Diarios de Futbol
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Caradodo FC zerbröselt - Cerrense tanzt im Regen ein 0:5-Festival

Manchmal fragt man sich, ob ein Fußballspiel auch als Bewerbungsvideo für die Gegenseite gedacht war. Caradodo FC bot am Mittwochabend im heimischen Stadion vor 34.548 Zuschauern jedenfalls eine Vorstellung, die selbst den geduldigsten Fan zum Philosophieren brachte: über Sinn, System und das Wesen des Ballbesitzes. 55 Prozent davon nützten nichts, denn CD Cerrense nahm die Challenger-League-Quali beim 0:5 (0:0) als Einladung zur Demonstration ihrer Effizienz.

Zunächst hatte alles ganz harmlos begonnen. Die erste Halbzeit war eine Art freundschaftliches Abtasten - nur, dass Cerrense dabei bereits 10 Mal aufs Tor schoss und Caradodo zweimal. "Wir wollten sie müde laufen lassen", erklärte Heimtrainer Timo Ruß später trocken. Das klang so, als hätte er diese Strategie gerade erst erfunden. Sein Gegenüber Leahcim Gnipeur hingegen grinste: "Ich sagte den Jungs in der Pause: Wenn sie uns schon den Ball schenken, sollten wir wenigstens höflich etwas Schönes daraus machen."

Und das taten sie. Gleich nach Wiederanpfiff - 47. Minute - verwandelte Ryan Skene den ersten klaren Angriff des zweiten Durchgangs zur Führung. Ein linkes Pfund ins lange Eck, keine Chance für Caradodos Keeper Nelson Barros, der sich vermutlich in diesem Moment wünschte, Torwart-Handschuhe seien auch psychologisch gepolstert.

Was danach folgte, war ein Sturm. Skene legte in der 60. Minute nach, bedient vom agilen Gerd Vilhelmsen. Kaum hatte das Publikum noch den zweiten Treffer verdaut, rappelte es schon wieder: Nael Marques traf in der 61. Minute, diesmal nach Vorlage von Innenverteidiger Arnau Sa Pint, der sich offenbar dachte, dass Vorlagen auch von hinten erlaubt sind.

Spätestens jetzt war die Partie entschieden, doch Cerrense hatte noch nicht genug. In der 74. Minute setzte Marques mit seinem zweiten Treffer den nächsten Nadelstich - diesmal nach einem mustergültigen Zuspiel von Linksverteidiger Hans Jakobsen. Fünf Minuten später durfte erneut Skene jubelnd die Arme ausbreiten, nach Vorarbeit von Christian Petrizzi. 79 Minuten gespielt, 0:5 auf der Anzeigetafel, und Caradodos Defensive wirkte wie eine Gruppe Touristen, die sich in der eigenen Stadt verlaufen hat.

Zwischen den Toren versuchte Timo Ruß von der Seitenlinie lautstark, sein Team zu wecken. "Ich hab gerufen, sie sollen enger stehen - aber sie haben mich wohl zu wörtlich genommen", knurrte er nach Abpfiff. Tatsächlich standen seine Spieler so eng, dass sie sich gegenseitig die Pässe abgrätschten. Ballbesitz 55 Prozent, Torschüsse 2 - das sind Zahlen, die in einer Statistikvorlesung als Beispiel für den Unterschied zwischen Quantität und Qualität dienen könnten.

Auch der Schiedsrichter bekam wenig Gelegenheit, das Spiel zu unterbrechen. Nur eine Gelbe Karte, die sich Caradodos Rechtsverteidiger Nelio Assis in der 82. Minute abholte - vermutlich aus purer Sehnsucht nach Aufmerksamkeit. "Ich wollte wenigstens einmal im Spielbericht vorkommen", witzelte er später in der Mixed Zone.

Bei Cerrense lief dagegen alles wie geschmiert. Selbst der verletzungsbedingte Ausfall von Sean MacPhee in der 26. Minute brachte keinen Bruch. Ersatzmann Duarte Galindo fügte sich nahtlos ein. "Wir sind ein bisschen wie ein Orchester", erklärte Torhüter Joseba Mendes nach der Partie. "Wenn einer aufhört zu spielen, übernimmt einfach der Nächste den Takt."

Journalisten lieben solche Sätze - und Gnipeur wusste das. "Wir haben heute gezeigt, dass Balance auch Spaß machen kann", sagte der Cerrense-Coach, der seine Taktik schlicht "ausgewogen" nennt, aber sie offenbar als Kunstform versteht.

Caradodo hingegen dürfte in den nächsten Tagen weniger von Balance reden. "Wir müssen uns schütteln, aber nicht vergraben", meinte Ruß. "Und vielleicht trainieren wir das Toreschießen mal nicht nur theoretisch." Ein Vorschlag, der beim Publikum sicher Anklang findet.

Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das über 90 Minuten wie ein Lehrfilm über Effizienz wirkte: Cerrense schießt 23 Mal, trifft fünf Mal, Caradodo schießt zweimal, trifft nie. Fußball kann so einfach sein - wenn man weiß, in welches Tor man spielen soll.

Und irgendwo auf der Tribüne murmelte ein Fan beim Abpfiff: "55 Prozent Ballbesitz - das klingt fast wie Erfolg." Nur dass die Anzeigetafel anderer Meinung war. 0:5. Zahlen, die selbst der schönste Ballbesitz nicht übertünchen kann.

Vielleicht wird Caradodo aus dieser Partie lernen. Vielleicht auch nicht. Sicher ist nur: CD Cerrense hat an diesem Abend nicht nur ein Spiel gewonnen, sondern ein Statement abgegeben - laut, klar und ohne falsche Bescheidenheit.

15.07.643990 09:42
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