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Es war einer dieser Abende in Brünn, an denen das Thermometer zwar tief im Minus hing, aber das Spiel auf dem Rasen dafür umso heißer wurde. Vor 29.603 Zuschauern im kleinen, aber ohrenbetäubenden Stadion von Bystrc-Kninicky gewann der FC Bystrc-Kninicky am 23. Spieltag der 1. Liga Tschechien mit 3:0 gegen SK Benesov - ein Ergebnis, das erst in der zweiten Halbzeit seine Form fand. Trainer Carsten Achenbach, sonst ein Mann der trockenen Worte, grinste nach dem Abpfiff verschmitzt: "Wir haben in der Pause einfach beschlossen, das Tor auch mal zu treffen. Eine gewagte Taktik, ich weiß." Und tatsächlich - nach einer ersten Hälfte, in der Bystrc zwar 25 Mal aufs Tor schoss, aber offenbar nur selten dorthin, wo der Torhüter nicht stand, platzte der Knoten erst kurz nach Wiederanpfiff. In der 50. Minute war es Jason Krauss, der sich nach einer Flanke von Innenverteidiger Hermann Grossmann (!) im Strafraum durchsetzte und den Ball wuchtig unter die Latte hämmerte. Das Publikum tobte, und Krauss brüllte seine Freude in den frostigen Nachthimmel. "Ich wollte eigentlich querlegen, aber dann hab ich’s mir anders überlegt. Manchmal ist Egoismus eben die beste Teamentscheidung", erklärte er später mit einem Augenzwinkern. Benesov, bis dahin defensiv diszipliniert, schien von diesem Gegentreffer schockgefroren. Der Ballbesitz blieb mit 45 Prozent überschaubar, und das Angriffsspiel der Gäste war ungefähr so gefährlich wie ein nasser Wattebausch. Zu allem Überfluss musste ihr Linksaußen Libor Drsek schon nach 20 Minuten verletzt vom Platz - eine Szene, die selbst die Heimmannschaft kurz verstummen ließ. Sein Ersatz, Cristobal Godinez, konnte dem Spiel aber keinen neuen Impuls geben. Während Bystrc nach der Pause auf "Pressing an" umschaltete, blieb Benesov in der neutralen Zone gefangen. Der nächste Wirkungstreffer ließ nicht lange auf sich warten: In der 78. Minute vollendete Sasa Juskic eine sehenswerte Kombination über Gianmarco Morabito zum 2:0. Der Mittelstürmer drehte jubelnd ab, während Morabito ihm lachend hinterherlief: "Ich schwöre, ich wollte eigentlich selbst schießen - aber Sasa hat mich mit dem Blick eines hungrigen Wolfs angeschaut." Das war der Moment, in dem die Gäste endgültig einknickten. Nur wenige Minuten später folgte der finale Schlag: Wieder war es Jason Krauss, der in der 86. Minute nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Filippos Mitroglou das 3:0 markierte. Ein Tor, so sauber abgeschlossen, dass selbst der Schiedsrichter kurz klatschte - zumindest behaupteten das Augenzeugen auf der Haupttribüne. Benesov hingegen verabschiedete sich mit einer Gelben Karte für Pavel Rezek (70.) und einer Statistik, die man besser nicht rahmen sollte: fünf Torschüsse in 90 Minuten. Ihr Trainer, der nach dem Spiel mit leerem Blick in die Kälte starrte, murmelte nur: "Wir hatten einen Plan. Leider war der Ball anderer Meinung." Bystrc dagegen zeigte, warum sie in dieser Liga als launischer, aber brandgefährlicher Gegner gelten. 54 Prozent Ballbesitz, 25 Torschüsse - diesmal war die offensive Marschroute mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Besonders auffällig: das ständige Nachsetzen im zweiten Durchgang, das aggressive Pressing, das Benesov kaum Luft ließ. "Wir haben einfach gemerkt, dass sie müde werden", so Kapitän Claude Carrier. "Da musst du draufgehen wie beim letzten Stück Kuchen auf der Weihnachtsfeier." Als der Schlusspfiff ertönte, sang das Publikum im Chor, während Krauss und Juskic sich umarmten - zwei Torschützen, die an diesem Abend unterschiedlicher nicht hätten sein können: der eiskalte Vollstrecker und der verspielte Techniker. Trainer Achenbach fasste es zum Schluss trocken zusammen: "Drei Tore, drei Punkte, drei Gründe, morgen nicht zu trainieren." Und so verließ der FC Bystrc-Kninicky an diesem Januarabend das Spielfeld als verdienter Sieger - mit einem Lächeln, das selbst den tschechischen Winter ein wenig wärmer machte. Ein Spiel, das zeigte: Geduld ist keine Schwäche, sondern manchmal nur der Vorlauf für ein Feuerwerk. 12.10.643987 08:00 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel