L’Equipe
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Champagne sprudelt nur kurz: Nancy siegt 5:3 in einem wilden Fußballabend

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob die Defensive beider Teams kollektiv beschlossen hatte, Urlaub zu nehmen. 29.991 Zuschauer im Stade de Champagne bekamen jedenfalls ein Torfestival serviert - mit acht Treffern, reichlich Emotionen und einer Prise Chaos. Am Ende jubelte der FC Nancy über ein 5:3 gegen Champagne AC - und manch ein Fan suchte noch Minuten nach Abpfiff nach seinem Puls.

Dabei fing alles an wie ein Traum für die Gastgeber. Noch keine drei Minuten gespielt, da zappelte der Ball schon im Netz: Juan Pacos traf nach Pass von Henri Cloutier, als wäre er gerade aus dem Training gekommen und wollte nur kurz demonstrieren, wie einfach das geht. Nur drei Minuten später legte John Beecroft nach - 2:0, und das Stadion bebte wie ein überdimensionierter Sektkorken. "Da dachte ich, das läuft heute wie geschmiert", grinste Trainerin Pflanziska Pflanzerus später bitter. "Aber offenbar war das nur der Schaum, der sich schnell verzogen hat."

Denn Nancy schüttelte sich kurz und begann dann, den Gastgebern den Abend zu vermiesen. Charlie Hennessy traf in der 13. Minute nach einem energischen Solo von links, und plötzlich kippte die Partie. In Minute 20 köpfte Innenverteidiger Robert Martin nach einer Flanke von Christophe Fortin den Ausgleich - und der junge Abwehrspieler rannte jubelnd über den Platz, als hätte er gerade den Eiffelturm erobert. Champagne wirkte konsterniert, das Publikum schwankte zwischen Staunen und ungläubigem Kopfschütteln.

Als dann in der 36. Minute Christophe Fortin selbst traf, elegant bedient von Henri Boissieu, stand es 2:3 - und die Gastgeber wussten nicht recht, wie ihnen geschah. Nur der Stadionsprecher schien noch an den Heimsieg zu glauben, als er zum Pausentee aufrief: "Noch ist alles drin!"

Und tatsächlich, nach der Pause kam Champagne AC energisch zurück. Juan Pacos, der Mann des Abends aus Sicht der Gastgeber, erzielte in der 53. Minute seinen zweiten Treffer. Kai Ross hatte ihn wunderbar in Szene gesetzt, und das Stadion tobte erneut. Doch während die Heimmannschaft sich gerade wieder Hoffnung machte, bereitete Nancy den nächsten Stich vor.

In der 69. Minute kombinierte sich der FC Nancy mit einer Leichtigkeit durch die gegnerische Abwehr, dass man fast Mitleid bekam. Henri Boissieu legte quer, Idan Joffe schloss trocken ab - 4:3 für die Gäste. "Wir wussten, dass Champagne offen steht wie ein Weinkeller am Wochenende", scherzte Nancy-Coach Manuel Schaminet nach dem Spiel. "Da musst du einfach nur zugreifen."

Einziger kleiner Wermutstropfen für Nancy: Rechtsverteidiger Jacob Munch sah in der 71. Minute Gelb, nachdem er sich im Zweikampf mehr von der Rugby-Schule als vom Fußball inspirieren ließ. "Er meinte, der Ball sei da irgendwo gewesen", grinste Schaminet. "Ich hab’ ihn einfach gefragt, ob er ihn gefunden hat."

Die endgültige Entscheidung fiel in der 88. Minute. Wieder einmal war es der unermüdliche Salvador Antunez, der einen Abpraller aufnahm und kompromisslos ins Netz drosch. 5:3 - und der Rest war nur noch Auslaufen. Champagne versuchte es zwar noch mit zwei Schüssen in der Nachspielzeit, aber Keeper Joseph Carrier, der in der Halbzeit für Jacques Devereux gekommen war, hielt souverän und grinste danach in die Kameras: "Ich wollte einfach nur zeigen, dass sich das frühe Aufstehen fürs Aufwärmen gelohnt hat."

Statistisch gesehen war die Partie fast ausgeglichen - 51 Prozent Ballbesitz für Champagne, 49 für Nancy -, doch die Gäste waren schlicht effizienter: 17 Schüsse aufs Tor gegen 10, fünf Treffer gegen drei. "Wir haben einfach öfter gezielt als gezögert", fasste Doppeltorschütze Pacos mit einem Schulterzucken zusammen.

Trainerin Pflanzerus dagegen suchte nach den richtigen Worten: "Wir haben offensiv wunderbar begonnen, aber hinten standen wir wie eine offene Tür. Vielleicht war’s zu viel Champagner vorher - im übertragenen Sinne natürlich."

So bleibt Nancy mit diesem Spektakel weiter oben dran, während Champagne AC trotz spritzigem Beginn den Kater danach spürte. Ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst - vor allem die Verteidiger wohl nicht.

Oder, wie es ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "So viel Unterhaltung für den Eintrittspreis, das kriegst du sonst nur im Zirkus." Da hatte er wohl recht.

14.05.643987 20:52
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Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
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