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Es war ein frostiger Freitagabend in Olmütz, und die 12.500 Zuschauer im Andrův-Stadion dürften sich spätestens nach 20 Minuten gewünscht haben, sie hätten lieber den Glühweinstand nie verlassen. Denn was der FC Bystrc-Kninicky beim 3:0 (1:0) gegen Signa Olmütz veranstaltete, war weniger ein Fußballspiel als eine einseitige Demonstration. Schon in der vierten Minute donnerte Karel Dostalek den Ball erstmals auf das Tor - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte: 23 Torschüsse der Gäste, ganze einer der Hausherren. "Wenn du so viel schießt, muss irgendwann was rein", grinste Bystrcs Trainer Carsten Achenbach nach der Partie, und man hätte meinen können, er habe das Spiel mit einem Joystick gesteuert. In der 30. Minute durfte Jerome Simard den Torreigen eröffnen. Der 33-jährige Mittelfeldstratege stahl sich in den Rückraum und schob den Ball mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes ein, der schon beim Warmmachen wusste, dass heute was geht. Der anschließende Jubel war eher nordisch unterkühlt - passend zum Wetter. "Ich wollte mir keine Zerrung holen beim Feiern", witzelte Simard später. Olmütz dagegen wirkte, als hätte man ihnen die Akkus vor dem Anpfiff ausgebaut. Der Ballbesitz lag mit 46 Prozent noch im erträglichen Bereich, aber die Effektivität - oder besser: deren Abwesenheit - war erschütternd. Nur ein einziger Schuss aufs Tor, und der kam in der Nachspielzeit von Pavel Rosicky, einem 19-jährigen, der wenigstens so tat, als wolle er noch was ändern. Nach der Pause machte Bystrc einfach da weiter, wo sie aufgehört hatten. In der 62. Minute war es Hermanni Pasanen, der nach Vorlage von Karel Jarolim - ja, einem Innenverteidiger! - das 2:0 erzielte. "Ich hab eigentlich nur den Fuß hingehalten", meinte Pasanen bescheiden, während Jarolim lachend ergänzte: "Wenn ich schon vorne bin, dann muss was passieren." Zwischenzeitlich sorgte Mikael Kraft für etwas Dramatik: Erst Gelb (60.), dann Gelb-Rot (67.). Ein Klassiker des gepflegten Übermuts. Achenbach nahm es sportlich: "Mikael wollte wohl testen, ob wir auch zu zehnt besser sind - und siehe da, wir waren’s." Denn selbst in Unterzahl blieb Bystrc das deutlich gefährlichere Team. In der 80. Minute schnürte Pasanen seinen Doppelpack, diesmal nach feinem Zuspiel von Zoran Divic. Ein Schuss, trocken und präzise, direkt neben den Pfosten - Torhüter Miroslav Abraham flog, aber eher aus Pflichtgefühl. Die letzten Minuten plätscherten dahin, Olmütz versuchte es mit etwas mehr Einsatz, doch der Abend war längst entschieden. Trainer Achenbach ließ seine Mannschaft nach Abpfiff in einer kleinen Runde feiern, während auf der anderen Seite betretene Gesichter dominierten. Ein resignierter Juergen Moll, der 48-jährige Mittelfeld-Veteran der Olmützer, fasste das Debakel mit bitterem Humor zusammen: "Wir wollten kontrolliert spielen - das hat funktioniert, nur leider hat Bystrc kontrolliert." Sein Trainer, dessen Name lieber ungenannt bleiben möchte, murmelte in die Reportermikrofone: "Wir waren in jedem Zweikampf einen Schritt zu spät - vielleicht lag’s an der Kälte." Die Statistik sprach Bände: 23:1 Torschüsse, 60 Prozent Zweikampfquote für die Gäste, und eine Passsicherheit, die phasenweise an Trainingsspielcharakter erinnerte. Während Bystrc taktisch offensiv, aber diszipliniert agierte, blieb Olmütz im "ausgewogenen" Modus gefangen - so ausgewogen, dass kaum Bewegung nach vorn entstand. Nach Schlusspfiff skandierten die mitgereisten Bystrc-Fans den Namen ihres Doppeltorschützen Pasanen, der sich artig bedankte: "Ich hoffe, sie bleiben laut - nächste Woche brauchen wir sie wieder." Und Olmütz? Sie gehen mit einer Menge Fragen in die Trainingswoche. Vielleicht stellt sich eine davon so: Wie kann man ein Heimspiel verlieren, ohne je wirklich anwesend gewesen zu sein? Ein Olmützer Fan auf der Tribüne brachte es sarkastisch auf den Punkt: "Wir haben wenigstens nicht gefroren - vor Scham wird einem ja warm." Ein kalter Abend für Signa Olmütz, ein heißer Lauf für den FC Bystrc-Kninicky - und ein Spiel, das zeigt: Manchmal ist Fußball eben ganz einfach. Wer öfter aufs Tor schießt, gewinnt. 20.07.643987 23:48 |
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