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Ein milder Februarabend, 31.467 Zuschauer, Flutlicht, Trommeln, und auf dem Rasen ein Spiel, das alles hatte - Tore, Karten, Emotionen und einen Platzverweis, der selbst den Stadionsprecher kurz sprachlos machte. Campina Grande gewann am zweiten Spieltag der "Challenger League"-Gruppenrunde hochverdient mit 4:1 gegen CD Cerrense. Und wer dabei war, wird sich an dieses 90-Minuten-Spektakel noch eine Weile erinnern. Schon in den ersten Minuten machte Campina Grande klar, wer hier das Sagen haben würde. Offensiv eingestellt, mutig und mit dem unerschütterlichen Glauben, dass Ballbesitz überbewertet sei (49,8 Prozent reichten ihnen völlig). Trainer Tobias Wassermann hatte sein Team auf Angriff getrimmt - und zwar von der ersten Sekunde an. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens nach vorne", grinste er später. Verlieren war allerdings nie wirklich eine Option. In der 31. Minute platzte der Knoten: Rafael Fernandes, quirlig wie ein Espresso nach dem Mittagessen, setzte sich auf links durch und servierte mustergültig für Henri Billet. Der fackelte nicht lange - 1:0, und das Stadion bebte. "Ich hab nur noch den Ball gesehen und gedacht: Jetzt oder nie", sagte Billet hinterher, während er sich ein Lächeln kaum verkneifen konnte. Cerrense? Die Gäste aus Portugal - oder zumindest mit portugiesisch klingendem Namen - brauchten lange, um in Fahrt zu kommen. Kurz nach der Pause schien es aber, als hätte Trainer Leahcim Gnipeur eine ordentliche Motivationsrede gehalten. Und siehe da: In der 47. Minute schlug Nael Marques zu. Nach feinem Zuspiel von Altmeister Gerd Vilhelmsen netzte er zum Ausgleich ein. 1:1 - und plötzlich war das Spiel wieder offen. Aber nur kurz. Acht Minuten später machte Noah Huxley, der rechte Wirbelwind im Angriff, alles klar. Nach Vorlage von Alberto Talao schlenzte er den Ball lässig ins lange Eck - 2:1. "Alberto hat mir zugerufen: ’Mach’s einfach!’ Und das hab ich dann eben gemacht", erzählte Huxley später, als sei das die natürlichste Sache der Welt. Cerrense versuchte, sich zurückzukämpfen - und verlor dabei nicht nur das Spiel, sondern auch die Fassung. In der 62. Minute flog Linksverteidiger Tomasz Szymkowiak mit Rot vom Platz. Ein rustikales Einsteigen, das den Rasen nachhaltig veränderte. "Er hat den Ball getroffen. Nur leider war der Ball gerade 20 Zentimeter weiter", kommentierte Gnipeur trocken. Danach war klar: Das wird ein langer Abend für seine Elf. Und tatsächlich: Campina Grande ließ sich nicht zweimal bitten. Huxley traf in der 80. Minute erneut, wieder nach Vorlage von Alberto Talao, der an diesem Abend ohnehin auf dem rechten Flügel schwebte. Vier Minuten später durfte auch er selbst jubeln - 84. Minute, 4:1. Passgeber diesmal Charles Aimee, und das Stadion sang längst in Dauerschleife. Während die Heimfans feierten, wechselte Wassermann noch ein bisschen durch. Der 17-jährige Foma Klimowitsch kam zu seinem Debüt, ebenso der junge Torhüter Silvestre Cunha. "Die Jungs sollen wissen, dass Fußball Spaß ist - besonders wenn man führt", meinte der Trainer mit einem Augenzwinkern. Statistisch gesehen war es enger, als das Ergebnis vermuten lässt: 13 Torschüsse für Campina, 9 für Cerrense, Ballbesitz fast pari. Aber was nützt Prozentrechnung, wenn der Gegner viermal trifft und du nur einmal? Leahcim Gnipeur brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "Wir haben 50 Prozent Ballbesitz gehabt - leider immer dann, wenn der Ball im eigenen Drittel war." Als der Schlusspfiff ertönte, war die Partie längst entschieden, und das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen. Campina Grande spielte nicht einfach Fußball - sie tanzten ihn. Und irgendwo in der Mixed Zone murmelte Alberto Talao, umgeben von Mikrofonen und Fans: "Heute war’s wie Samba unter Flutlicht. Nur dass wir die Trommeln selbst gespielt haben." Ein kleiner Satz, der die ganze Nacht zusammenfasst. Vier Tore, ein Platzverweis, ein bisschen Drama - und das sichere Gefühl, dass in Campina Grande der Fußball lebt, lacht und gelegentlich ein bisschen provoziert. Genau so, wie man ihn liebt. 30.08.643990 16:43 |
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Otto Rehhagel