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Wenn ein Fußballspiel zum Lehrfilm über Offensive wird, dann war der Samstagabend in Bystrc Pflichtprogramm. Der FC Bystrc-Kninicky fegte Sparta Pilsen mit 7:0 (3:0) vom Platz, und 28.745 Zuschauer rieben sich ab der 20. Minute ungläubig die Augen. Trainer Carsten Achenbach grinste später: "Wir wollten mutig sein - dass es gleich so eskaliert, war nicht der Plan." Bereits nach 19 Minuten begann das Unheil für die Gäste. Eric Marceau, sonst eher der Taktgeber im Mittelfeld, nahm einen Rückpass von Adriano Moutinho mit der Brust an und zog trocken ab - 1:0. Ein Schuss so präzise, dass Torhüter Jan Danek wohl bis heute nicht weiß, ob er wirklich passiert ist. Nur zwei Minuten später folgte der nächste Streich: Luca Beck nutzte einen Abpraller, den man getrost als "Goldgeschenk" bezeichnen durfte, und schob locker ein. Sparta Pilsen versuchte in der Folge, die Ordnung zu finden, die sie offenbar zu Hause in der Kabine vergessen hatten. Ein einziger Torschuss bis zur Pause - notiert in der Statistik, aber kaum erinnerungswürdig. Ganz anders Bystrc: In der 34. Minute krönte Marceau seine Gala mit einem zweiten Treffer nach einem feinen Doppelpass mit Beck. Das 3:0 zur Halbzeit war schmeichelhaft für Pilsen. "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben", verriet Achenbach später mit einem Augenzwinkern. "Vielleicht hätten sie mich wörtlicher nehmen sollen - sie haben die Pilsener regelrecht verspielt." Nach dem Seitenwechsel wurde es dann endgültig absurd. Gerade zwei Minuten waren gespielt, da durfte Rolando Maiera nach feinem Zuspiel von Zoran Divic einschieben. 4:0. Sparta-Trainer Hamudi Salman stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und murmelte etwas, das entfernt nach "Das kann doch nicht wahr sein" klang. Bystrc kombinierte weiter, als gäbe es Bonuspunkte für Zauberpässe. In der 55. Minute war es erneut Maiera, diesmal nach Flanke von Moutinho - 5:0. Der Jubel war fast schon verlegen, als wüssten die Spieler selbst, dass sie gerade Zeugen eines kleinen historischen Abends wurden. Nur einmal geriet das Publikum außer Tritt: Als Rechtsverteidiger Rafael Götz in der 63. Minute Gelb sah, applaudierte das Stadion ironisch. Acht Minuten später hatte Götz die Lacher endgültig auf seiner Seite - er stürmte nach vorn, bekam von Divic den Ball in den Lauf und drosch ihn humorlos in den Winkel. 6:0. Der rechte Verteidiger als Torschütze - das passte zum Abend, an dem alles möglich schien. Sparta? Zwei Torschüsse, beide harmlos. "Wir waren körperlich da, aber geistig auf einem anderen Platz", gab Kapitän Lubos Gedeon anschließend kleinlaut zu. "Nach dem vierten Tor haben wir aufgehört zu zählen." In der Nachspielzeit setzte Zoran Divic den Schlusspunkt. Nach Vorlage von Ole Arst zog der Regisseur aus 20 Metern ab, der Ball schlug flach im Netz ein - 7:0. Selbst die Balljungen klatschten. Die Statistik las sich wie ein schlechter Scherz: 23 Torschüsse für Bystrc, 2 für Sparta. Ballbesitz 54 zu 46 Prozent, Zweikampfquote 58 zu 42. Doch wer das Spiel sah, wusste: Diese Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Bystrc spielte nicht nur effizient, sondern mit einer Leichtigkeit, die an Straßenfußball erinnerte. "Ich habe irgendwann aufgehört, Kommandos zu geben", gestand Trainer Salman später. "Was soll man auch rufen, wenn der Gegner einfach alles richtig macht?" Während die Fans von Bystrc noch lange nach Abpfiff sangen, saß Achenbach auf der Bank und schüttelte den Kopf. "Wenn wir jetzt denken, wir sind unschlagbar, geht das nächste Spiel 0:1 aus." Sein Grinsen verriet aber, dass er diesen Abend genießen würde. Vielleicht war es kein perfektes Spiel - ein paar Fehlpässe gab es ja auch - aber es war der perfekte Abend für eine Mannschaft, die Fußball zelebrierte. Und für Sparta Pilsen? Ein Tag zum Vergessen, oder wie ein Reporter im Presseraum trocken meinte: "Manchmal verliert man, und manchmal wird man von Bystrc-Kninicky überfahren." Und als die Stadionlichter langsam erloschen, murmelte ein Fan im Ausgang: "Wenn die so weitermachen, wird das keine Saison, sondern ein Kunstprojekt." - schwer zu widersprechen. 21.03.643990 11:58 |
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
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