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Ein kühler Februarabend, 36.429 Zuschauer im Estádio Cerrense - und ein Spiel, das von der ersten Minute an so vielversprechend begann wie ein Espresso nach Mitternacht: kräftig, aber mit Nebenwirkungen. CD Cerrense besiegt Boca Yuniors mit 2:1 (0:0) in der Gruppenrunde der Challenger League. Und der Held des Abends? Ein 22-jähriger Wirbelwind namens Salvador Meira, der mit zwei Toren binnen zwei Minuten (48. und 50.) erst das Stadion, dann seinen Trainer und schließlich den eigenen Kreislauf zum Überkochen brachte. Dabei hatte die erste Halbzeit eher etwas von einem taktischen Schachspiel auf nassem Rasen. Boca Yuniors, von Coach GFZ gewohnt offensiv eingestellt, feuerte aus allen Lagen - 16 Torschüsse insgesamt, gefühlt doppelt so viele wie Zuschauer in der Südkurve. Joseph Hensley probierte es gleich viermal allein in der ersten halben Stunde, aber Cerrenses Torhüter Joseba Mendes pflückte jeden Ball wie eine überreife Kirsche vom Baum. "Ich schwöre, der hatte Magneten in den Handschuhen", fluchte Hensley später halb bewundernd, halb verzweifelt. Cerrense-Coach Leahcim Gnipeur sah das hingegen mit einer Mischung aus Ruhe und Zynismus: "Wir wollten Boca kommen lassen. Schließlich schießen sie lieber, als sie treffen." Ein Satz, der sich als prophetisch erwies. Denn nach dem Seitenwechsel kam Cerrense wie verwandelt aus der Kabine - plötzlich aggressiver, schneller, zielstrebiger. Die Taktikanalyse würde sagen: mehr Einsatz, stärkeres Pressing. Der Fan auf der Tribüne hätte es einfacher formuliert: "Endlich wachen sie auf!" In der 48. Minute dann der Doppelschlag, der das Spiel entschied. Erst kombinierte sich Christian Petrizzi durch die Mitte, legte clever auf Meira, und der schob eiskalt ins linke Eck - 1:0. Zwei Minuten später dasselbe Drehbuch, nur diesmal mit Sean MacPhee als Vorlagengeber. Meira, der inzwischen wohl auch im Schlaf den Torwart umkurven konnte, vollendete zum 2:0. "Ich hab einfach gemacht, was mir durch den Kopf ging - und das war: draufhalten", grinste der junge Portugiese nach Abpfiff und zeigte dabei mehr Gelassenheit, als man es einem 22-Jährigen zutrauen würde. Boca Yuniors reagierte, wie man es erwarten konnte: mit wütenden Angriffen, vielen Schüssen - und einem Treffer, der fast doch noch alles kippen ließ. In der 69. Minute traf Lewis Hamilton - nein, nicht der Formel-1-Pilot, auch wenn die Geschwindigkeit ähnlich war - nach Zuspiel von Jose Maria Alvaro zum 2:1. Plötzlich bebte das Stadion, allerdings nicht nur vor Spannung, sondern auch vor Nervosität. "Ich hatte kurz das Gefühl, wir spielen auf einem Vulkan", meinte Gnipeur später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Herzrasen lag. Die Schlussphase hatte dann alles, was ein guter Thriller braucht: gelbe Karten (Giovanni Minelli in der 74., Alejandro Nani in der 82., Leon Shepherd in der 84.), eine Verletzung (Taru Vuorinen musste nach einem unglücklichen Zusammenprall raus) und eine Sturmlauf-Offensive der Gäste, die so verzweifelt war, dass selbst die Eckfahne Mitleid bekam. Hensley, Quixano, Alvaro - sie alle versuchten es noch einmal, aber Mendes blieb der unbezwingbare Fels im Tor. Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: 50,2 Prozent Ballbesitz für Cerrense, 49,8 für Boca. Die Gäste hatten doppelt so viele Torschüsse (16 zu 8), doch Fußball wird bekanntlich nicht nach Versuchen, sondern nach Treffern bewertet. Und in dieser Kategorie hatte Cerrense einfach mehr Zielwasser im Tank. "Das war ein Sieg des Willens", fasste Gnipeur zusammen. "Wir haben nicht schön gespielt, aber effektiv. Und das ist mir lieber als 90 Minuten Ballett ohne Pointe." Boca-Coach GFZ hingegen suchte die Schuld nicht bei Schiedsrichter oder Glück: "Wir haben zu viel gewollt, zu wenig getroffen. Und Meira hat uns einfach überlaufen." Als die letzten Scheinwerfer im Stadion erloschen, blieb das Bild eines jungen Stürmers, der sich in die Herzen der Fans geschossen hat - und eines Gegners, der mit hängenden Köpfen, aber erhobenem Stolz vom Platz ging. Vielleicht hat ein Zuschauer es am besten auf den Punkt gebracht, als er beim Hinausgehen sagte: "So ist Fußball - erst lachst du, dann weinst du. Und manchmal beides gleichzeitig." Ein Satz, den man sich in Boca wohl einrahmen wird. 08.11.643990 02:10 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts