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Celtic stürzt kämpfend - Devils siegen spät mit 3:2

Ein kalter Februarabend in Glasgow, Flutlicht, Nebelschwaden über dem Rasen und 39.825 Kehlen, die das altehrwürdige Celtic Park erbeben ließen. Die Stimmung war elektrisierend - und am Ende doch von dieser typischen Mischung aus Stolz und Enttäuschung durchzogen, die man nur kennt, wenn man sein Team alles geben sieht, aber das Glück auf der falschen Seite liegt. Celtic Glasgow unterlag im Rückspiel der Conference-League-Play-offs den Manchester Devils mit 2:3 (1:2).

Dabei begann alles mit einem offenen Schlagabtausch. Schon nach fünf Minuten prüfte Devils-Verteidiger Alen Rajic mit einem beherzten Distanzschuss den wachen Celtic-Keeper Jake Carr, der den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. "Ich wollte zeigen, dass wir nicht zum Sightseeing hier sind", grinste Rajic später. Die Devils, von Trainer Ronnie Ekström gewohnt offensiv eingestellt, bestimmten das Tempo - 56 Prozent Ballbesitz und zehn Abschlüsse insgesamt zeugen von ihrer Dominanz.

In der 23. Minute war es dann soweit: Christopher Bancroft, der elegante Linksaußen der Engländer, zog nach innen, täuschte einen Pass an, schlenzte den Ball ins lange Eck - 0:1. Carr streckte sich vergeblich, und das Publikum murmelte etwas zwischen "brilliant" und "bloody unlucky".

Celtic wankte kurz, fand dann aber zurück ins Spiel. Harry Lorring pflügte über den linken Flügel, Nelson Quaresma verteilte die Bälle mit dieser Mischung aus Eleganz und leichtem Wahnsinn, die ihn so populär macht. Und in der 36. Minute folgte die Belohnung: Quaresma schickte Olivier Cornet steil, der Franzose blieb eiskalt - 1:1! Parkdeckel flogen fast vom Dach. "Ich hab’ nur gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?", lachte Cornet später.

Doch die Freude hielt keine zwei Minuten. Agafon Swetlow, der bullige Devils-Stürmer, bekam von Mika Kuqi einen Steckpass serviert, ließ Carr keine Chance - 1:2. Ein Doppelschlag, der saß. "Das war typisch für uns: Wir schießen ein Tor und vergessen, dass Fußball auch Verteidigung kennt", brummte Celtic-Coach Ralf Bücheler nach der Partie.

Nach der Pause brachte Bücheler frische Kräfte - Andras Szusza und Simone Martin kamen für Bo Bjorklund und Marcos Frechaut. Der Plan: mehr Tempo über die Außen. Und tatsächlich, Celtic rannte an, biss, presste endlich höher. Die Devils wirkten überrascht, ja fast genervt. In der 69. Minute fiel der verdiente Ausgleich: Simone Martin flankte butterweich, Harry Lorring stieg hoch und köpfte wuchtig zum 2:2 ein. Der Jubel war ohrenbetäubend.

Kurz schien alles möglich. "Ich dachte, wir drehen das noch", sagte Lorring später, "aber dann kam dieser Logan Nolan - und der hat keine Manieren." Der gemeinte Nolan war wenige Minuten zuvor für den müden Swetlow eingewechselt worden - und genau dieser Joker stach in der Nachspielzeit. In der 91. Minute nutzte er eine Unachtsamkeit in der Celtic-Abwehr, traf nach Vorlage von Bancroft zum 2:3. Ekström sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager beim Rockfestival.

"Das war pure Emotion", grinste der Devils-Trainer. "Wir wussten, dass Celtic zuhause gefährlich ist. Aber meine Jungs haben Herz gezeigt - und ein bisschen Teufelsglück gehört auch dazu."

Bücheler hingegen stand mit verschränkten Armen da, die Kappe tief ins Gesicht gezogen. "Wir haben Manchester an den Rand gebracht. Aber am Ende entscheiden Kleinigkeiten. Oder Nachspielzeiten."

Die Statistik erzählt die Geschichte nüchtern: 10:10 Torschüsse, fast ausgeglichene Zweikampfquote (49,8 zu 50,2 Prozent) - nur der Ballbesitz (43,9 zu 56,1 Prozent für die Devils) und die Kaltschnäuzigkeit machten den Unterschied.

Als die Fans nach Abpfiff ihre Mannschaft dennoch feierten, winkte Cornet mit müdem Lächeln in die Kurve. "Es tut weh, aber das ist Fußball. Wir haben’s versucht, bis der Schiri gepfiffen hat - und manchmal gewinnt eben der mit dem teuflischeren Timing."

Ein Spiel, das keiner so schnell vergessen wird: intensiv, dramatisch, mit drei Torschützen auf jeder Seite, die sich in die Nacht von Glasgow eingeschrieben haben. Die Devils ziehen weiter, Celtic verabschiedet sich erhobenen Hauptes. Und irgendwo in der Kabine summte Nelson Quaresma leise vor sich hin - vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Trotzliebe zum Spiel.

Fußball kann grausam sein. Aber selten war er so unterhaltsam.

16.01.643991 08:10
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Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002
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