Jornal do Brasil
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Campina Grande zerlegt Esmeraldas Goias - ein 7:0 zum Zungeschnalzen

Wenn Tobias Wassermann nach diesem Abend noch ruhig schlafen kann, dann wohl nur, weil seine Mannschaft ihm die Arbeit erleichtert hat. Campina Grande zerlegte am 23. Spieltag der 1. Liga Brasilien den überforderten Gegner Esmeraldas Goias mit 7:0 (2:0). 26 579 Zuschauer sahen ein Offensivfeuerwerk, das irgendwo zwischen Fußballkunst und sadistischer Lehrstunde pendelte.

Bereits nach drei Minuten brüllte ein Zuschauer aus Reihe 12: "Die Jungs wollen heute was gutmachen!" - und er sollte recht behalten. Campina Grande stand hoch, kombinierte schnell, spielte sich durch die Mitte, als gäbe es keine Verteidiger. Die Gäste, taktisch "balanciert" eingestellt, wirkten, als hätten sie die Spielanweisung "kein Pressing" etwas zu wörtlich genommen.

In der 13. Minute dann das erste Ausrufezeichen: Liam Sterling, der junge Wirbelwind auf links, vollendete einen mustergültigen Pass von Rafael Fernandes. 1:0, und der Jubel klang, als wäre gerade die Meisterschaft entschieden. Nur acht Minuten später legte Noah Huxley nach - nach Vorlage von Jacinto Hernando, der mit einem Pass durch drei Verteidiger hindurch die halbe Tribüne in Verzückung versetzte.

"Wir hatten eigentlich einen Plan", sagte Gästetrainer Björn Lange später mit einem gequälten Lächeln. "Aber Campina Grande hat ihn offenbar vor dem Anpfiff gelesen." Seine Elf brachte es auf zwei Torschüsse im ganzen Spiel - einer in der siebten, einer in der 92. Minute. Der Rest war Schadensbegrenzung.

Nach der Pause wurde es bitter. In der 60. Minute marschierte Rechtsverteidiger Nael Miguel nach vorne, bekam den Ball von Charles Aimee und drosch ihn aus 20 Metern in den Winkel. 3:0, die Fans tanzten Samba. Drei Minuten später war wieder Sterling dran - diesmal nach einem präzisen Zuspiel von Aimee. 4:0.

"Wir wollten gar nicht aufhören", grinste Sterling später verschmitzt. "Björn Lange hat mich nach dem Spiel gefragt, ob ich auch mal daneben schießen könnte." Tat er aber nicht. In der 70. Minute machte erneut Huxley sein zweites Tor, Vorlage Miguel - eine kleine Revanche für dessen Gelbe Karte kurz zuvor, die er mit einem Achselzucken quittierte: "Wenn man sieben Tore schießt, darf man auch mal zu spät kommen."

Der Rest war Schaulaufen. In der 85. Minute krönte Sterling seinen Galaabend mit dem Hattrick nach Zuspiel von Aimee. Zwei Minuten später legte er noch einen nach - diesmal nach einer Flanke von Innenverteidiger Nelson de Freitas. 7:0, und das Publikum stand Kopf.

Die Statistiken erzählten dieselbe Geschichte: 20 Torschüsse zu 2, 62 Prozent Ballbesitz, eine Tacklingquote von 57 Prozent - Campina Grande dominierte in jeder Kategorie. Selbst der Rasen schien Mitleid mit den Gästen zu haben, die teils orientierungslos auf der Stelle traten.

Trainer Wassermann blieb trotz des Schützenfestes nüchtern: "Wir haben das umgesetzt, was wir trainieren - kurze Pässe, viel Bewegung. Dass es gleich so klickt, ist schön, aber nächste Woche gilt’s wieder bei null." Im Hintergrund rief Sterling lachend: "Ich fange dann bei vier an!"

Für Esmeraldas Goias war der Abend ein Albtraum in Grün. Der 19-jährige Jacek Zurawski hatte den ersten Torschuss seines Teams, danach wurde er praktisch zum Außenverteidiger umgeschult. Torhüter Diego Calvente wischte sich nach dem Schlusspfiff den Schweiß ab und murmelte: "Ich habe heute mehr Bälle aus dem Netz geholt als in den letzten fünf Spielen zusammen."

Vielleicht war es schlicht ein Generationenproblem: Die Gäste, im Schnitt kaum 20 Jahre alt, trafen auf eine eingespielte Truppe, die in allen Belangen reifer wirkte. Campina Grande spielte offensiv, aber geduldig - kein wildes Gebolze, sondern präzises Kurzpassspiel, das mit jedem Treffer mehr Selbstbewusstsein tankte.

Als der Schiedsrichter abpfiff, hatte längst niemand mehr Mitleid. Die Fans feierten ihre Stars, die Spieler klatschten mit den Zuschauern ab, und irgendwo in der VIP-Lounge soll jemand gesagt haben: "Wenn die so weitermachen, brauchen sie bald ein zweites Stadion."

Ein Spiel, das wohl in die Vereinsgeschichten eingehen wird - nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern wegen der Art, wie es zustande kam. Campina Grande spielte Fußball wie aus dem Lehrbuch, Esmeraldas Goias stand Spalier.

Und als die Flutlichter langsam erloschen, blieb ein Gedanke: Manchmal ist Fußball brutal ehrlich - und manchmal trägt Ehrlichkeit eben die Trikotnummer 11.

02.06.643993 12:50
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