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Prag - Wer am 28. Spieltag der 1. Liga Tschechien auf einen ruhigen Winterabend gehofft hatte, wurde im Stadion von Meteor Prag eines Besseren belehrt. 26.112 Zuschauer sahen eine Partie, die so einseitig war wie ein Verkehrsschild: FC Bystrc-Kninicky siegte verdient mit 3:1 (1:1) - und das, obwohl der Ballbesitz fast gleich verteilt war. Der Unterschied lag schlicht darin, was man mit dem Ball anzufangen wusste. Bystrc-Coach Carsten Achenbach hatte seine Mannschaft klar offensiv eingestellt - und das merkte man vom Anpfiff an. Schon in der zweiten Minute prüfte Hermanni Pasanen den Prager Keeper Lubos Rosicky mit einem Schuss, der mehr nach Kampfsport aussah als nach Fußball. "Ich wollte ihm nur zeigen, dass wir heute keine Touristen sind", grinste Pasanen später. In der 16. Minute folgte der erste Streich: Adam Davonport, der an diesem Abend fast alles traf, was sich bewegte, traf nach Vorlage von Carlos Fernandes zum 0:1. Meteor-Prag-Trainer - der sich nach dem Spiel lieber gar nicht namentlich zitieren lassen wollte - raufte sich an der Seitenlinie die Haare, während Achenbach zufrieden in den kalten Prager Himmel blickte. Doch Meteor Prag, angetrieben vom lauffreudigen Refet Kaya, schlug in der 35. Minute zurück. Kaya selbst war es, der den Ball mit einem wuchtigen Schuss ins lange Eck drosch - 1:1, und plötzlich glaubten die Heimfans wieder an die Sterne. "Kurz dachte ich, wir hätten das Spiel im Griff", murmelte Kaya später, "aber dann kam Davonport wieder aus dem Nichts." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Bystrc im Vorwärtsgang, Meteor im Versuch, das Chaos zu ordnen. Der Ballbesitz - 50,0 zu 49,9 Prozent - täuschte über die Chancenverteilung hinweg. Während Meteor ganze sechs Schüsse auf das gegnerische Tor brachte, feuerte Bystrc unglaubliche 24-mal. Torhüter Rosicky hatte einen jener Abende, an denen man sich fragt, ob die Handschuhe vielleicht zu klein sind. In der 63. Minute war es wieder Davonport, der einen Abpraller aus kurzer Distanz verwertete - 1:2, diesmal ohne Vorlage, aber mit viel Wucht und wenig Gnade. Carsten Achenbach ballte an der Seitenlinie die Faust, als hätte er gerade persönlich einen Elfmeter versenkt. "Adam war heute einfach on fire", sagte der Trainer nach dem Spiel, "da konnte ich eigentlich nur noch zugucken und hoffen, dass er nicht überhitzt." Meteor Prag versuchte es in der Folge mit Kampf statt Glanz. Refet Kaya und Markus Peltonen kassierten Gelbe Karten - sinnbildlich für den zunehmenden Frust. "Ich hatte das Gefühl, wir spielen gegen zwölf Mann", knurrte Verteidiger Holek Grygera, "aber der zwölfte war einfach Davonports Schatten." In der 82. Minute folgte dann der endgültige Knock-out: Wieder Davonport, diesmal nach feiner Vorarbeit von Gianmarco Morabito, stellte auf 1:3. Ein Hattrick, der nicht nur die Prager Abwehr, sondern auch die Statistik sprengte. Drei Tore, neun Schüsse, 90 Minuten Dauerlauf - der Mann war ein Albtraum in Stutzen. Nach dem Schlusspfiff feierten die rund 300 mitgereisten Fans aus Bystrc ihren Helden. "Ich hätte ihn am liebsten direkt auf den Schultern rausgetragen", scherzte Kapitän Claude Carrier, "aber der Kerl wiegt mehr als unser Bus." Meteor dagegen schlich vom Platz, als wäre man gerade aus einem Science-Fiction-Film gefallen. Trainer Achenbach fasste das Geschehen trocken zusammen: "Wir haben einfach mehr aufs Tor geschossen - irgendwann musste einer rein. Oder drei." Die Zahlen stützten seine These: 24 zu 6 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das trotz zweier Gelber Karten in der ersten Halbzeit. Besonders bemerkenswert: Trotz seiner aggressiven Grundausrichtung spielte Bystrc diszipliniert und ließ sich auch durch die Verwarnungen von Mitroglou (26.) und Grossmann (37.) nicht aus dem Konzept bringen. Meteor Prag hingegen wirkte taktisch zwar "balanciert", wie es aus den Statistikblättern hieß, aber auf dem Rasen eher wie ein Jongleur mit zu vielen Bällen. Aitor Serna und Lukas Kolomaznik mühten sich redlich, kamen aber kaum zum Zug - ihre besten Szenen endeten in den sicheren Händen von Bystrc-Keeper Ivan Ivic, der das Spiel weitgehend als Zuschauer erlebte. Am Ende blieb den Pragern nur der Applaus der eigenen Fans - höflich, aber resigniert. Bystrc-Kninicky dagegen reist mit drei Punkten, einem Hattrick-Helden und einem breiten Grinsen zurück nach Hause. "Wenn wir so weiterspielen", meinte Achenbach zum Abschied, "dann brauchen wir bald eine größere Kabine - allein für Davonports Ego." Und Meteor Prag? Die werden sich wohl an den nächsten Trainingsplan halten müssen. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen trocken sagte: "Vielleicht sollten sie mal versuchen, auf das richtige Tor zu schießen." 09.12.643987 05:14 |
Sprücheklopfer
Sowohl als auch. Einer, der auf Abseits gespielt hat, hat gepennt.
Peter Neururer auf die Frage: 'Haben die da auf Abseits gespielt oder gepennt?'