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Manchmal ist Fußball einfach ungerecht. 12.283 Zuschauer im Frankfurter Stadion sahen am Samstagabend einen beherzten, aber letztlich chancenlosen Auftritt von Einheit Frankfurt gegen den CFC Hertha. Das Ergebnis: ein schmales 0:1, das sich wie ein Platzregen nach langem Sonnenschein anfühlte - völlig verdient, aber irgendwie auch überfällig. Schon nach fünf Minuten war klar, wohin die Reise gehen würde. Hertha-Stürmer Haim Ajalon prüfte den Frankfurter Keeper gleich doppelt - erst in der 4., dann in der 6. Minute. "Ich dachte, der will mich hypnotisieren mit seinen Schüssen", scherzte der junge Einheit-Torwart Jack Henderson nach dem Spiel, der zur Pause allerdings verletzt oder vorsorglich durch den erst 18-jährigen Billy Reid ersetzt wurde. Vielleicht, weil er einfach zu viel zu tun bekommen hatte. Denn die Gäste aus der Hauptstadt spielten von Beginn an auf Angriff. Trainer Julian Hummel hatte seine Mannschaft klar offensiv eingestellt - und das sah man: 19 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, dazu eine Zweikampfquote, die Frankfurt-Trainer Leo Gert in der Pressekonferenz nur mit einem Seufzer kommentierte: "Wir haben uns gewehrt wie ein Dackel gegen den Staubsauger. Aber irgendwann zieht’s dich halt rein." Frankfurt stellte sich hinten rein, konterte ab und zu gefährlich, vor allem durch den jungen Luka Kessler, der in der 12. Minute einmal abzog, aber Hertha-Keeper Martin Kincl kaum beschäftigte. Auch Kian Linney (25.) und Innenverteidiger Lucas Sorglos (36.) durften kurz hoffen - mehr aber auch nicht. Vier Schüsse in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. "Wir hatten den Ball, sie hatten den Bus", grinste Hertha-Mittelfeldmann Tiago Pinto, der nach einer guten Stunde ausgewechselt wurde. Seine Nachfolger machten’s besser. In der 73. Minute war dann der Bann gebrochen: Thomas Schiller tanzte sich am linken Flügel durch, flankte scharf in den Strafraum, und Marian Gorski stand da, wo ein Mittelstürmer eben stehen muss - mitten im Chaos, mit einem Bein im Glück. 1:0 Hertha. Der Jubel der mitgereisten Fans war laut genug, um selbst die Frankfurter Innenstadt kurz aufhorchen zu lassen. "Ich hab einfach draufgehalten, der Rest war Physik", sagte Gorski hinterher trocken, als hätte er gerade ein Experiment gewonnen und nicht ein Spiel. Frankfurt versuchte danach, das Unmögliche zu wagen: anzugreifen. Doch nach vorne ging nichts. Die Taktik blieb defensiv, das Passspiel lang, der Mut kurz. Und als der junge Vicente Costinha in der 76. Minute humpelnd vom Platz musste, war endgültig klar: Die Kräfte schmelzen dahin wie Schnee auf dem Kunstrasen. Gert reagierte, brachte frische Beine, aber keine Ideen. "Wir wollten bis zum Schluss dranbleiben", erklärte er tapfer. "Aber die Jungs hatten einfach zu viel Respekt - vor dem Ball, vor dem Gegner, vielleicht auch vor dem eigenen Tor." Hertha hingegen spielte die Partie routiniert herunter. Jack Mayhew und Luka Feldmann sorgten weiterhin für Betrieb, auch wenn der zweite Treffer ausblieb. Vielleicht, weil Kincl im Tor der Berliner ab der 80. Minute plötzlich die Zeitlupenfunktion für Abstöße entdeckte. "Taktisch wertvoll", nannte Hummel das später mit einem Augenzwinkern. Der Schiedsrichter schien es ähnlich zu sehen - er ließ gleich fünf Minuten nachspielen, doch selbst in der 91. Minute knallte Gorski noch einmal aufs Tor, nur um an Billy Reid zu scheitern, der sich mit einer Flugeinlage Marke "Superheld im Praktikum" verabschiedete. Drei Gelbe Karten für Frankfurt - Thomas, Kühne und Costinha - passten ins Bild. Viel Einsatz, wenig Ertrag. "Wenn du 18 bist und versuchst, einen 30-jährigen Stürmer zu stoppen, dann kracht’s halt", meinte Costinha später, den ein Eisbeutel und ein bitteres Lächeln begleiteten. Am Ende stand ein 0:1, das keiner so richtig feiern wollte - außer eben Hertha. Für sie war es ein Arbeitssieg, für Frankfurt eine Lehrstunde in Geduld und Schmerzresistenz. "Wir haben heute gelernt, dass man mit 43 Prozent Ballbesitz auch 100 Prozent Ärger haben kann", fasste Trainer Gert zusammen, "aber hey - wir sind jung, wir wachsen dran." Und so verließen 12.283 Zuschauer das Stadion: die einen erleichtert, die anderen resigniert - aber alle mit dem Gefühl, dass Fußball manchmal ein bisschen zu ehrlich ist. Oder, wie Hertha-Kapitän Gorski beim Rausgehen meinte: "Ein Tor reicht, wenn’s das richtige ist." 03.05.643987 07:17 |
Sprücheklopfer
Wir haben die Chancenverwertung nicht verwertet.
Andreas Brehme