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Es war einer dieser Abende in Lavagna, an denen man denkt: "Na gut, ein Punkt ist besser als keiner." Und dann, fünf Minuten vor Schluss, kommt ein 19-Jähriger daher und macht diesen Gedanken zunichte. Luca Cariati, der jugendliche Wirbelwind auf der linken Seite von Rodengo Saiano, traf spät - und eiskalt - zum 0:1-Endstand. Ein Tor, das Lavagnese-Trainer und Fans gleichermaßen sprachlos zurückließ. 8.551 Zuschauer im kleinen Stadion von Lavagna sahen ein Spiel, das lange eher nach Magerkost roch. Lavagnese hatte mehr vom Ball (57 Prozent Ballbesitz), aber Rodengo Saiano hatte eindeutig mehr Hunger - und mehr Torschüsse: 17 zu 10. Die Gäste wirkten bissiger, zielstrebiger, während die Hausherren zwar kombinierten, aber selten gefährlich wurden. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", knurrte Lavagneses Kapitän Enrico Fiore nach Abpfiff, der sich schon in der 23. Minute eine Gelbe Karte abgeholt hatte. "Manchmal schießt du zehnmal und triffst trotzdem kein Scheunentor." Dabei sah es eine Stunde lang gar nicht so unfreundlich für Lavagnese aus. Kevin Felix hatte zwei ordentliche Chancen (33. und 34. Minute), Seppe Vandervliet prüfte den Keeper in der 80. Minute - aber der Ball wollte nicht rein. Und dann kam der Moment, in dem Fußballgeschichten geschrieben werden. 85. Minute: Giorgio Bisignano, der 32-jährige Rechtsverteidiger von Rodengo Saiano, schaltete sich mit nach vorne ein und flankte scharf in den Strafraum. Cariati rauschte heran, nahm den Ball direkt und versenkte ihn links unten. Tor. 0:1. Jubel, Tränen, ungläubige Gesichter. Während die Gäste in einem Knäuel verschwanden, starrte Lavagnese-Torwart Davide Amato in den Nachthimmel von Ligurien. "Ich wollte einfach draufhalten", grinste Cariati später mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Schock und Stolz pendelte. "Giorgio hat mir den Ball perfekt hingelegt. Das war kein Glück - naja, vielleicht ein bisschen." Sein Trainer Jan Beyer, sonst ein Mann mit norddeutscher Gelassenheit, konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen: "Luca ist 19, aber spielt, als hätte er schon 100 Spiele gemacht. So etwas kannst du nicht trainieren - das ist Instinkt." Rodengo Saiano hatte sich den Sieg letztlich verdient. Nicht, weil sie dominierten - das tat Lavagnese mit dem Ball -, sondern weil sie dranblieben. Immer wieder pressten sie im richtigen Moment, zogen sich klug zurück, um dann blitzartig zu kontern. Besonders auffällig der junge Gaetano Uffugo, der mit 18 Jahren eine unverschämte Spielfreude zeigte und gleich mehrere gefährliche Abschlüsse hatte (17., 21., 29., 43., 74. und 88. Minute). Beyer reagierte zur Halbzeit clever, brachte nach 45 Minuten Lorenzo Cerva für Matteo Botricello, um im Zentrum frische Beine zu haben. Später kam auch Niccolo Gasser ins Spiel, der in der 90. Minute beinahe das 0:2 markiert hätte. Seine Direktabnahme zischte nur Zentimeter über die Latte - begleitet vom kollektiven Aufstöhnen der Heimfans. Lavagnese-Trainer (dessen Name in der offiziellen Aufstellung kurioserweise fehlte - vielleicht wollte er nach dem Spiel lieber anonym bleiben) suchte nach Erklärungen. "Wir hatten den Ball, aber keine Ideen. Und am Ende fehlt uns das Glück." Glück? Oder Mut? In den letzten Minuten wirkte seine Mannschaft fast zu brav, zu abwartend, während Rodengo Saiano das Pressing anzog und genau das tat, was man in so einer Schlussphase tun muss: zubeißen. "Ich hab ihnen in der 80. zugerufen: Wenn ihr jetzt nicht draufgeht, fahren wir mit null Punkten heim", erzählte Beyer lachend. "Und siehe da - sie haben mich offenbar verstanden." So stand es am Ende 0:1 - nüchtern betrachtet ein knappes Ergebnis, emotional aber ein kleiner Befreiungsschlag für die Gäste. Lavagnese hingegen bleibt das Gefühl, ein Spiel verloren zu haben, das man eigentlich nie verlieren durfte. "Das war wie ein Date, bei dem du denkst, alles läuft gut - und dann geht sie einfach", seufzte Mittelfeldmann Sotirios Ardizoglou in der Mixed Zone. Humor hilft bekanntlich bei der Verarbeitung. Rodengo Saiano dagegen feierte den Auswärtssieg, als wäre es ein Pokalfinale. Cariati bekam eine Bierdusche, Beyer eine Umarmung von jedem Ersatzspieler. "Wenn wir so weitermachen, dann kann’s noch eine schöne Saison werden", murmelte er, halb an sich selbst gerichtet. Und Lavagnese? Die müssen sich fragen, warum 57 Prozent Ballbesitz und zehn Abschlüsse am Ende nichts wert waren. Vielleicht, weil Fußball kein Rechenexempel ist, sondern manchmal einfach nur ein gut getimter Flankenlauf und ein mutiger 19-Jähriger. Ein Abend, der wieder einmal bewies: Wer zu spät trifft, trifft am besten - zumindest, wenn er Luca Cariati heißt. 19.09.643987 04:32 |
Sprücheklopfer
Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler