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Wer am Samstagabend in der Doosan-Arena zu Pilsen auf ein enges Duell hoffte, bekam stattdessen eine einseitige Lehrstunde im Offensivfußball serviert. Der FC Bystrc-Kninicky, trainiert von Carsten Achenbach, fegte mit 3:0 über die heimische Sparta Pilsen hinweg - und das Ergebnis schmeichelt den Gastgebern noch. Schon nach wenigen Minuten war klar, wohin die Reise geht. Während Sparta mit "balancierter" Taktik und eher musealem Tempo agierte, spielte Bystrc, als stünde das Tor von Pilsen auf einem Jahrmarkt: "Schießen Sie jetzt, gewinnen Sie einen Plüschbären!" Ganze 26 Torschüsse feuerten die Gäste ab - eine beeindruckende Quote, wenn man bedenkt, dass Sparta in 90 Minuten gerade einmal einen Versuch zwischen die Pfosten brachte. In der 26. Minute belohnte sich Bystrc-Kninicky. Hermanni Pasanen, der rechte Flügelstürmer mit der Eleganz eines Eishockeyspielers, traf nach Vorlage von Kristofer Gulbrandsen. "Ich hab einfach draufgehalten, und plötzlich jubelten alle - das war ein gutes Zeichen", grinste Pasanen später. Der Treffer war verdient, ja überfällig. Nur elf Minuten später erhöhte der 22-jährige Karel Dostalek auf 2:0. Wieder war Zoran Divic der Architekt, der mit einem Pass durch die Gasse die pfeifende Heimabwehr in Standbilder verwandelte. "Ich hab gesehen, dass Karel startete, und dachte mir: Warum nicht?", sagte Divic nach dem Spiel lakonisch. Die 16.000 Zuschauer im Stadion begannen bereits zur Halbzeit, ihr Bier mit philosophischer Hingabe zu betrachten. Sparta-Trainer - dessen Name in den offiziellen Daten fehlt, vielleicht wollte er anonym bleiben - schien ratlos. Die Statistik sprach Bände: 49 Prozent Ballbesitz, aber kaum Offensivaktionen. "Wir wollten geduldig spielen", murmelte ein Spieler von Pilsen nach dem Abpfiff. "Geduldig?", fragte ein Journalist nach. "Ja, sehr geduldig. Vielleicht zu geduldig." Nach der Pause ging es munter weiter - für Bystrc. In der 50. Minute schnürte Dostalek seinen Doppelpack, wieder nach glänzender Vorarbeit von Divic. Der Jungstürmer jubelte mit ausgestreckten Armen, während Torwart Jan Danek in sich zusammensackte, als wolle er in den Rasen eintauchen. Das 0:3 war die endgültige Entscheidung in einem Spiel, das längst entschieden war. Bystrc schaltete danach zwei Gänge zurück, auch wenn sie weiter Chancen im Minutentakt kreierten. Von der 52. bis zur 90. Minute notierten die Statistiker weitere zehn Torschüsse. Der eingewechselte Jason Krauss prüfte in der 66. Minute Danek, ehe er später verletzt vom Platz humpelte - ein kleiner Wermutstropfen in einem ansonsten glänzenden Abend. Sparta Pilsen fiel derweil vor allem durch zwei Gelbe Karten in der Schlussphase auf. Miroslav Kopic (81.) und Kosmas Damanakis (86.) zeigten zumindest, dass Emotionen vorhanden waren. "Manchmal ist eine Grätsche die ehrlichste Form der Frustrationsbewältigung", kommentierte ein Fan trocken von der Tribüne. Trainer Achenbach, der ruhige Stratege am Bystrc-Bankende, blieb nach dem Spiel gewohnt gelassen: "Wir haben offensiv gespielt, weil das unser Stil ist. Ich denke, man hat gesehen, dass wir Spaß hatten." Auf die Frage, ob er ein Lob für seinen Doppeltorschützen habe, antwortete er: "Karel hat einen guten Abend erwischt. Aber nächste Woche gilt’s wieder bei null." Spartas Torwart Danek dagegen wirkte, als wolle er den Boden unter sich aufklappen. "Wenn man 26 Schüsse bekommt, wird’s statistisch irgendwann eng", seufzte er. Mehr als einmal rettete er mit glänzenden Paraden, doch seine Vorderleute ließen ihn im Stich. Am Ende blieb das Gefühl, dass zwei Welten aufeinandertrafen: hier die strukturlosen Gastgeber, dort ein Team, das Fußball spielte wie aus einem Guss. Bystrc-Kninicky kombinierte, presste punktuell, und selbst als Achenbach zur Pause drei Mal wechselte, blieb der Rhythmus ungebrochen. Die Ersatzspieler fügten sich nahtlos ein - ein Zeichen funktionierender Automatismen. Und Sparta? Nun, ihre Fans werden sich an diesen Januarabend wohl nicht gern erinnern. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass es kaum schlechter laufen kann. "Wir werden das analysieren", versprach ein Spieler mit ernster Miene. "Und dann?", fragte ein Reporter. "Dann hoffen wir auf Schnee, damit das nächste Spiel abgesagt wird." Ein sarkastisches Lächeln huschte über die Gesichter der Journalisten. Fußball kann grausam sein - aber selten war er so einseitig schön wie an diesem 14. Spieltag in Pilsen. 18.06.643987 14:42 |
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Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.
Berti Vogts