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Es war ein Abend, wie ihn die Fans von FK Letohrad schnell vergessen möchten - und die von FC Bystrc-Kninicky wohl noch ihren Enkeln erzählen werden. Vor 20.000 Zuschauern im Letohrader Stadion führte die Heimmannschaft zur Pause mit 1:0, spielte beherzt, kämpfte - und ging am Ende dennoch mit 1:3 unter. Dabei begann alles wie gemalt für die Gastgeber: Schon in der 6. Minute traf Karel Oklestek nach Vorarbeit seines Bruders Jakub - eine Familienkombination, die man sonst nur beim Sonntagskick im Garten sieht. "Ich wusste, wo er hinläuft, das haben wir schon als Kinder so gemacht", grinste der Torschütze später. Trainer Achenbach auf der anderen Bank verzog keine Miene - er ahnte wohl, dass noch genug Zeit bleiben würde, um die Dinge zurechtzurücken. Letohrad, in einer offensiven, aber erstaunlich disziplinierten Ausrichtung, ließ den Ball gefällig laufen. Die Votava-Brüder prüften den gegnerischen Keeper Lewis Giles mehrfach, und das Publikum raunte bei jedem Schuss "Jetzt aber!" - doch das erlösende zweite Tor fiel nicht. Und wie das so ist, wenn man seine Chancen nicht nutzt: Das Spiel beginnt, sich leise zu drehen. Bystrc-Kninicky kam mit jeder Minute besser ins Rollen. Karel Dostalek, der unermüdliche Mittelstürmer, schoss aus allen Lagen - allein er brachte es auf eine zweistellige Zahl an Abschlüssen. Doch Torhüter Vlasta Hogen im Letohrader Kasten wuchs zwischenzeitlich über sich hinaus und fischte alles weg, was nach Leder aussah. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", meinte er später mit müdem Lächeln. Kurz vor der Pause wurde es ruppig: Claude Carrier von Bystrc sah Gelb, nachdem er mehr den Mann als den Ball traf. Sein Trainer Carsten Achenbach schüttelte da nur den Kopf: "Claude spielt halt mit Herz, manchmal auch mit zu viel davon." Nach dem Seitenwechsel stellte Achenbach um, brachte unter anderem Harri Nieminen und Timo Dietrich. Die Wirkung war frappierend. Plötzlich presste Bystrc aggressiv, erzwang Ballverluste und ließ die Gastgeber kaum noch aus der eigenen Hälfte. Die Statistik sprach Bände: 20 Torschüsse der Gäste gegenüber nur 5 von Letohrad, dazu 53 Prozent Ballbesitz - und eine Zweikampfquote, die fast schon nach Körperverletzung klang. Letohrad hielt wacker dagegen, aber die Kräfte schwanden. In der 82. Minute fiel dann das, was man in Bystrc wohl als "überfälligen Ausgleich" bezeichnen würde: Nieminen flankte butterweich von links, Dostalek stieg hoch wie ein Baum und nickte unhaltbar ein - 1:1. Was danach geschah, war ein kleiner Fußballkrimi. Letohrad taumelte, Bystrc roch Blut. In der 91. Minute zog der eben erst eingewechselte Nieminen selbst ab - und traf. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte er nach dem Spiel, "aber wenn der Ball drin ist, beschwert sich keiner." Die Letohrader Verteidiger sahen sich nur ratlos an, während Achenbach erstmals an diesem Abend lächelte. Doch noch war es nicht vorbei. In der 94. Minute setzte Hermanni Pasanen mit einem satten Schuss unter die Latte den Schlusspunkt. Sein Jubel? Eher routiniert. "Das war Teamarbeit, Joaquin hat mir den Ball perfekt serviert", lobte er seinen Vorlagengeber Veloso, der kurz darauf noch Gelb sah - offenbar eine Art Nachbeben des Adrenalins. Trainer Achenbach sprach nach dem Spiel von "einem verdienten Sieg, auch wenn wir uns lange schwergetan haben". Und Letohrads Coach (dessen Name nach der Partie niemand recht nennen wollte) stand minutenlang im Mittelkreis, die Hände in den Taschen, und blickte ins Leere. Ein Fan hinter der Pressezone rief ihm aufmunternd zu: "Kopf hoch, Trainer - wenigstens der erste Durchgang war schön!" Statistisch gesehen war der Abend eindeutig: Bystrc dominierte, Letohrad kämpfte - und verlor. 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste, vier Gelbe Karten als Beleg für ihren kompromisslosen Stil, und ein Endspurt, der an einen Boxkampf erinnerte. Am Ende blieb den Heimfans nur Galgenhumor. "Wir führen halt lieber zur Halbzeit als am Schluss", witzelte einer beim Verlassen des Stadions. Vielleicht tröstet es ihn, dass Letohrad wenigstens die schönste Kombination des Abends gehörte - jene Brüderaktion in der sechsten Minute. Für alles andere war Bystrc einfach zu abgebrüht. Und so ging ein Spiel zu Ende, das ein wenig an eine Lektion erinnerte: Wer zu früh jubelt, kann am Ende nur noch zusehen, wie der Gegner das Drehbuch umschreibt. 06.03.643994 23:12 |
Sprücheklopfer
Die Fans müssen wissen, dass ich kein Clown bin.
Oliver Kahn