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Wenn 32.935 Zuschauer an einem frostigen Januarabend ins Stadion von Fulnek strömen, dann erwartet man Leidenschaft, Drama - und vielleicht ein kleines Wunder. Stattdessen bekamen sie am 26. Spieltag der 1. Liga Tschechien ein Lehrstück in Sachen Effizienz serviert: Der FC Bystrc-Kninicky gewann mit 2:1 bei Fotbal Fulnek, das mehr Herz als Glück hatte. Das Spiel begann, wie es enden sollte - mit den Gästen am Drücker. Bereits in der 2. Minute prüfte August Brun den heimischen Keeper Teoman Bilgin per Flachschuss. Acht Minuten später durfte er jubeln: Nach feinem Zuspiel von Eric Marceau schob Brun in der 11. Minute überlegt ein. 1:0 für Bystrc, und die Hausherren schauten sich noch suchend an, wer eigentlich den Mittelkreis bewachen sollte. "Wir waren zu brav, fast höflich", knurrte Fulnek-Trainerin Anja Kaiser später. Bystrc spielte in dieser Phase fast schon gemütlich, ließ Ball und Gegner laufen. Mit 57 Prozent Ballbesitz und 21 Abschlüssen über die Partie hinweg war klar, wer hier den Ton angab. Fulnek dagegen rannte, kämpfte - und kassierte Gelb. Martin Hauser (37.) und Alberto Poli (40.) sahen die Karten nicht wegen übertriebener Härte, sondern aus purer Verzweiflung. Zur Halbzeit war Fulnek im Rückstand, aber immerhin noch im Spiel. In der Kabine, so verriet Kaiser, habe sie "ein paar deutliche Worte" gefunden. Offenbar wirkte es, denn kurz vor der Stundenmarke passierte das, was sie "den schönsten Moment meiner Trainerlaufbahn seit gestern" nannte. Kurt Trottier setzte sich auf der linken Seite durch, legte quer, und der 21-jährige Zbynek Svoboda drosch den Ball in der 59. Minute unter die Latte - 1:1! Das Stadion explodierte, die Fans sangen, und Fulnek roch plötzlich an der Sensation. Doch Fußball hat bekanntlich Humor - meist schwarzen. Nur drei Minuten später schlug Bystrc wieder zu. Der Routinier Joshua Malfoy, 33 Jahre alt und mit einem Passspiel so präzise wie ein Uhrwerk, traf nach erneuter Vorlage von Eric Marceau zum 2:1 (62.). Danach war die Luft raus. Fulnek wechselte gleich dreifach (60.): Billy Brady kam für Vasile Korsos, Bruno Peragon für Björn Schulte, Hugo Pauleta ersetzte Alberto Poli. Der Mut stand auf dem Platz - das Glück blieb in der Kabine. Peragon verletzte sich später (74.), während Bystrc weiter kontrolliert spielte, als würde es ein Trainingsspiel austragen. "Wir wussten, dass sie nach dem Ausgleich aufmachen würden", grinste Gästecoach Carsten Achenbach. "Da hilft es, wenn man alte Füchse wie Malfoy und Marceau im Mittelfeld hat. Die wissen, wann man zubeißen muss." Fulnek hatte durchaus Chancen: Trottier (66.), Brady (69.) und McGee (61.) prüften den gegnerischen Torwart Ivan Ivic, der aber an diesem Abend mehr Hände als Sorgen hatte. Am Ende stand die Statistik klar auf Seiten der Gäste - 21 Torschüsse gegen 11, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe, Pressing bis tief in die Nachspielzeit. "Wir haben viel investiert", meinte Svoboda nach dem Spiel, noch mit Rasen im Haar. "Aber manchmal ist der Ball einfach ein kleiner Verräter." Trainerin Kaiser sah das ähnlich, nur etwas nüchterner: "Wir sind jung, wir lernen. Heute war’s eine Lehrstunde in Geduld - und im schnellen Umschalten. Leider auf der falschen Seite." Bei Bystrc-Kninicky dagegen war die Stimmung entsprechend ausgelassen. August Brun, Torschütze zum 1:0, wurde nach seiner Auswechslung (45.) von Ersatzmann Sasa Juskic umarmt, als hätten die beiden gemeinsam Weltgeschichte geschrieben. "Ich habe ihm gesagt, er soll meinen Treffer würdig verteidigen", grinste Brun. Derweil notierte sich der Schiedsrichter noch eine letzte Gelbe für Nelio Gama (84.) - vermutlich mehr aus Routine als aus Notwendigkeit. Als der Abpfiff ertönte, blieb Fulnek stehen, als hätte man ihnen gerade den letzten Hoffnungsschimmer gestohlen. Bystrc-Kninicky jubelte mit der Gelassenheit einer Mannschaft, die weiß, dass sie an diesem Abend einfach reifer war. Am Ende bleibt ein 1:2, das klarer war, als es aussieht. Fulnek zeigte Charakter, Bystrc zeigte Klasse. Und irgendwo zwischen den beiden lag die Wahrheit - wahrscheinlich auf dem Fuß von Joshua Malfoy. Oder, wie ein alter Fan am Ausgang murmelte: "Fulnek spielt gut, aber Bystrc spielt erwachsen." Vielleicht war das das treffendste Fazit dieses Abends. 16.11.643987 00:42 |
Sprücheklopfer
Was soll man schon erwarten? Der hat früher immer Dynamo Ost-Berlin zum Titel gepfiffen.
Otto Rehhagel über einen Schiedsrichter