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Als der Schlusspfiff ertönte, atmete das Stadion von Madureira tief durch. 40.000 Zuschauer hatten gerade ein Pokalspiel gesehen, das irgendwo zwischen Spektakel und Lehrstunde pendelte. CF Flamengo gewann das Achtelfinale gegen Flamengo Madureira mit 5:3 (2:1) - ein Ergebnis, das viel über die offensive Lust beider Teams, aber auch über die Defensivprobleme des Gastgebers verrät. In den ersten Minuten war noch alles offen, doch dann schlug der Favorit zu - gleich doppelt. In der 31. Minute traf Frederik Laursen nach mustergültigem Zuspiel von Klaus Reiter. Zwei Minuten später legte Filipe Gama nach, bedient von Hugo Custodio. "Da dachte ich kurz, wir sind im falschen Film", gab Madureiras Trainer Jürgen Mattes später mit einem gequälten Lächeln zu. "Wir wollten kompakt stehen - aber offenbar war die Kompaktheit gerade am Kiosk." Seine Mannschaft fing sich jedoch. Kurz vor der Pause (44.) sorgte Diamantis Dellas für Hoffnung: Nach schöner Vorlage von Taylor Edgecomb traf der Grieche trocken zum 1:2. Das Stadion tobte, und Mattes brüllte seine Jungs mit einem "Jetzt glaubt mal dran!" in die Kabine. Nach dem Seitenwechsel kam es zunächst knüppeldick: CF Flamengos Klaus Reiter traf in der 49. Minute zum 3:1, ehe das Spiel kurz unterbrochen wurde - Innenverteidiger Fabio Barbosa hatte sich bei einem Zweikampf verletzt und musste raus. Trainer Dino Ma brachte Afanasi Tscherepanow, der später noch wichtig werden sollte. Doch Madureira gab nicht auf. In der 63. Minute verkürzte Nelson Domingos nach einer feinen Kombination über Paul Frey auf 2:3. Nur eine Minute später war wieder Dellas zur Stelle - 3:3! Das Stadion explodierte, Mattes riss die Arme hoch, und selbst die Balljungen grinsten ungläubig. "In dem Moment dachte ich, wir können sie kriegen", erzählte Torschütze Dellas später. "Aber dann hat uns die Realität wieder eingeholt." Denn CF Flamengo schaltete noch einmal einen Gang hoch - und das mit beeindruckender Präzision. Der eingewechselte Benyamin Rieger traf in der 71. Minute zum 4:3, vorbereitet von Mathias Gulbrandsen. Und als ob das nicht genug wäre, machte eben jener Gulbrandsen in der 83. selbst den Deckel drauf. Vorlage diesmal: der unermüdliche Tscherepanow, der nach seiner Einwechslung die rechte Seite beackerte, als hätte er nie etwas anderes getan. "Das war heute ein Spiel mit zwei Gesichtern", resümierte Gäste-Coach Dino Ma. "In der ersten Halbzeit gut, in der Mitte des Spiels schläfrig, am Ende wieder fokussiert. Aber hey, Pokal ist Pokal - du musst nur weiterkommen." Statistisch war der Sieg verdient: CF Flamengo kam auf 19 Torschüsse, Madureira auf 8. Auch beim Ballbesitz (55 zu 45 Prozent) und in den Zweikämpfen (53 zu 47 Prozent) hatten die Gäste die Nase vorn. Trotzdem wirkte das Ergebnis lange offen, weil Madureira mit Leidenschaft und Mut dagegenhielt. Nach dem Spiel stand Madureiras Keeper David Djalo noch lange auf dem Rasen, die Handschuhe in der Hand, als wolle er sich vergewissern, dass alles wirklich passiert war. "Fünf Tore fühlen sich immer schlecht an", sagte er leise. "Aber manche Schüsse waren einfach zu gut. Da kannst du dich auf den Kopf stellen - hilft nix." Frederik Laursen hingegen grinste breit, als er in den Kabinengang verschwand. "Ich hab’s in der dritten Minute schon gespürt", sagte der Däne. "Heute geht was. Und manchmal weißt du einfach: Der Ball will rein." Für CF Flamengo geht es nun ins Viertelfinale - mit reichlich Selbstvertrauen und einem Angriff, der auch ohne große Namen gefährlich aussieht. Für Madureira bleibt immerhin der Trost, ein Spektakel geliefert zu haben, das man so schnell nicht vergisst. Oder, wie Coach Mattes beim Hinausgehen murmelt: "Wenn wir schon rausfliegen, dann wenigstens mit Feuerwerk." Ein Feuerwerk war es - acht Tore, jede Menge Emotionen und ein Abend, an dem zwei Teams den brasilianischen Fußball zelebrierten, als gäbe es keine Taktiktafeln dieser Welt. 27.01.643991 18:20 |
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Mario Basler