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40.000 Zuschauer im Estadio Municipal von Pena sahen an diesem Donnerstagabend ein Spiel, das in der ersten halben Stunde noch nach einem offenen Schlagabtausch aussah - und dann abrupt zu einer Lehrstunde in Effizienz wurde. CD Cerrense gewann in der Gruppenrunde der Challenger League mit 4:1 (1:1) bei Deportes Pena. Die Gastgeber hielten lange mit, ehe sie in der zweiten Hälfte auseinanderfielen wie ein schlecht gebundener Knoten. Schon früh kündigte sich an, dass Cerrense nicht zum Sightseeing angereist war. In der 8. Minute zündete Duarte Galindo nach Zuspiel von Gerd Vilhelmsen ein Feuerwerk - 0:1. Der Ball flatterte so schön ins Netz, dass Pena-Keeper Marc Henriquez nur noch hinterherblicken konnte, als wolle er sich vergewissern, ob das Leder tatsächlich dort lag, wo es nicht hingehört. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Henriquez später, "aber anscheinend war er drinnen. Deutlich drinnen." Deportes Pena schüttelte sich kurz, stellte die Ärmel hoch und fand über den erfahrenen Linksverteidiger Irakli Juschkewitsch zurück ins Spiel. Dessen präzise Flanke in der 23. Minute fand Benjamin Kirwan - der Ire nickte humorlos ein. 1:1, das Stadion explodierte, und man wähnte die Partie wieder offen. Trainer Gnipeur von Cerrense stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte etwas, das wie "Das war nicht im Drehbuch" klang. Statistisch gesehen war es bis zur Pause ein Patt: Pena hatte mit 50,6 Prozent leicht mehr Ballbesitz, Cerrense aber schon mehr Zug zum Tor. 9:16 Torschüsse am Ende sprechen eine deutliche Sprache - und das, obwohl Pena anfangs durchaus mitspielte. Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag, allerdings nicht sportlicher Natur. Cerrenses Rechtsaußen Nael Marques verletzte sich in der 47. Minute und humpelte vom Platz. Für ihn kam der 22-jährige Salvador Meira - ein Wechsel, der sich als Glücksgriff herausstellen sollte. "Ich hatte eigentlich gehofft, mich heute nicht zu verletzen", knurrte Marques später, "aber wenn der Junge dann zwei Tore macht, kann man schlecht böse sein." Denn Meira war kaum zehn Minuten auf dem Feld, da traf er in der 58. Minute nach Vorarbeit von - natürlich - Vilhelmsen zum 1:2. Der Däne Vilhelmsen, mittlerweile 32, spielte an diesem Abend wie ein Mann, der beschlossen hat, die rechte und linke Spielfeldhälfte gleichzeitig zu beherrschen. "Ich laufe einfach, bis jemand Nein sagt", lachte er nach der Partie. Pena versuchte es weiter, doch der Elan schien verpufft. Als Ryan Skene in der 67. Minute nach einer Ecke von Arnau Sa Pint das 1:3 erzielte, war die Luft raus. Die Fans begannen, sich gegenseitig über die besten Tapas-Stände der Stadt zu informieren, während Cerrense auf dem Platz weiter kombinierte. Das 1:4 in der Nachspielzeit war dann reine Kür: Wieder Meira, wieder nach Vorlage Vilhelmsen, der damit seinen dritten Assist des Abends verbuchte. "Ich habe heute mehr Pässe gegeben als sonst in einer Woche", meinte er trocken. Trainer Leahcim Gnipeur zeigte sich an der Seitenlinie erstmals zufrieden. "Wir wollten offensiv bleiben, auch wenn wir führen. Die Jungs haben verstanden, dass Ballbesitz nicht alles ist, Tore zählen mehr." Deportes Pena-Trainer - sein Name blieb an diesem Abend lieber ungenannt - stand nach dem Abpfiff da wie jemand, der gerade erfahren hat, dass seine Lieblingskneipe schließt. "Wir hatten die Kontrolle, aber dann…" Er machte eine Geste mit den Händen, die irgendwo zwischen Explosion und Kartenhaus lag. Zwei Gelbe Karten für Pena, eine für Cerrense - das Spiel blieb trotz des klaren Ergebnisses fair. Nur Juschkewitsch und Mino sahen Gelb, beide für eher unbeholfene als böswillige Fouls. Am Ende blieb Cerrense das klar bessere Team. Vier Tore, drei verschiedene Vorbereiter, ein angeschlagener Gegner - und ein Publikum, das trotz allem applaudierte. Vielleicht, weil man spürte, dass Pena an diesem Abend einfach an seine Grenzen gestoßen war. "Wir haben 49 Prozent Ballbesitz, aber 100 Prozent Spaß", sagte Gnipeur mit einem breiten Grinsen, bevor er in die Kabine verschwand. Und irgendwo zwischen Ironie und Wahrheit lag die Quintessenz dieses Spiels: Effizienz schlägt Ästhetik - zumindest an diesem Abend. Ob Deportes Pena daraus lernt, bleibt abzuwarten. Aber wer weiß: Vielleicht treffen sich beide Teams im Rückspiel wieder - und dann, so schwor sich Kapitän Kirwan auf dem Weg vom Platz, "wird kein Vilhelmsen mehr durch unsere Abwehr spazieren". Ein frommer Wunsch - aber Fußball lebt bekanntlich vom Glauben. 15.10.643990 22:08 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts