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Es war einer dieser Abende, an denen der Himmel über Brünn tiefgrau hing, aber im Stadion von Bystrc-Kninicky die Lichter heller strahlten als sonst. 29.286 Zuschauer sahen am 33. Spieltag der 1. Liga Tschechien ein Heimteam, das sich in Spiellaune befand - und Gäste aus Olmütz, die wohl lieber im Bus geblieben wären. Am Ende stand ein klares 3:0, das in seiner Deutlichkeit fast schmeichelhaft für Signa Olmütz war. Von der ersten Minute an war klar, wer hier das Kommando übernehmen wollte. FC Bystrc-Kninicky spielte mit einer offensiven Ausrichtung, wie sie Trainer Carsten Achenbach am liebsten sieht: aggressiv, griffig, aber mit feinem Passspiel. Schon in den ersten zehn Minuten feuerten die Gastgeber drei Schüsse aufs Tor ab, während Olmütz noch suchte, wo eigentlich der Ball geblieben war. "Wir wollten zeigen, dass wir auch unter Flutlicht Vollgas geben", grinste Achenbach nach dem Spiel und ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Und das haben die Jungs dann wohl wörtlich genommen." Der Lohn der frühen Dominanz kam in der 32. Minute. Der 33-jährige Carlos Fernandes, einer der erfahrensten im Team, zog nach Vorlage des erst 18-jährigen Tomas Bejbl aus zentraler Position ab - und traf trocken zum 1:0. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, das den Abend endgültig in die richtige Richtung lenkte. Fernandes selbst meinte später: "Ich habe den Ball einfach perfekt getroffen. Vielleicht war es auch ein bisschen Glück - aber das sage ich nur, damit der Trainer mich nicht wieder für überheblich hält." Kurz vor der Pause dann der erste Dämpfer für die Gastgeber: Stürmer Ole Arst verletzte sich unglücklich bei einem Zweikampf und musste raus. Für ihn kam Hermanni Pasanen, ein bulliger Finne mit dem Humor eines Schneemanns - und der Effizienz eines Eishockeyspielers. "Ich war eigentlich noch beim Kaffee in der Kabine, als der Physio rief: ’Hermanni, du bist dran!’", erzählte der Joker später lachend. "Ich hatte keine Zeit zum Nachdenken - wahrscheinlich war das gut so." Gut so - denn nur sieben Minuten nach Wiederanpfiff schlug Pasanen zu. Nach einem Eckball von Karel Jarolim nahm er den Ball volley und drosch ihn mit solcher Wucht ins Netz, dass selbst der Torpfosten kurz um Gnade flehte. 2:0 - und der Jubel auf den Rängen kannte keine Grenzen mehr. Olmütz, das bis dahin mit 47 Prozent Ballbesitz immerhin so tat, als sei es am Spiel beteiligt, kam kaum noch zu Entlastung. Ganze drei Torschüsse brachte die Mannschaft zustande - alle harmlos, alle sichere Beute für Keeper Lewis Giles, der sich zwischendurch mit den Balljungen über das Wetter unterhielt. In der 75. Minute setzte Karel Dostalek den Schlusspunkt - und was für einen. Nach feinem Zuspiel von Pasanen drehte sich der 22-jährige Mittelstürmer um seinen Gegenspieler und schob überlegt ein. 3:0, der Deckel war drauf, und Trainer Achenbach klatschte zufrieden in die Hände. "Das war heute richtig erwachsen gespielt", lobte er. "Vor allem Karel - der hat heute gezeigt, warum wir ihn in der Mitte brauchen." Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Olmütz brachte in der 85. Minute Pavel Pikl für den verletzten Nicolas Robert - ein Wechsel, der so viel bewirkte wie ein Regenschirm im Sturm. Dostalek hätte in der Nachspielzeit beinahe noch das 4:0 erzielt, aber da hatte wohl selbst der Ball ein Einsehen und flog knapp drüber. Statistisch war es ein klarer Fall: 20 Torschüsse für Bystrc, nur drei für Olmütz, dazu knapp 53 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von über 58 Prozent. Zahlen, die die Überlegenheit der Hausherren nur ansatzweise widerspiegeln. Nach Spielende war die Stimmung ausgelassen. Pasanen wurde von den Fans gefeiert, Fernandes und Dostalek grinsten um die Wette. Selbst der sonst nüchterne Coach Achenbach erlaubte sich ein Schmunzeln: "Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur schön, sondern auch effektiv spielen können. Und das ist mir fast lieber als ein 5:4-Spektakel." Ein Spieler von Olmütz, der namentlich nicht genannt werden wollte, murmelte beim Verlassen des Platzes: "Wir hätten heute wahrscheinlich auch mit zwei Bällen gespielt und keinen reingekriegt." So endete ein Abend, der für Bystrc-Kninicky nicht nur drei Punkte, sondern auch reichlich Selbstvertrauen brachte. Und während die Lichter im Stadion langsam erloschen, hörte man aus der Kabine der Gastgeber noch lautes Lachen und den Satz von Pasanen: "Ich sag’s ja - manchmal hilft Kaffee einfach mehr als Aufwärmen." Ein 3:0, das nachwirkt - und ein Bystrc, das sich anschickt, in dieser Liga noch ein gewichtiges Wort mitzureden. 13.04.643990 16:55 |
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