// Startseite
| Sportovni Noviny |
| +++ Sportzeitung für Tschechien +++ |
|
|
|
Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 16.000 Zuschauer und ein Heimteam, das sich nach 90 Minuten am liebsten unter der Tribüne versteckt hätte: Usti Labem verlor am 20. Spieltag der 1. Liga Tschechien mit 0:3 gegen den FC Bystrc-Kninicky - und das Ergebnis war noch das Freundlichste, was man über diesen Auftritt sagen kann. Von Beginn an machten die Gäste klar, dass sie keine lange Eingewöhnungsphase planten. Schon nach fünf Minuten prüfte Jerome Simard mit einem wuchtigen Schuss die Handschuhe des jungen Torwarts Zbynek Fort. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber dann kam er wieder rein - nur leider nicht ins Tor", scherzte Simard nach dem Spiel. Es war der Auftakt zu einem 90-minütigen Sturmlauf der Gäste. Bystrc-Kninicky schoss insgesamt 17-mal aufs Tor, Usti brachte es gerade mal auf vier Versuche. Und während die Gastgeber mit 48 Prozent Ballbesitz versuchten, Ordnung zu bewahren, spielten die Gäste einfach Fußball. In der 19. Minute war es dann so weit: Karel Dostalek, 22 Jahre jung und eiskalt wie ein nordischer Winter, verwandelte nach Pass von Simard zum 0:1. Usti wirkte überrascht - und das, obwohl der Treffer sich längst angekündigt hatte. Trainer Carsten Achenbach von Bystrc-Kninicky grinste später zufrieden: "Wir wollten früh Druck machen. Dass wir gleich so konsequent auftreten, freut mich. Die Jungs haben’s verstanden: Tore zählen mehr als Ballbesitz." Währenddessen rief man sich auf der Heimtrainerbank verzweifelt zu: "Bleibt ruhig, Jungs, wir sind noch im Spiel!" - eine Durchhalteparole, die schon zehn Minuten später hohl klang. In der 35. Minute erhöhte Hermanni Pasanen nach glänzender Vorarbeit von Eric Marceau auf 0:2. Usti-Goalie Fort war noch dran, aber der Ball rutschte über die Linie. Pasanen jubelte mit einem breiten Grinsen, während ein genervter Zuschauer auf der Tribüne rief: "Wechselt doch den ganzen Sturm aus!" Die Halbzeitpause kam für Usti wie eine Erlösung. Doch wer auf eine Kehrtwende hoffte, wartete vergeblich. Bystrc spielte weiter nach vorne, ruhig, abgeklärt und mit einer Prise Überheblichkeit, die man sich an diesem Abend leisten durfte. Dostalek, Pasanen und Marceau zauberten in der Offensive, als hätten sie nie etwas anderes getan. Usti hingegen kämpfte mehr mit sich selbst als mit dem Gegner. Civan Topuz bekam in der 68. Minute noch die Gelbe Karte - sinnbildlich für einen Abend, an dem Frust und Foul Hand in Hand gingen. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch leben", erklärte der Stürmer danach mit einem bitteren Lächeln. In der 84. Minute setzte Eric Marceau den Schlusspunkt. Nach einem Durcheinander im Strafraum stand er goldrichtig und drosch den Ball humorlos unter die Latte. 0:3 - und das Stadion wurde still. Nur die rund 500 mitgereisten Fans aus Bystrc sangen weiter, als sei gerade der Klassenerhalt perfekt gemacht worden. "Der Unterschied war die Effizienz", analysierte Usti-Kapitän Philippe Crichton später mit bemerkenswerter Gelassenheit. "Wir hatten Momente - aber sie hatten Tore." Trainer Achenbach sah das naturgemäß anders: "Wenn man so dominant auftritt, darf man auch mal feiern. Ich hab den Jungs gesagt: Heute gönnt euch was. Morgen wird wieder gelaufen." Statistisch war das Spiel eindeutig: 55,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 51,6 Prozent Ballbesitz und fast fünfmal so viele Torschüsse - Bystrc-Kninicky war in jeder Hinsicht überlegen. Selbst in den taktischen Momentaufnahmen blieb ihre Ausrichtung konstant offensiv. Aggressiv, aber kontrolliert, und stets gefährlich. Usti Labem dagegen wirkte, trotz offensiver Grundordnung, harmlos. Kein Pressing, kein Risiko, kein Ertrag. "Wir wollten offensiv spielen", murmelte ein Assistent nach Abpfiff, "aber irgendwie hat das niemand gemerkt." Als die Spieler schließlich vom Platz schlichen, applaudierten die Fans trotzdem - aus Mitleid oder aus Hoffnung, das blieb unklar. Nur einer klatschte mit echter Begeisterung: ein kleiner Junge im Dostalek-Trikot, der wohl ahnte, dass er gerade den Aufstieg eines neuen Torjägers gesehen hatte. Am Ende blieb ein klares 0:3, das in Wahrheit noch deutlicher hätte ausfallen können. Bystrc-Kninicky spielte erwachsen, Usti Labem kindlich naiv. Und während Achenbachs Männer in der Kabine lautstark feierten, hörte man aus der anderen Ecke nur das leise Zischen einer geöffneten Wasserflasche - vielleicht das stillste Geräusch eines lauten Abends. Ein Reporter-Fazit? Usti Labem hat viel vor, aber wenig geliefert. Bystrc-Kninicky dagegen hat gezeigt, dass man mit Mut, Präzision und einem Schuss Ironie auch auswärts Spaß haben kann. Und wer 17-mal aufs Tor schießt, darf am Ende ruhig sagen: Das war kein Zufall, das war Absicht. 07.09.643987 23:03 |
Sprücheklopfer
Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei