Football Today
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Cambridge City trotzt allen Widrigkeiten - 2:1 gegen Nottingham Foresters

Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 16.000 Zuschauer und ein Spiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war: Cambridge City besiegte am 5. Spieltag der 2. Liga England die Nottingham Foresters mit 2:1 - und das trotz Unterzahl und Nerven, die selbst britischen Teekocher zum Zittern gebracht hätten.

Schon nach drei Minuten bebte das kleine Stadion an der Mill Road: Rechtsverteidiger Filipe de Almeida, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, drosch den Ball nach schöner Vorarbeit von Sean Winfield aus spitzem Winkel ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste de Almeida später verschmitzt, "aber dann hat der Ball wohl selbst entschieden, wohin er will." Ein frühes 1:0, das City beflügelte - oder besser gesagt: kurzzeitig in einen Offensivrausch versetzte.

Die Foresters, trainiert von Leon Löwe, wirkten überrascht, fast beleidigt. "Wir wussten, dass Cambridge laufen kann", knurrte Löwe nach dem Spiel, "aber dass selbst ihr Außenverteidiger schießen darf, das stand nicht im Drehbuch." Sein Team fing sich jedoch, spielte offensiv (so stand’s auch auf dem Taktikzettel) und kam über die Flügel immer wieder gefährlich vor das Tor. Luke O’Leary prüfte Keeper Jacopo Bruzio mehrfach, doch der junge Italiener zeigte Reflexe, die an Espresso erinnern: kurz, stark, und bei Überdosierung lebensgefährlich für den Gegner.

Zur Pause führte Cambridge 1:0, hatte 55 Prozent Ballbesitz, aber bereits zwei Gelbe Karten kassiert. Harrison More, der mit einem Tackling in Minute sieben eher Rugby als Fußball andeutete, war besonders auffällig - leider auch später.

Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, da folgte die nächste Szene für die Galerie: In der 47. Minute zirkelte Mittelfeldmotor Luke Craven den Ball nach Vorarbeit von Samuel Fergusson präzise ins linke Eck - 2:0! Die Fans tobten, der Stadionsprecher verlor fast die Stimme, und Trainer Löwe raufte sich die Haare, als hätte er gerade das letzte Stück Kuchen verpasst.

Doch wer Cambridge kennt, weiß: Es wäre nicht Cambridge, wenn sie es nicht noch spannend machen würden. Nur zwei Minuten später verkürzte Nottingham - Lucas Bloomfield traf nach Zuspiel von Nevio Varela zum 2:1. "Ich dachte, das wird unser Wendepunkt", sagte Bloomfield hinterher, "aber dann hat uns die Zeit gefehlt. Und vielleicht auch ein bisschen Glück."

Ab Minute 60 wurde das Spiel zur Nervenpartie. Harrison More sah nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot - ein Platzverweis, der so unnötig war wie ein Regenschirm im Sommerurlaub. Trainer und Mitspieler blickten fassungslos. "Er hat’s nicht böse gemeint", verteidigte ihn Craven später, "er ist einfach zu leidenschaftlich - und manchmal auch zu spät dran."

Nottingham witterte die Chance: Löwe wechselte gleich dreimal innerhalb weniger Minuten und brachte frische Offensivkräfte. Cambridge dagegen musste improvisieren, vor allem nach der Verletzung von Petar Gavrancic in der 58. Minute. Ersatzmann Louis Stanton fügte sich solide ein, aber das Heimteam kämpfte fortan mehr mit den eigenen Kräften als mit dem Gegner.

Die letzten zwanzig Minuten waren ein einziger Abwehrkampf. Die Foresters feuerten aus allen Lagen - 11 Schüsse aufs Tor insgesamt, einer wilder als der andere. Brandon Lockwoods Kopfball in der 68. Minute strich knapp vorbei, Max Prentiss verzog in der 76., und Damian del Rio schoss in der 82. aus fünf Metern über den Kasten. "Ich hab’ den Ball noch im Kopfkino", stöhnte del Rio nach dem Spiel.

Cambridge verteidigte tapfer, manchmal mit Glück, manchmal mit Verzweiflung - und manchmal einfach mit allem, was Beine hat. In der 89. Minute hätte Callum McGowan beinahe den Ausgleich erzielt, doch Bruzio lenkte den Ball mit den Fingerspitzen um den Pfosten. Nach 96 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab, und die 16.000 Fans atmeten kollektiv auf.

"Wir haben mit Herz gespielt", sagte ein sichtlich erschöpfter Luke Craven in der Mixed Zone. "Und mit einem Bein weniger", fügte er lachend hinzu. Trainer Löwe schüttelte derweil nur den Kopf: "Wenn Ballbesitz Spiele gewinnen würde, stünden wir oben."

Statistisch gesehen war’s ein ausgeglichenes Duell: 55 zu 44 Prozent Ballbesitz für Cambridge, 10 zu 11 Torschüsse, fünf Gelbe Karten, eine Gelb-Rote - und jede Menge Emotionen.

Cambridge City klettert mit diesem Sieg vorerst ins obere Mittelfeld, Nottingham hingegen bleibt im Tabellen-Niemandsland stecken. Ein verdienter Sieg für ein Team, das sich selbst dann nicht aufgibt, wenn es sich gerade selbst im Weg steht.

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem ein Rechtsverteidiger zum Torjäger wurde, ein Mittelfeldspieler zum Helden - und ein Schiedsrichter vermutlich Kopfschmerztabletten zum Abendbrot nahm.

15.07.643990 12:08
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Marcio Amoroso ist der Prototyp des Spielers, der nach einem 1:10 höchst zufrieden nach Hause geht, weil er das einzige Tor geschossen hat.
Paul Breitner
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