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Einziger Treffer, pure Emotion: Der FC San Sebastian ringt Santa Eulalia 1:0 nieder Wer behauptet, Fußball sei ein Spiel der großen Emotionen, bekam am Freitagabend im Estadio de la Playa eine Bestätigung in Reinform. 43.500 Zuschauer erlebten ein 1:0, das auf dem Papier knapp aussah, aber auf dem Rasen wie ein kleiner Triumphzug gefeiert wurde. FC San Sebastian gewann zuhause gegen Santa Eulalia - ein Arbeitssieg, ein Geduldsspiel und am Ende ein Fest für die Freunde der Effizienz. Beide Teams starteten mit klaren Rollen: San Sebastian, unter Trainer Daniel Derksen gewohnt auf Konter lauernd, stellte sich offensiv ein, aber mit langen Bällen als Waffe. Santa Eulalia dagegen, defensiv eingestellt und mit Dede Dedede an der Seitenlinie, wollte den Ball laufen lassen. Und das taten sie auch - 54 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Nur: Tore zählen mehr als Prozente. Die erste Hälfte war eine Mischung aus Geduldsspiel und kollektivem Stirnrunzeln. Raul Calderon scheiterte in der 15. und 26. Minute, Jozef Kisel prüfte Torhüter Esteban Figo in der 14. und 39. Minute. Auf der anderen Seite ballerte Santa Eulalia munter drauflos: Henriksson (28., 32., 64., 79.) versuchte alles, was ein Mittelstürmer so versuchen kann - nur der Ball wollte nicht rein. "Ich hab ihn gut getroffen, aber der Torwart stand im Weg, der Frechdachs", grinste Henriksson nach dem Spiel. Torwart Pierre Guillory, dieser "Frechdachs", war tatsächlich ein Turm in der Brandung. Immer wieder pflückte er Flanken herunter, lenkte Schüsse über die Latte und rief seinen Verteidigern zu: "Männer, das ist hier kein Beachvolleyball!" - was die Fans auf der Tribüne zu herzlichem Gelächter brachte. Nach 45 Minuten: 0:0. Beide Trainer gestikulierten wie Dirigenten eines unwilligen Orchesters. "Wir hatten die Musik, aber keine Melodie", murmelte Santa-Coach Dedede zur Pause. Dann kam Minute 59 - die Szene, die das Spiel entschied. Der 19-jährige Sergio Busquets (ja, ein Namensvetter des großen Busquets) spielte einen präzisen Steckpass durch die Schnittstelle, Calderon startete im richtigen Moment, nahm den Ball mit der Brust an und schob ihn mit der Seelenruhe eines Sonntagsanglers ins lange Eck. 1:0 für San Sebastian, das Stadion explodierte. "Ich hab gedacht, der Junge spielt den Ball zu früh - aber er hat mich überrascht. Einfach perfekt", sagte Torschütze Calderon später mit einem breiten Grinsen. Trainer Derksen schlug ihm anerkennend auf die Schulter: "Das war kein Zufall. Raul hat das im Training vielleicht 200 Mal versucht. Heute hat’s einmal funktioniert - das reicht mir." Santa Eulalia rannte an, hatte mehr Schüsse (9:8), mehr Ballbesitz, mehr Frust. Henriksson köpfte in der 79. Minute noch einmal gefährlich, doch Guillory fischte den Ball aus dem Winkel. Die Gäste erhöhten die Aggressivität, Leon Hunt kassierte dafür in der 80. Minute Gelb - sinnbildlich für die aufkommende Verzweiflung. Auf der anderen Seite musste auch San Sebastians Freddie Onnington nach einem rustikalen Einsteigen in der 75. Minute Gelb sehen. "Ich hab nur den Ball gesehen", verteidigte er sich später, worauf Calderon lachend anmerkte: "Dann sollte er vielleicht mal zum Optiker." Derksen wechselte clever: Der junge Yague kam für Antunez, später ersetzte der Routinier Navarro den 19-jährigen Busquets, um Stabilität zu bringen. "Ich hab einfach gehofft, dass keiner mehr was Verrücktes macht", sagte der Trainer trocken. Santa Eulalia versuchte es zum Schluss mit Pressing, schob alle Mann nach vorn, aber wie so oft in solchen Spielen: Der letzte Pass kam nicht an, die Nerven flatterten, und Guillory pflückte den Rest. "Wir haben uns selbst geschlagen", meinte Dede Dedede nach Abpfiff. "San Sebastian war nicht besser, nur cleverer. Und manchmal reicht das." Am Ende feierte das Publikum den Arbeitssieg wie einen Titel. Derksen winkte in die Kurve, Calderon ließ sich feiern, und die Spieler tanzten ausgelassen - obwohl es "nur" drei Punkte waren. Fazit: Ein Spiel mit überschaubarer Ästhetik, aber maximalem Unterhaltungswert. San Sebastian schießt einmal aufs Tor und gewinnt, Santa Eulalia schießt neunmal und bleibt torlos. Der Fußballgott hatte Humor an diesem Abend - und er trug eindeutig ein blau-weißes Trikot. Oder, wie es der junge Busquets mit jugendlicher Unbekümmertheit zusammenfasste: "Ich hab einfach gepasst. Der Rest war Glück. Aber gutes Glück." 18.07.643993 23:05 |
Sprücheklopfer
Hoch gwinnen wern ma nimma.
Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)