Sportovni Noviny
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Bystrc-Kninicky tanzt Olomouc aus - ein Abend voller Spielfreude und trockener Sprüche

Manchmal genügen zwei Tore, um 29.921 Menschen glücklich zu machen - jedenfalls jene mit blau-weißen Schals. Der FC Bystrc-Kninicky besiegte am 27. Spieltag der 1. Liga Tschechien den FC Olomouc mit 2:0 (1:0) und spielte dabei so befreit auf, als hätte Trainer Carsten Achenbach vor dem Anpfiff die Spielfreude höchstpersönlich in die Trinkflaschen gefüllt.

Schon in der 9. Minute bebte das Stadion. Zoran Divic, der heimliche Dirigent im Mittelfeld, nahm einen Pass von Jerome Simard auf, tanzte zwei Verteidiger aus und drosch den Ball ins rechte Eck - 1:0! "Ich wollte eigentlich querlegen", gab Divic später zu, "aber der Ball hat sich wohl für den direkteren Weg entschieden." Trainer Achenbach grinste dazu nur: "Endlich hört mal einer auf den Ball und nicht auf mich."

Olomouc wirkte von diesem frühen Nadelstich überrascht, ja fast beleidigt. Zwar hielten sie mit knapp 48 Prozent Ballbesitz ordentlich dagegen, doch gefährlich wurde es selten. Ganze vier Torschüsse brachte das Team zustande - vier! Wenn das eine Bewerbung für den Titel "effizienteste Mannschaft" sein sollte, dann war sie humoristisch gemeint. Bystrc hingegen feuerte, als gäbe es einen Preis für den schönsten Fehlschuss: 22 Abschlüsse, zwei Treffer - und jede Menge Szenen für das Highlight-Video.

Ein Beispiel: In der 28. Minute versuchte Rechtsverteidiger Marko Riihilahti, den Ball aus 30 Metern unter die Latte zu zirkeln. Ergebnis: Der Ball landete auf der Tribüne, die Zuschauer applaudierten trotzdem. "Ich wollte unsere Fans ein bisschen aufwärmen", witzelte der Finne später.

Kurz vor der Pause dann gleich drei Wechsel bei Bystrc - Achenbach schien den eigenen Spielern eine Denkaufgabe stellen zu wollen. Jason Krauss kam für Ole Arst, Santiago Aznar für Rolando Maiera, und Benjamin Marley ersetzte Rafael Götz. "Wir mussten frischen Wind bringen", erklärte der Coach. "Und außerdem hatte ich das Gefühl, Ole wollte heute den Ball lieber sammeln als schießen."

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte - mit Bystrc am Drücker. In der 52. Minute sah der junge Tomas Bejbl Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass der Ball und nicht der Gegner das Ziel ist. Wenig später, in der 58. Minute, fiel die Entscheidung: Wieder war Simard der Ausgangspunkt, wieder kam der Pass im richtigen Moment, diesmal auf Jason Krauss. Der nahm Maß, schlenzte, und das Netz zitterte - 2:0! "Ich hab’ einfach die Augen zugemacht", lachte Krauss später. "Vielleicht sollte ich das öfter tun."

Olomouc versuchte danach, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen. Miroslav Plisek prüfte Torwart Lewis Giles in der 88. Minute mit einem satten Schuss, doch der Keeper parierte sicher - und hob danach lässig den Daumen Richtung Tribüne. "Das war der erste Ball, den ich anfassen durfte", grinste Giles im Interview.

Bystrc-Kninicky blieb offensiv bis zum Schluss, auch wenn der Einsatz zum Ende hin etwas nachließ. Das Team dominierte mit 56 Prozent gewonnener Zweikämpfe und spielte, als wolle es die 52 Prozent Ballbesitz wie eine Trophäe feiern. Achenbachs offensive Ausrichtung - riskant, aber kontrolliert - ging voll auf.

Nach Schlusspfiff tanzten einige Fans auf den Stufen, während Divic und Simard Arm in Arm in die Kabine verschwanden. "Jerome hat mir versprochen, beim nächsten Tor bin ich der Vorlagengeber", sagte Divic augenzwinkernd. "Mal sehen, ob ich ihm den Gefallen tue."

Olomouc-Trainer - dessen Namen man nach diesem Abend am liebsten vergessen möchte - zeigte sich indes gefasst: "Bystrc war heute einfach besser. Vielleicht hätten wir den Ball auch mal in Richtung Tor schießen sollen." Ein Satz, der in seiner Ehrlichkeit fast schon poetisch klang.

So endet ein Abend, an dem die Statistik so eindeutig war wie das Ergebnis: 22 Torschüsse zu 4, zwei Tore zu null, und ein Publikum, das schon in der 90. Minute "Wir woll’n die Dritte!" sang. Carsten Achenbach blieb bescheiden: "Ich bin zufrieden, aber meine Frau sagt, ich soll’s nicht übertreiben - morgen ist Müllabfuhr."

Ein Spiel, das zeigte, dass Fußball manchmal einfach schön sein darf - ohne Drama, ohne Skandal, aber mit einem Schuss Humor. Und mit einem Team, das derzeit aussieht, als hätte es begriffen, dass Tore eben doch schöner sind als Ballbesitzstatistiken.

27.11.643987 15:05
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