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Manche Spiele beginnen mit einem Paukenschlag - und andere mit einem Donnerschlag in der vierten Minute. Der Samstagabend in Ostrava gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. 16.000 Zuschauer im Stadion von FC Vitkovice hatten sich gerade noch die Schals umgelegt, da zappelte der Ball schon im Netz: Lucas Lansbury, ausgerechnet der Rechtsverteidiger des FC Bystrc-Kninicky, donnerte das Leder aus vollem Lauf ins Eck - Vorlage von Luca Beck, der wohl selbst nicht ganz wusste, ob das ein Pass oder ein Schussversuch war. 1:0 für die Gäste, und die Heimmannschaft wirkte, als hätte sie den Anpfiff verpasst. "Wir waren noch in der Aufwärmphase", knurrte Vitkovice-Kapitän Pedro Goncalves nach dem Spiel. "Leider lief da schon das Spiel." Das tat es in der Tat. Denn Bystrc-Kninicky ließ nicht locker. In der 32. Minute war es August Brun, der nach feiner Vorarbeit von Joshua Malfoy - ja, der Name ist echt - zum 2:0 einschob. Ein Treffer, der so elegant war, dass selbst die Heimfans kurz höflich klatschten. Während Vitkovice sich an drei Schüsse aufs Tor mühte, feuerte der Gast gleich 23 Mal. Der Unterschied: Bystrc wollte das Tor, Vitkovice wollte den Ball behalten - zumindest zu 47 Prozent der Zeit. Trainer Carsten Achenbach hatte seine Jungs von Beginn an offensiv eingestellt, aggressiv, aber nicht überdreht. "Wir wollten früh zeigen, dass wir hier nicht zum Sightseeing gekommen sind", grinste er später und fügte an: "Und wenn ein Rechtsverteidiger trifft, weißt du, dass der Plan funktioniert." Auf der anderen Seite stand ein ratloser Heimtrainer, dessen Name an diesem Abend besser ungenannt bleibt. Er versuchte es mit Balance und Geduld - zwei Tugenden, die im Fußball gern mit "Abwarten und verlieren" übersetzt werden. Seine Mannschaft versuchte, Ruhe ins Spiel zu bringen, aber Bystrc-Kninicky hatte andere Pläne. Nach der Pause tat sich Vitkovice kurz hervor: Ondrej Dvorak prüfte in der 50. Minute den Gästetorhüter Lewis Giles mit einem strammen Schuss, doch der Keeper parierte sicher. Es war der letzte Moment, in dem das Publikum so etwas wie Hoffnung spürte. Dann folgte der endgültige Knock-out: In der 70. Minute machte Santiago Aznar nach einem butterweichen Zuspiel von Kristofer Gulbrandsen das 3:0. Der rechte Flügelstürmer traf aus spitzem Winkel - und jubelte, als hätte er soeben die Meisterschaft entschieden. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Aznar lachend. "Der Ball wollte rein, da konnte ich ihm schlecht widersprechen." Ab da war der Widerstand gebrochen - und kurz darauf auch die Geduld von Joseph Heighway. Der linke Verteidiger Vitkovices hatte schon Gelb gesehen, als er in der 75. Minute einen Konter rustikal stoppte. Gelb-Rot, Abgang. Sein Weg in die Kabine war länger als seine Laufleistung an diesem Abend. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", murmelte er später, halb entschuldigend. Bystrc-Kninicky spielte die Partie herunter, als hätten sie plötzlich Mitleid - oder einfach genug getan. Selbst als Rolando Maiera und Benjamin Marley nach Gelben Karten kurzzeitig die Aggressivität übertrieben, blieb das Spiel klar in Gästeregie. Die Statistik sprach ohnehin Bände: 23:3 Torschüsse, 57 Prozent Zweikampfquote, 52,8 Prozent Ballbesitz. Die Fans von Vitkovice verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus - vielleicht eher Erleichterung, dass es nicht schlimmer kam. In einer Ecke des Stadions rief ein kleiner Junge seinem Vater zu: "Papa, wann schießen wir mal?" Der Vater antwortete trocken: "Wenn der Gegner uns wieder den Ball gibt." Carsten Achenbach zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden: "Das war kein Zauberfußball, aber ehrlicher Fußball. Und ehrlich gesagt: So spielt man auswärts." Für Vitkovice hingegen heißt es: Wunden lecken, Karten zählen, neu sortieren. Die Taktik der Ausgewogenheit erwies sich gegen einen Gegner, der lieber stürmt, als zu warten, als riskante Idee. Am Ende stand ein 0:3, das deutlich war und trotzdem schmeichelhaft. "Manchmal", so meinte Bystrcs Mittelfeldmotor Carlos Fernandes mit einem Augenzwinkern, "muss man einfach öfter aufs Tor schießen, wenn man gewinnen will. Klingt banal, funktioniert aber erstaunlich gut." Wenn das so weitergeht, könnte Bystrc-Kninicky bald mehr als nur ein Geheimtipp sein. Und Vitkovice? Die werden sich wünschen, dass die nächste Partie etwas später anfängt - damit sie diesmal rechtzeitig aufwachen. *Kommentar am Rande: Wer in 90 Minuten ganze drei Schüsse aufs Tor bringt, darf sich nicht wundern, wenn der Gegner schon beim Einlaufen führt. Aber hey - immerhin war das Flutlicht schön hell.* 23.10.643987 22:05 |
Sprücheklopfer
Statistiken, Statistiken, für Statistiken habe ich mich schon früher nicht interessiert. Statistiken sind dafür da, um gebrochen zu werden.
Matthias Sammer