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Celtic kämpft, Liverpool trifft - ein bitterer Abend in Glasgow

Es war einer dieser Abende im Celtic Park, an denen der Regen waagrecht fällt, die Fans triefnass sind - und sich am Ende fragen, warum sie eigentlich keinen Schirm fürs Herz dabeihatten. 37.452 Zuschauer sahen ein Conference-League-Spiel, das eigentlich alles bot: Tempo, Einsatz, Karten, Auswechslungen, ein verletzter Stürmer - nur eben keine Tore für die Gastgeber. Am Ende stand ein 0:1 gegen die Liverpool Reds, die mit britischer Nüchternheit drei Punkte entführten.

Dabei fing alles gar nicht so übel an. Celtic-Trainer Ralf Bücheler hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt - "Wir wollten von Beginn an Druck machen", erklärte er später, "aber offenbar hat der Druck auf den Ball nicht denselben Effekt wie auf meine Blutgefäße." Tatsächlich kontrollierte Celtic das Spiel über weite Strecken: 52 Prozent Ballbesitz, ordentlich Passspiel, mutige Außen. Nur das Tor - das wollte einfach nicht fallen.

Ganz anders die Gäste. Kurt Kaisers Liverpool Reds kamen mit einer klaren Idee: tief stehen, kontern, treffen. Und genau so lief’s. Nach einigen frühen Warnschüssen von Robert Warriner und Alessandro Marcedusa (3., 5., 10. Minute) war es in der 28. Minute soweit. Thomas Lester spielte einen dieser unscheinbaren Pässe in die Tiefe, Warriner startete, sah den Ball, sah den Keeper - und traf eiskalt ins rechte Eck. 1:0, und es wurde still im Stadion, so still, dass man die Jubelpose des jungen Engländers fast knistern hörte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Warriner danach. "Und gehofft, dass meine Mutter es im Fernsehen sieht - sie glaubt immer noch, ich sei Verteidiger."

Celtic antwortete mit Wut im Bauch und acht Torschüssen im Spiel, doch meistens landete der Ball da, wo er nicht hingehört: in den Armen von Liverpools Torwart Charlie Leachman oder in der Fangnetzkulisse. Olivier Cornet vergab die größte Chance nach der Pause (55.), als er freistehend verzog. "Ich dachte, der Ball kommt mit mehr Spin", murmelte er später, "aber er kam wohl mit mehr Spott." Trainer Bücheler reagierte hektisch, wechselte gleich dreifach - Vitorino Vaz kam für Bernt Albrecht, Andras Szusza für Bo Bjorklund, später musste auch Antonio Simao für den unglücklichen Harry Lorring raus, der sich bei einem Sprint leicht verletzte (66.).

Liverpool blieb ruhig, fast stoisch. Ihre defensive Grundordnung - "DEFENSIVE/COUNTER" nennt das die moderne Taktikstatistik - stand wie eine rote Mauer. Nur einmal gerieten sie in Gefahr, als Antonio Simao in der 87. Minute noch einmal abzog. Doch Leachman flog, als wolle er den Ball adoptieren, und hielt das 1:0 fest.

Die Statistik sagt: zehn Torschüsse für Liverpool, acht für Celtic. Ein kleines Plus für die Gäste, aber entscheidend war ihr Effizienzvorsprung. "Wir wussten, dass wir nicht viel vom Ball haben würden", erklärte Liverpool-Coach Kaiser, "dafür wollten wir ihn umso besser behandeln, wenn er mal bei uns war. Ein bisschen wie mit gutem Whiskey."

Die Gelben Karten passten ins Bild: Jorge Salinas (22.) und Paul Anders (25.) tauschten sie quasi als sportliche Visitenkarten. "Ich wollte ihm nur zeigen, dass ich da bin", grinste Anders später. "Leider hat der Schiedsrichter das etwas zu wörtlich genommen."

In der Schlussphase versuchte Celtic noch einmal alles. Bücheler stand wild gestikulierend an der Seitenlinie, während der Regen in sein Jackett tropfte. "Ich habe sogar kurz Pressing gefordert", gab er später zu, "aber da war’s schon die 88. Minute." Liverpool blieb cool, wechselte den jungen Leon Ross (67.) und später Filipe Arias (75.) ein - frische Beine, alter Plan.

Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Reds, während die heimischen Fans sich in ihre Schals kuschelten. Ein 0:1, das weh tat, weil es so vermeidbar schien. Celtic hatte mehr Ball, mehr Mut, aber weniger Zielwasser. "Wir hätten noch zwei Stunden spielen können", seufzte Cornet, "und wahrscheinlich wäre der Ball trotzdem nicht reingegangen."

Die Engländer dagegen machten genau das, was man in Glasgow nicht gerne sieht: Sie kamen, sahen, konterten - und nahmen den Sieg mit.

Ein bitterer, aber lehrreicher Abend für Celtic. Und einer, der für Liverpool zeigt: Man muss nicht schön spielen, um schön zu gewinnen. Oder, wie Trainer Kaiser es zum Abschied formulierte: "Manchmal reicht ein Tor und ein guter Regenschirm."

07.11.643990 18:53
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