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Ein nasskalter Abend in Cambridge, Flutlicht, 4.615 frierende, aber bestens gelaunte Zuschauer - und ein Spiel, das mehr Pfeffer hatte als so manches Curry in der Stadionkantine. Cambridge United besiegt Wrexham mit 3:1 (2:1) und liefert dabei einen Auftritt, der zwischen Spielfreude und kontrolliertem Chaos pendelte. Schon in der 9. Minute setzte Sean Harrington den Ton. Der bullige Linksaußen jagte den Ball nach Vorlage von Daniel Eliot ins Netz, als wollte er das Tornetz gleich mit abreißen. "Ich hab’ einfach die Augen zugemacht", grinste Harrington später, "und gehofft, dass Daniel das Richtige tut. Hat er - diesmal." Wrexham antwortete frech. Der 18-jährige Oliver Wurst - ja, der Name ist echt - traf in der 35. Minute nach einem schönen Zuspiel des noch jüngeren Samuel Gallagher. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch: flach, präzise, unhaltbar. Trainer Markus Stradner brüllte danach so laut "Yes!", dass selbst die Möwen über dem Abbey Stadium kurz innehielten. Doch die Freude hielt nicht lange. Kurz vor der Pause, in der 45. Minute, zeigte Daniel Eliot, dass er nicht nur Vorlagen geben, sondern auch selbst treffen kann. Aus gut 18 Metern zog der 30-Jährige ab - trocken, schnörkellos, unhaltbar. 2:1. Das Publikum tobte, und einer der Ordner soll tatsächlich gerufen haben: "Eliot, du alter Zauberer!" Nach dem Seitenwechsel blieb Cambridge die spielbestimmende Mannschaft. 62 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse - das war kein Zufall, sondern Ausdruck einer klaren Überlegenheit. Wrexham dagegen kämpfte verbissen, rannte an, presste mutiger als zuvor, doch oft ins Leere. Stradner hatte zur Pause offenbar das "Pressing auf YES" gedreht, wie es in den Taktikblättern heißt. Es half nur bedingt. In der 70. Minute fiel die Entscheidung: Wieder Eliot, diesmal nach feiner Vorarbeit von Riley Millington. Der Pass kam wie auf Schienen, der Schuss wie aus dem Lehrbuch - 3:1. Danach war die Messe gelesen, auch wenn Wrexham noch dreimal halbgefährlich vor’s Tor kam. "Da war einfach zu viel Cleverness auf der anderen Seite", seufzte Stradner nach dem Spiel. "Wir haben viel gewollt, aber Cambridge hat uns laufen lassen wie Hühner hinter einem Laserpointer." Sein Torwart Agemar da Costa, der trotz dreier Gegentreffer mehrfach glänzend parierte, meinte trocken: "Ich hab mehr Bälle gehalten als mein Handy Empfang hatte." Auf der anderen Seite klang es deutlich zufriedener. "Das war so ein Abend, an dem vieles einfach klickt", sagte Cambridge-Mann Daniel Eliot, der mit zwei Toren und einer Vorlage zum Mann des Spiels wurde. "Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir in dieser Liga nicht zum Tee trinken sind." Trainer der Gastgeber (dessen Name Cambridge traditionell geheim hält - eine Art Aberglaube) nickte nur und erklärte: "Wir wollten einfach unser Spiel machen. Das hat funktioniert. Und Sean hat endlich mal den rechten Fuß benutzt - das allein war den Eintritt wert." Taktisch blieb Cambridge über weite Strecken bei einem ausgewogenen Stil: keine wilden Pressing-Orgien, kein übertriebenes Risiko, einfach sauberes, kontrolliertes Passspiel. Wrexham hingegen drehte nach der Pause auf, wurde aggressiver, investierte viel - aber so richtig gefährlich wurden sie nur selten. Lediglich der junge Jay Burton sorgte mit drei beherzten Distanzschüssen (32., 54., 59.) für ein paar Herzklopfmomente bei den Heimfans. Auffällig: Cambridge spielte reifer, ruhiger, mit einem Hauch Überheblichkeit - aber der sympathischen Sorte. Die Spieler sprachen miteinander, lachten, klatschten, während Wrexham zunehmend verkrampfte. "Wir wollten zeigen, dass wir Spaß haben", verriet Lucas Smith, der auf rechts unermüdlich rackerte. "Und ehrlich - das macht Fußball doch aus, oder?" Am Ende stand ein verdienter Sieg, ein zufriedenes Publikum und ein Gegner, der zwar jung, wild und mutig war, aber an diesem Abend schlicht auf einen clevereren Gegner traf. Cambridge United hat damit den Anschluss an die obere Tabellenhälfte der 4. Liga England (1. Div) wiederhergestellt - und Wrexham muss weiter auf den ersten Auswärtspunkt des Jahres warten. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass selbst eine Niederlage manchmal eine Lektion ist. Oder wie Stradner beim Abgang murmelte: "Wir haben verloren, ja. Aber wenigstens sahen wir dabei engagiert aus." Ein bisschen Wahrheit steckt drin. Und eine Menge britischer Fußballromantik noch dazu. 20.04.643987 02:25 |
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Torsten Legat