Cardiff Sports
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Carmarthen United verschenkt Sieg gegen Llandudno - jung trifft auf alt

Es war ein walisischer Fußballabend, wie er im Buche steht: Wind, Regen, 23.282 Zuschauer, die nach dem dritten Becher Tee kaum noch Gefühl in den Fingern hatten - und zwei Mannschaften, die sich beim 1:1 (1:0) auf Augenhöhe begegneten. Carmarthen United und Llandudno Athletic lieferten sich am 29. Spieltag der 1. Liga Wales ein Duell, das weniger von Taktik als von Willen geprägt war - und von einem jungen Mann, der offenbar keine Angst vor großen Namen hat.

Schon nach wenigen Minuten war klar: Hier wird nicht lange gefackelt. Llandudnos Otto Schramm prüfte in der vierten Minute Carmarthens Keeper Samuel Neville - ein satter Schuss, aber zu zentral. "Ich wollte ihn eigentlich in den Winkel zimmern", grinste der 21-Jährige nach der Partie, "aber mein Fuß hatte wohl andere Pläne."

Dann übernahm das Heimteam das Kommando. Zwischen der 20. und 30. Minute rollte Angriff auf Angriff Richtung Llandudno-Tor. Die Flügelzange Travassos und Stanton sorgte für Dauerdruck, ehe eben jener Samuel Stanton in der 26. Minute das 1:0 erzielte - mustergültig vorbereitet vom erfahrenen Rechtsverteidiger Gerard Rochefort, der mit 34 Jahren noch einen Sprint hinlegte, den selbst ein Jungspund nur mit Sauerstoffzelt überlebt hätte. "Ich habe einfach gedacht: Wenn ich jetzt nicht laufe, kriege ich wieder einen Spruch vom Trainer", lachte Rochefort.

Nach dem Führungstreffer schien Carmarthen alles im Griff zu haben. 49,9 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse - es war ein Spiel der feinen Balance. Llandudno, unter Coach Robert Seelow, ließ sich aber nicht beirren. "Wir wussten, dass Carmarthen irgendwann müde wird", erklärte Seelow später mit einem vielsagenden Lächeln. "Unsere Jungs sind jung, sie rennen auch noch in der 90. Minute, wenn’s sein muss."

In der Tat: Die zweite Halbzeit gehörte den Gästen. Zwar sah Jozsef Takacs in der 57. Minute Gelb, weil er mehr am Gegner als am Ball interessiert war, doch Llandudno blieb dran. Der 19-jährige Tomas Moder, kaum älter als ein Jugendspieler, aber schon mit dem Selbstvertrauen eines Routiniers, prüfte Neville gleich mehrfach - in der 59., 65. und schließlich 72. Minute fand er sein Ziel. Naphtali legte quer, Moder zog ab, und plötzlich stand es 1:1.

"Ich hab einfach draufgehalten", sagte Moder danach mit einem Grinsen, das halb Stolz, halb Ungläubigkeit ausdrückte. "Yehudit hat mir den Ball so schön hingelegt - da musste ich einfach."

Carmarthen reagierte wütend. Gelb für Callum Ross in der 71. Minute, eine Mischung aus Frust und Foul. Trainerstimmen verrieten später, dass das Spiel da endgültig auf der Kippe stand. "Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen", knurrte ein sichtlich genervter United-Coach (der sich nach Abpfiff wortlos in die Kabine zurückzog).

Die Schlussphase bot dann alles, was man vom walisischen Fußball erwartet: lange Bälle, Grätschen, und ein Torwart, der mehrmals mit dem Ball an der Strafraumgrenze jonglierte, als wäre er auf einem Jahrmarkt. Stanton hatte in der 82. Minute noch einmal die Chance auf den Sieg - sein Schuss rauschte knapp über die Latte. Elliot Lancaster versuchte es in der 87. Minute noch einmal aus der Distanz, aber auch er scheiterte.

Statistisch betrachtet war das Remis gerecht: jeweils neun Torschüsse, ein hauchdünner Vorteil im Ballbesitz für die Gäste (50,1 zu 49,9 Prozent), und eine Tackling-Quote, die zeigt, dass keiner hier zimperlich war - 49,2 zu 50,7 Prozent. "Das ist kein Spiel für Feingeister", kommentierte ein Zuschauer trocken, während er sich den Schal fester um den Hals wickelte.

Nach dem Abpfiff herrschte dann auch Einigkeit: Ein Punkt war zu wenig für Carmarthen, aber ein Erfolg für Llandudnos jugendliche Wilden. "Wir lernen mit jedem Spiel", meinte Trainer Seelow. "Heute haben wir gelernt, dass Geduld manchmal mehr bringt als volle Offensive."

Samuel Stanton sah das ein bisschen anders: "Wenn man in Führung liegt, sollte man das Ding einfach nach Hause bringen. Aber wir sind halt keine Maschinen."

So bleibt Carmarthen United nach diesem 1:1 im Mittelfeld stecken, während Llandudno Athletic weiter an seinem Ruf arbeitet, das frechste Nachwuchsteam der Liga zu sein. Und irgendwo in der walisischen Nacht dürfte ein gewisser Tomas Moder noch einmal seinen Schuss im Kopf wiederholen - jener Moment, der aus einem Punkt fast einen Sieg gemacht hätte.

Ein Unentschieden also, das keiner so richtig wollte, aber beide verdient haben. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Das war wie ein walisischer Winter - nass, laut, und am Ende weiß keiner, warum man eigentlich rausgegangen ist."

20.08.643993 06:15
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Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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