Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Cerutti lässt Rodengo Saiano jubeln - Montichiari verzweifelt am eigenen Mut

Es war ein frostiger Januarabend im kleinen Stadion von Rodengo Saiano, doch die 4250 Zuschauer sorgten für mediterrane Temperaturen auf den Rängen. Am 24. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) empfing die junge Truppe von Trainer Jan Beyer den AC Montichiari - ein Duell, das auf dem Papier nach grauem Mittelmaß klang, auf dem Rasen aber eine feine Mischung aus jugendlichem Übermut, taktischer Disziplin und gelegentlicher Verzweiflung bot. Das Endergebnis: ein knappes, aber verdientes 1:0 für die Hausherren.

Der Held des Abends hieß Vincenzo Cerutti. Gerade einmal 18 Jahre jung, aber schon mit jener Kaltschnäuzigkeit gesegnet, die man sonst nur in den Highlights großer Ligen sieht. In der 68. Minute nahm er einen klugen Pass des eingewechselten Niccolò Gasser auf, ließ den Verteidiger elegant aussteigen und schob den Ball überlegt ins lange Eck. "Ich dachte zuerst, ich sei im Abseits - also hab ich lieber getroffen, bevor der Linienrichter die Fahne hebt", grinste Cerutti später in die Kameras.

Bis zu diesem Moment hatte Rodengo Saiano das Spiel weitgehend kontrolliert, ohne sich mit Toren zu belohnen. 20 Torschüsse, 50 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von fast 57 Prozent - die Statistiken sprachen eine klare Sprache. Doch das Runde wollte lange nicht ins Eckige. Schon nach sieben Minuten prüfte Emanuele Soverato Montichiaris Torhüter Alberto Pedrotti mit einem Schuss aus der Distanz. Danach folgte ein regelrechter Dauerbeschuss: Cerutti in der 9. Minute, der agile Domenico Roggiano gleich dreimal zwischen Minute 17 und 27, und der unermüdliche Gaetano Uffugo, der gefühlt alle zehn Minuten den Abschluss suchte - und dafür in der 58. Minute eine Gelbe Karte kassierte, weil er nach einem verpassten Treffer den Pfosten trat.

Montichiari hingegen wirkte wie ein Team, das zu spät gemerkt hatte, dass Fußball ein Spiel mit zwei Toren ist. Nur vier Torschüsse in 90 Minuten - und die meisten davon so harmlos, dass selbst der Platzwart keine Angst um seine Tornetze haben musste. Der erfahrene Rafael Baiao versuchte es in der 18. Minute und noch einmal in der Nachspielzeit, doch Rodengo-Keeper Luigi Nicola blieb weitgehend beschäftigungslos.

Zur Pause reagierte Trainer Beyer und brachte den frischeren Lorenzo Cerva für Matteo Botricello, um mehr Struktur ins Mittelfeld zu bringen. Eine Maßnahme, die Wirkung zeigte: Die Pässe wurden präziser, der Druck größer. "Jan sagte uns in der Kabine: ’Wenn ihr schon 70 Prozent Ballbesitz habt, dann dürft ihr auch mal treffen!’", verriet Verteidiger Luca Piemontese mit einem Augenzwinkern.

Montichiari-Trainer - der anonym bleiben wollte, vermutlich aus Selbstschutz - blieb seiner "Balanced"-Taktik treu. Keine Änderung in der Ausrichtung, kein Pressing, kein Risiko. Man könnte sagen, sein Team spielte so ausgewogen, dass es am Ende völlig aus der Balance geriet.

Nach Ceruttis Treffer wurde es noch einmal wild. Federico Di Paolo sah in der 71. Minute Gelb, Beyer reagierte sofort und brachte den jungen Fabio Esaro, um Stabilität auf der linken Seite zu sichern. Der Neue bedankte sich prompt mit einem satten Schuss in der 74. Minute, der das Außennetz erzittern ließ. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Esaro später - und niemand zweifelte daran.

Montichiari versuchte in der Schlussphase, irgendwie noch ein Tor zu erzwingen, doch die Gastgeber pressten nun wie entfesselt. Das Taktik-Protokoll vermerkt trocken: "Pressing: YES." Übersetzt hieß das: jeder rannte, jeder grätschte, und Trainer Beyer sprang an der Seitenlinie so hoch, dass man kurz fürchtete, er wolle selbst eingewechselt werden.

Als Schiedsrichter Paolo Lazzarini nach 94 Minuten endlich abpfiff, brach ein kollektiver Jubelsturm los. Cerutti wurde von seinen Teamkollegen beinahe erdrückt, während Gegner Baiao mit finsterem Blick in Richtung Kabine stapfte. "Wir haben uns selbst geschlagen", murmelte er - eine ehrliche Analyse nach einem Spiel, das Montichiari eher verschlief als verlor.

Für Rodengo Saiano war es mehr als nur ein Dreier. Es war ein Statement der Jugend: Acht Spieler unter 20, ein mutiger Coach und ein Publikum, das an den Aufstieg glaubt. "Wir träumen nicht, wir arbeiten", sagte Beyer mit einem Lächeln, das verriet, dass er längst träumt.

Und so endete dieser Abend mit einem Gefühl, das man im Fußball selten findet: ehrlicher Freude. Kein Zufall, kein Glückstor - einfach ein Team, das wollte. Und ein Teenager, der traf.

Man darf gespannt sein, ob Cerutti auch nächste Woche wieder trifft. Falls ja, sollte Montichiari vielleicht doch mal über "Pressing: YES" nachdenken.

23.10.643987 21:55
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Der soll ruhig sein, den mussten wir doch zwei Jahre lang durchschleppen!
Oliver Kahn über Lothar Matthäus
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager