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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die man sich in der Redaktion nicht schöner ausdenken könnte. 16.000 Zuschauer in Opava sahen am Samstagabend ein Spiel, das mit einem leisen Grollen begann und in ein blau-weißes Feuerwerk mündete: Der FC Bystrc-Kninicky gewann beim SK Opava mit 4:1 - und das, obwohl die Gäste die letzte Viertelstunde in Unterzahl spielten. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass die Gäste aus Brünn an diesem 30. Spieltag der 1. Liga Tschechien gekommen waren, um nicht nur mitzuspielen. Karel Dostalek prüfte in der 9. Minute erstmals den Opava-Keeper Paulo Ferreira. Drei Minuten später wieder - und noch einmal in der 16. Minute. Wer so oft schießt, hat entweder Zielwasser getrunken oder schlicht keine Geduld. "Der Trainer hat gesagt, wir sollen mutig sein", grinste Dostalek nach dem Spiel. "Also hab ich’s wörtlich genommen." In der 33. Minute wurde Bystrcs Mut belohnt. Gianmarco Morabito, der quirlig-schnelle Rechtsaußen, zog nach innen, bekam den Ball von Kristofer Gulbrandsen und nagelte das Leder humorlos ins lange Eck. 0:1 - und die Heimfans begannen, sich nervös auf den Sitzen zu räkeln. SK Opava hatte zwar mit 53 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber es war ein Ballbesitz ohne Biss. Die Gastgeber kombinierten sich hübsch bis zum Strafraum, wo dann die Ideen endeten - oder die Beine von Claude Carrier dazwischenfuhren. Trainer Carsten Achenbach von Bystrc-Kninicky kommentierte trocken: "Wir haben ihnen den Ball gelassen. Das war Teil des Plans. Sie wissen nur nichts davon." Nach der Pause kam Opava entschlossen aus der Kabine, doch die kalte Dusche folgte prompt. In der 53. Minute war es Jason Krauss, der nach einem Abpraller am schnellsten reagierte und aus kurzer Distanz zum 0:2 einschob. Der Jubel der Gäste klang selbstbewusst - und ein bisschen hämisch. Doch Opava gab sich nicht kampflos geschlagen. In der 67. Minute fasste sich Lionel Bischoff ein Herz, zog von rechts nach innen und traf nach Zuspiel von Samuel Yeates sehenswert zum 1:2. Das Stadion bebte, plötzlich roch es nach Aufholjagd. "Da dachte ich kurz, jetzt kippt’s vielleicht", gab Achenbach später zu. Nur zwei Minuten später allerdings sah Christoffer Ahmed Gelb-Rot, nachdem er zuvor schon verwarnt worden war. Ein Aufreger, der Opava Mut machte - und Bystrc-Kninicky offenbar zusätzlich anstachelte. Denn statt einzubrechen, legten die Gäste nach: In der 79. Minute setzte sich Dostalek nach Vorarbeit von Linksverteidiger Filippos Mitroglou kraftvoll durch und schob zum 1:3 ein. "Ich hab einfach weitergespielt, als ob wir elf wären", sagte Dostalek und zuckte die Schultern. "Vielleicht war das gar nicht so schlecht." Als Opava in der Nachspielzeit alles nach vorne warf, konterte Bystrc eiskalt. Wieder Krauss, wieder eiskalt - 91. Minute, 1:4. Gulbrandsen hatte den Pass gegeben, und Krauss verabschiedete sich mit einem Lächeln in die Arme seiner Mitspieler. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 18 Torschüsse für Bystrc-Kninicky, nur 7 für Opava. Die Hausherren liefen viel, aber selten in die richtige Richtung. Gyula Soos steuerte immerhin eine Gelbe Karte und einen gefährlichen Kopfball bei - sinnbildlich für einen Abend, an dem Einsatz den Unterschied machte, nicht Ästhetik. "Wir haben die Basics vergessen", knurrte ein sichtlich bedienter Opava-Spieler Aaron Townsend nach Schlusspfiff. "Die haben uns einfach überlaufen." Achenbach indes grinste breit, als er auf die Rote Karte angesprochen wurde: "Wir wurden weniger, aber irgendwie mehr." So endete ein Abend, an dem Bystrc-Kninicky mit taktischer Klarheit und kalter Effizienz brillierte, während Opava seine Chancen in Schönheit sterben ließ. Der Heimtrainer verschwand übrigens kommentarlos im Spielertunnel - vermutlich, um den Ballbesitz zu zählen. Ein kleiner Trost für Opava: Das Flutlicht funktionierte tadellos. Alles andere war an diesem Abend eher finster. 01.01.643988 10:31 |
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Ich bin giftiger als die giftigste Kobra.
Jürgen Wegmann