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Es war kalt, es war laut, und es war ziemlich eindeutig. Am 17. Spieltag der 1. Liga Tschechien verwandelte der FC Bystrc-Kninicky sein Stadion in ein Festzelt der Spielfreude - und FK Letohrad durfte als höflicher Gast die Tore zählen. 4:0 hieß es am Ende vor 29.021 Zuschauern, die sich bei minus zwei Grad die Hände warmklatschten. Schon nach zehn Minuten war klar, wohin der Abend geht: Der flinke Norweger Ole Arst sprintete in den Strafraum, nahm eine butterweiche Flanke des 18-jährigen Tomas Bejbl volley - 1:0. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte selbst rein", grinste Arst später. Trainer Carsten Achenbach klopfte ihm an der Seitenlinie auf die Schulter und rief: "Das war nicht geplant, aber ich nehme es gern!" Letohrad, das sich in der Anfangsphase noch defensiv sortiert zeigte, wirkte nach dem Rückstand wie ein Schüler, der den Stundenplan verwechselt hat. Statt Mathematik gab’s Hochgeschwindigkeitsfußball. Die Gäste kamen in der 15. Minute durch Marc del Olmo zu einem zarten Lebenszeichen - ein Schuss, den Bystrc-Keeper Lewis Giles lässig mit einer Hand pflückte. Danach übernahm wieder der Gastgeber. In der 23. Minute dann der nächste Aufschrei: Linksverteidiger Pau Carreras, sonst eher Mann für die rustikale Grätsche, zog einfach mal ab. Wieder war Bejbl der Vorlagengeber. Der Ball zischte unhaltbar ins rechte Eck - 2:0. Carreras riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Pokal gewonnen. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später lachend zu, "aber wenn der Ball meint, er will ins Tor, soll er mal." Mit dieser Führung ging es in die Pause. Achenbach wechselte gleich dreifach - "weil ich’s kann", wie er süffisant erklärte. Unter anderem durfte der junge Rafael Götz für den erschöpften Marko Riihilahti ran. Auf Letohrad-Seite gab’s derweil Gelb für Innenverteidiger Jan Wagner, der in Minute 46 etwas zu deutlich zeigte, dass er den Ball doch gern behalten hätte. Nach der Pause versuchte Letohrad, das Spiel noch einmal zu öffnen. Doch Bystrc blieb gefährlich - 12:2 Torschüsse am Ende sprechen eine klare Sprache. Der Ballbesitz? 53 zu 47 Prozent. Nur auf der Anzeigetafel war’s noch deutlicher. In der 73. Minute belohnte sich schließlich der frisch gebackene Assist-König Bejbl selbst. Der 18-Jährige, der spielte, als wäre er schon zehn Jahre Stammkraft, verwandelte nach Vorarbeit von Routinier Carlos Fernandes eiskalt zum 3:0. "Ich hab nur das gemacht, was Carlos mir im Training hundertmal zeigt - diesmal hat’s halt funktioniert", sagte der Teenager schüchtern. Fernandes grinste: "Wenn er so weitermacht, spielt er bald für mich - nicht neben mir." Spätestens da war Letohrad erledigt. Die letzten 20 Minuten wurden zu einer Art Trainingsspiel mit Publikum. Und als der Uhrzeiger die 79. Minute erreichte, durfte auch Kristofer Gulbrandsen ran: Nach feinem Zuspiel von Fernandes schob der 33-jährige Flügelspieler lässig ein - 4:0. Es war der krönende Abschluss eines Abends, an dem alles passte. Achenbach zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Ich mag keine 4:0-Siege. Da fangen die Leute an, von Aufstieg zu reden." Sein Gegenüber, Letohrads Trainer - der Name blieb an diesem Abend so blass wie das Spiel seiner Mannschaft - wollte keine Ausreden suchen: "Bystrc war schneller, klüger, einfach besser. Wir haben das Lehrgeld gezahlt." Die Statistik tat ihr Übriges: Zwölf Schüsse aufs Tor für Bystrc, zwei für Letohrad, Tacklingquote 58 zu 42, und ein Publikum, das spätestens beim dritten Tor aufstand, um zu tanzen. Selbst der Stadionsprecher vergaß kurz, das Ergebnis zu wiederholen - so sehr schien er selbst überrascht von der Spielfreude seiner Mannschaft. Der Winterabend in Bystrc endete mit Scheinwerferlicht, Applaus und einem Trainer, der grinsend in die Kabine verschwand. "Die Jungs sollen sich nicht zu sehr freuen", sagte Achenbach noch über die Schulter. "Nächste Woche kommt der Tabellenführer. Dann wird’s ernst." Aber für diesen Abend war alles erlaubt - Jubel, Spott und ein bisschen Stolz. Denn so leichtfüßig, so humorvoll und so torhungrig hat man den FC Bystrc-Kninicky schon lange nicht mehr gesehen. Und wer weiß: Vielleicht war dieser 4:0-Sieg der Anfang von etwas, das in Bystrc bald Legendenstatus hat. 23.07.643987 13:33 |
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Ich habe es mir sehr genau überlegt und dann spontan zugesagt.
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