// Startseite
| Diarios de Futbol |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
Was für ein Abend im Estádio do Cerrense! Bei kühlen Februartemperaturen, aber hitzigen Gemütern, zerlegte CD Cerrense am Dienstagabend die Gäste von Albiazules Monterrey mit 3:0. 34.184 Zuschauer sahen eine Heimmannschaft, die nicht nur dominierte, sondern phasenweise Fußball wie aus dem Lehrbuch zeigte - während Monterrey so wirkte, als sei der Lehrplan noch im Druck. Schon früh zeichnete sich ab, wohin die Reise gehen würde. Nach sechs Minuten prüfte Duarte Galindo erstmals Monterreys Keeper Ranisav Vasiljevic mit einem strammen Schuss aus der zweiten Reihe. Der Ball rauschte knapp über die Latte - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. "Wir wollten von Beginn an Druck machen", erklärte Cerrense-Trainer Leahcim Gnipeur später mit einem Lächeln, "und die Jungs haben das so wörtlich genommen, dass sie fast den Ball ins Tornetz geprügelt hätten." In der 22. Minute klingelte es dann tatsächlich: Ryan Skene, der quirlig-unkontrollierbare Linksstürmer, wuchtete nach feinem Zuspiel von Spielmacher Christian Petrizzi den Ball ins lange Eck. Ein Treffer, so präzise wie ein Uhrwerk - und so verdient wie die Mittagspause nach einem Montag. Monterrey kam dagegen kaum ins Spiel. Der Versuch, offensiv zu agieren, scheiterte an der Realität: ganze fünf Torschüsse in 90 Minuten, meist harmlose Versuche von Xabier Ibano oder Dimas Caneira. Kurz nach dem Führungstreffer kassierte Cerrenses Torjäger Jose Enrique Vazquez Gelb - offenbar wollte er seinem Gegenspieler nur erklären, dass Fußball ein Kontaktsport ist. Auf der Gegenseite sah Bruno Frechaut ebenfalls Gelb, vermutlich aus Solidarität. Die Halbzeitpause kam Monterrey gerade recht, denn Cerrense hatte bis dahin 56 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse und die Gäste mehr Fragezeichen als Torchancen. Trainer Jan Zuk versuchte in der Kabine angeblich, seine Mannschaft mit "Wir sind noch im Spiel" zu motivieren - was auf der Tribüne als Galgenhumor durchgegangen wäre. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Cerrense blieb offensiv, Monterrey blieb verwirrt. 62. Minute: Knud Brinkmann zog aus 20 Metern ab, Vasiljevic parierte glänzend. "Da dachte ich, der Ball hat Magneten im Torwart", grinste Brinkmann später. In der 78. Minute fiel die Vorentscheidung: Jose Enrique Vazquez - der zuvor Gelb gesehen hatte - verwandelte seine Energie in Produktivität. Nach einem schnellen Doppelpass mit Skene traf er humorlos ins rechte Eck. 2:0, Stadion im Rausch. Monterrey wirkte nun endgültig gebrochen, der Ball lief bei Cerrense wie an der Schnur. "Das war ein Genuss, zuzusehen", schwärmte ein Zuschauer auf der Haupttribüne, während er seine Churros in Kakao tunkte. "So spielt man Fußball - schnell, direkt, mit Herz. Monterrey? Die hätten heute auch mit zwölf Mann nichts gerissen." Doch Cerrense war noch nicht fertig. In der Nachspielzeit (94.) setzte Nael Marques den Schlusspunkt. Nach einem feinen Zuspiel von Altmeister Gerd Vilhelmsen zog der Rechtsaußen trocken ab - 3:0. Ein Treffer, der nicht nur das Ergebnis abrundete, sondern Monterrey endgültig in die Nacht verabschiedete. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Trainer Gnipeur nach dem Spiel. "Wir haben kontrolliert, dominiert und zum Schluss sogar improvisiert." Sein Gegenüber Zuk suchte derweil nach Worten: "Wir wollten offensiv spielen, aber Cerrense hat einfach alles besser gemacht. Es fühlte sich an, als hätten sie zwei Bälle mehr auf dem Platz." Statistisch unterstreicht alles die Dominanz der Gastgeber: 18 Torschüsse zu 5, 56 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Zahlen eines Teams auf Kurs Richtung Achtelfinale. Monterrey dagegen wird sich fragen, wo die Offensive geblieben ist, die auf dem Papier so vielversprechend aussah. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierte das Publikum nicht nur für das Ergebnis, sondern für eine Mannschaft, die mit Spielfreude, Pressing und Witz überzeugte. Selbst der Stadionsprecher klang überrascht, als er das Endergebnis verkündete - als müsse er sich vergewissern, dass das wirklich so deutlich war. Das Fazit des Abends: CD Cerrense spielt derzeit wie ein Team, das an sich glaubt - und Albiazules Monterrey wie eines, das dringend an sich arbeiten muss. Vielleicht hilft ein freier Trainingstag. Oder zwei. Und irgendwo in der Kabine von Cerrense soll Ryan Skene gescherzt haben: "Wenn wir so weitermachen, müssen wir bald Eintritt fürs Training verlangen." Niemand im Raum widersprach. 22.09.643990 20:43 |
Sprücheklopfer
Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
Christoph Daum