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Es war einer jener Abende, an denen man sich fragt, ob im Stadion von SK Hlavice heimlich ein Drehbuchautor mitgeschrieben hat. 32.799 Zuschauer sahen beim 12. Spieltag der 1. Liga Tschechien ein Fußballspiel, das nach 45 Minuten entschieden schien - und sich dann in ein kleines Drama verwandelte. Am Ende stand ein 2:3, das FC Bystrc-Kninicky wohl noch lange erzählen wird. Anstoß war um 20:30 Uhr, und Hlavice legte los, als hätte Trainer Egon Tor seine Jungs mit doppeltem Espresso auf den Platz geschickt. Bereits in der 19. Minute zappelte der Ball im Netz: Jakub Kincl, der rechte Mittelfeldmotor, hielt einfach mal drauf - und die Fans jubelten, als wäre der Klassenerhalt schon sicher. "Ich hab den Ball gar nicht richtig getroffen", grinste Kincl später, "aber drin ist drin." Bystrc-Kninicky wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Team, das den Bus zum Spiel verpasst hatte. Ein gelber Karton für Filippos Mitroglou nach 17 Minuten ließ erahnen, dass die Nerven dünn waren. Hlavice nutzte das: kurz vor der Pause erhöhte Patrik Chlup auf 2:0 (44.). Ein sauberer Treffer, direkt aus dem Zentrum, und wieder war der Jubel ohrenbetäubend. Trainer Egon Tor brüllte an der Seitenlinie: "So spielt man Fußball, Jungs!" - man spürte, er meinte es ernst. Doch während Hlavice in der Kabine wohl schon den Sieg besang, schien Carsten Achenbach, Coach der Gäste, seinen Spielern eine andere Melodie beizubringen. "Ich habe gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens mit Anstand. Und dann meinten sie: Chef, Anstand reicht uns nicht", erzählte Achenbach augenzwinkernd nach dem Spiel. Die zweite Hälfte begann mit einem Wechsel: Adriano Moutinho kam für den verwarnten Mitroglou. Rückblickend ein Glücksgriff - denn Moutinho sollte später noch eine entscheidende Rolle spielen. Bystrc stellte auf aktives Pressing um, der Einsatz schien plötzlich verdoppelt. Hlavice, weiter offensiv, aber zunehmend fahrig, suchte den dritten Treffer - und fand stattdessen das Chaos. In der 70. Minute schlug August Brun zu. Nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Lucas Lansbury traf der Mittelstürmer zum 2:1. Nur neun Minuten später folgte der Ausgleich: Hermanni Pasanen, der bullige Finne auf der rechten Seite, traf nach Vorlage von Carlos Fernandes (79.). Jetzt kippte das Spiel endgültig. Als ob das nicht genug wäre, schwächte sich Hlavice auch noch selbst: Vaclav Fryda, bereits verwarnt, sah in der 75. Minute Gelb-Rot - und stapfte vom Platz, während Trainer Tor sich die Mütze vom Kopf riss. "Das war dumm. Einfach dumm", knurrte er nach der Partie. Fryda selbst murmelte nur: "Ich wollte den Ball treffen. Leider war da auch ein bisschen Gegner." Die letzten zehn Minuten wurden zum Überlebenskampf für die Gastgeber. Bystrc drückte, Hlavice verteidigte mit Herz, aber ohne Ordnung. Dann, in der 89. Minute, krönte Carlos Fernandes seine starke Leistung: Nach Pass von Adriano Moutinho zog er aus gut 20 Metern ab - und traf. 3:2. Die Bank der Gäste explodierte, Fernandes rannte jubelnd in Richtung Eckfahne, während die Heimfans wie eingefroren wirkten. "Ich habe einfach gespürt, dass es Zeit ist", sagte Fernandes später. "Und als der Ball reinging, dachte ich: Das war unser Abend." Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen - beide Teams mit acht Torschüssen, Hlavice knapp unter 46 Prozent Ballbesitz. Doch die zweite Hälfte gehörte klar den Gästen, die mit klugem Passspiel und mutigem Pressing das Ruder herumrissen. In der Nachspielzeit versuchte Hlavice noch einmal alles, sogar die Einwechslung der jungen Petr Bolf und Marek Kadlec in der 88. Minute brachte frischen Wind - aber kein Glück. Der letzte Versuch von Tomas Jarolim landete in den Armen von Bystrc-Keeper Ivan Ivic, der sich danach lächelnd auf den Ball setzte, als wolle er sagen: "Den geb ich nicht mehr her." Nach Abpfiff klatschte Coach Achenbach jeden seiner Spieler ab, während Egon Tor wortlos in die Kabine verschwand. Auf der Pressekonferenz fasste Achenbach das Spiel trocken zusammen: "In der ersten Halbzeit haben wir geschlafen, in der zweiten sind wir aufgewacht. Zum Glück rechtzeitig." Ein Spiel, das alles hatte: Tore, Karten, Drama - und das Gefühl, dass Fußball manchmal einfach ein bisschen verrückt sein darf. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Ich bin wegen Hlavice gekommen - aber geblieben bin ich wegen Bystrc." Ein Satz, der den Abend wohl ziemlich gut beschreibt. 26.05.643987 10:46 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath