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Ein 10. Spieltag, wie ihn die 1. Liga Spaniens liebt: Flutlicht, 42 975 Zuschauer, zwei Mannschaften, die sich nichts schenken - und ein Ergebnis, das noch beim Mitternachtsbier diskutiert wurde. CD León gewinnt 2:1 gegen CD Santa Cruz, doch wer nur das Resultat liest, verpasst ein Drama in drei Akten. Der erste Akt begann furios: Kaum hatten die Fans ihre Sonnenblumenkerne gezückt, donnerte Morgan Primes den Ball in der 5. Minute ins Netz. "Ich dachte ehrlich, das wird heute ein Spaziergang", grinste Primes später - ein Satz, der im Rückblick fast rührend naiv klang. Sein Trainer Tobi Schleder ballte an der Seitenlinie die Faust, während Leóns Coach Torsten Hoppe den Himmel anflehte und murmelte: "Fünf Minuten. Immer diese verfluchten fünf Minuten." Doch wer die León-Stürmer Emiliano Ferrari und Gudmund Bruhn kennt, weiß: Die beiden sind keine Freunde von Spaziergängen - eher von Aufholjagden. Ferrari, der Name ist Programm, zündete in Minute 18 den Turbo und schob nach einem feinen Doppelpass eiskalt ein. "Ich hab nur noch den Pfosten gesehen und gedacht: na schön, dann halt innen rein", lachte der Argentinier später. Ab da kippte die Partie. León übernahm das Kommando, während Santa Cruz sich in die eigene Hälfte zurückzog - taktisch defensiv, emotional im Rückwärtsgang. Die Statistik erzählt davon: 53 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, 8 Torschüsse, aber was für welche! Die Gäste dagegen feuerten sage und schreibe 18 Mal aufs Tor, doch Torwart Adriano Custodio hatte einen dieser Abende, an denen man am liebsten eine Statue neben das Tor stellt. In der 32. Minute folgte der entscheidende Moment: Karsten John, der unauffällige Strippenzieher im Mittelfeld, legte quer, und Gudmund Bruhn traf - trocken, präzise, skandinavisch. 2:1. Das Stadion bebte, Hoppe riss die Arme hoch, und ein älterer Fan auf der Tribüne soll gerufen haben: "Endlich trifft der Wikinger wieder!" Die zweite Hälfte war dann weniger ein Fußballfest als eine Lehrstunde in verpassten Chancen. Santa Cruz spielte, als hätten sie sich vorgenommen, das Tor von allen Winkeln aus zu verfehlen. James Kober prüfte Custodio in der 51., 65., 73. und 89. Minute - immer mit demselben Resultat: kein Tor, aber viel Applaus. Coach Schleder hämmerte irgendwann auf die Trainerbank und rief: "Wenn wir noch näher dran sind, müssen wir Eintritt zahlen!" Ein Lichtblick der Gäste: der 17-jährige Innenverteidiger Javier Martínez, der in der 53. Minute seine erste Gelbe Karte kassierte - und danach grinste, als hätte er ein Diplom bekommen. "Das gehört dazu", meinte er hinterher tapfer. "Ich wollte halt zeigen, dass ich da bin." León dagegen spielte das Ergebnis mit Erfahrung und einer Prise Zynismus herunter. Patrik Taube schickte jeden Ball, der in seine Nähe kam, auf eine kleine Weltreise, während Emiliano Ferrari vorne Zeit von der Uhr nahm, indem er sich mit der Eckfahne anfreundete. "Taktisches Zeitmanagement", nannte Trainer Hoppe das später und fügte hinzu: "Wir haben nicht schön gespielt, aber schön gewonnen." Santa Cruz wechselte dreimal - Nelio Baiao kam, Baltsar Bruun ging, Miroslav Divic durfte auch noch ran. Doch egal, wer auf dem Platz stand: Der Ball wollte einfach nicht rein. "Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz - du lachst, aber keiner weiß warum", sagte Schleder nach dem Spiel und grinste schief. Als Schiedsrichter Hernández nach 94 Minuten abpfiff, klang die Erleichterung durchs Stadion wie ein kollektives Aufatmen. León hatte das Spiel gedreht und behauptet - mit einer Mischung aus Mut, Glück und cleverer Taktik. Santa Cruz dagegen fuhr nach Hause mit 18 Torschüssen, einem Tor und vielen Fragezeichen. "Wir waren das bessere Team", beharrte Schleder noch in der Pressekonferenz. Hoppe konterte trocken: "Mag sein. Aber wir waren das erfolgreichere." So geht Fußball in León: ein bisschen Chaos, ein bisschen Kampf - und am Ende die drei Punkte. Wer weiß, vielleicht hat Hoppe später beim Abendessen wirklich ein Stoßgebet gesprochen. Dieses Mal allerdings ein dankbares. 13.05.643987 01:29 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat