten versuchte Vitor Mendo, wenigstens den Anschein von Offensivdrang zu wahren, doch meist endeten seine Läufe in der Nähe der Eckfahne - und im Seitenaus. Nach der Pause blieb Chersonissos offensiv - zumindest auf dem Papier. In der Praxis verwalteten sie geschickt ihren Vorsprung. Trainer Kane wechselte zur Halbzeit doppelt: William Hamlin und Rui Meireles gingen, dafür kamen William Hamlin (erneut) - nein, diesmal Morgan Staunton - und Enrique Albacar. "Ich wollte frische Beine für die linke Seite", erklärte Kane, "und vielleicht auch ein paar ruhigere Nerven." Piräus suchte weiter nach einem Ansatz, fand aber nur Gelb: Asimakis Markopoulos sah in der 27. Minute die Karte nach einem etwas übermotivierten Einsteigen. "Ich wollte nur den Ball", beteuerte der 20-Jährige. "Leider wollte der Ball nicht mich." Die zweite Halbzeit plätscherte dahin, während Chersonissos seine Offensivlust in Dosierung servierte. Nico Hartmann prüfte Torhüter Bremer in der 56. Minute, Venediktos Fotopoulos gleich dreimal (58., 73., 81.). Doch Bremer hielt, was zu halten war - wenigstens das. Auf der Tribüne rief ein Zuschauer: "Wechselt doch mal den Schiedsrichter!" - was immerhin für Lacher sorgte. In der 79. Minute zeigte der Unparteiische dann doch noch Gelb - diesmal für Ignacio Albacar, der sich offenbar zu sehr mit der Ästhetik des taktischen Foulspiels beschäftigte. "Er hat mich leicht berührt", lachte Gegenspieler Doxiadis später, "aber ich bin eben sensibel." Die letzten Minuten gehörten dann wieder den Gästen, die den Ball laufen ließen, als hätten sie beschlossen, den Heimfans Nachhilfe im Passspiel zu geben. Mit 53 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote von knapp 57 Prozent war Chersonissos schlicht das reifere Team. Nach dem Schlusspfiff klang Piräus-Kapitän Sasa Neziri erstaunlich gelassen: "Wir haben die erste Halbzeit verschenkt und die zweite nicht gewonnen. Das ergibt null Punkte, aber immerhin Klarheit." Trainer Kane hingegen zeigte sich zufrieden: "Zwei frühe Tore, keine Panik, kein Gegentor - das ist fast schon langweilig professionell." Der Abend endete, wie er begonnen hatte - mit einem kleinen Applaus und etwas Meeresrauschen. Piräus blickt ratlos, Chersonissos lächelt souverän, und irgendwo in der Ferne ruft ein Fan: "Vielleicht klappt’s ja nächste Woche!" - Optimismus ist schließlich auch eine Taktik. 26.05.643987 10:50 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt