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Buchholz' spätes Glück: Lotte ringt Reutlingen 1:0 nieder

Oberliga G | 13. Spieltag | 17.07.26 | Sportfreunde Lotte - SSV Reutlingen 1:0

Es war einer dieser Sommerabende, an denen der Rasen dampft, die Bockwurst glüht und im Stadion an der Hiag keiner so recht wusste, ob er das Spiel oder den Sonnenuntergang spannender finden sollte. 4000 Zuschauer sahen beim 13. Spieltag der Oberliga G, wie die Sportfreunde Lotte den SSV Reutlingen mit 1:0 bezwangen - spät, aber verdient.

Es dauerte bis zur 87. Minute, ehe der älteste Mann auf dem Platz die Partie entschied: Bernt Buchholz, 44 Jahre jung, Stürmer von Beruf und offenbar Besitzer eines Jungbrunnens, traf nach Vorlage von Joel Innes zum umjubelten Siegtreffer. "Ich hab’ einfach gehofft, dass Joel den Ball nicht wieder querlegt", grinste Buchholz nach dem Spiel. "Er hat’s diesmal gelassen - und ich hab’s endlich mal wieder reingemacht."

Dabei hätte der Sieg der Lotter schon viel früher feststehen können. Ganze 15 Schüsse feuerten sie auf das Tor von Reutlingens Keeper José Galindez ab. Doch der 19-jährige Spanier im SSV-Kasten hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend eine Bewerbung für den Begriff "Teufelskerl" einzureichen. Mal fischte er eine Rakete von Jens Thuesen aus dem Winkel, mal boxte er einen Aufsetzer von Kai Seiler aus dem Getümmel. Trainer Diego Cristilli sagte später trocken: "Wenn man so viele Schüsse überlebt, sollte man eigentlich Punkte mitnehmen. Leider zählt das Überleben nicht im Fußball."

Reutlingen selbst kam nur viermal gefährlich vors Tor - und das meist aus der Distanz. In der 5. Minute prüfte Philip Huber Lotter Keeper Hans Stephan, der aber mit den Fingerspitzen zur Ecke lenkte. Danach beschränkten sich die Gäste auf rustikale Zweikämpfe und das gelegentliche Aufbäumen über die Flügel. Maurice Giese, der in der 17. Minute Gelb sah, zeigte immerhin, dass er seine Verteidigerrolle ernst nahm - vielleicht etwas zu ernst.

Die erste Halbzeit bot Chancen, Tempo und vor allem das, was man im Stadionjargon "Mensch, der muss doch rein!" nennt. Thuesen, Innes, Seiler - sie alle probierten es. Doch die Kugel wollte einfach nicht ins Netz. "Ich dachte schon, da liegt ein Fluch auf dem Tor", murmelte Lottes Trainer Mick McLagun später. "Aber dann kam Bernt, und Flüche haben gegen Bernt keine Chance."

In der Pause stellte keiner der Trainer groß um - Lotte blieb offensiv ausgerichtet, Reutlingen ebenso, nur dass Letzteres auf dem Papier besser aussah als auf dem Rasen. Nach dem Seitenwechsel machten die Sportfreunde weiter Druck, dominierten den Ball mit 53 Prozent Ballbesitz und gewannen 55 Prozent der Zweikämpfe. Und doch blieb das Tor leer, das Publikum zunehmend unruhig.

In der 42. Minute musste Reutlingens junger Innenverteidiger Hanns Alex verletzt raus. Der unglückliche Zusammenprall mit eigenem Mitspieler hatte Folgen - Alex wurde gestützt vom Platz geführt, während Ersatzmann Alex Melendo (ja, auch Alex, für die Statistikfreunde) übernahm. Trainer Cristilli kommentierte später: "Zwei Alexe, ein Schmerz - das fasst unsere Saison ganz gut zusammen."

Dann kam die Schlussphase, in der Bernt Buchholz beschloss, die Uhr zurückzudrehen. In der 87. Minute schlug Joel Innes eine butterweiche Flanke von rechts. Buchholz stieg höher als alle anderen, köpfte wuchtig ein - 1:0. Das Stadion vibrierte, die Ersatzbank explodierte, und selbst McLagun, sonst eher der Typ britischer Gentleman, sprang wie ein Teenager am ersten Konzertabend.

"Bernt ist ein Phänomen", schwärmte McLagun. "Er war schon da, als ich noch Spieler war. Ich glaube, er hat damals schon gegen Reutlingen getroffen - nur das Datum war ein anderes." Buchholz selbst nahm es mit Humor: "Manche trinken Rotwein, um zu reifen. Ich spiele Fußball."

Nach dem Treffer warfen die Gäste alles nach vorn, aber Lotte verteidigte clever, fast lässig. Torwart Stephan klärte mit dem Fuß gegen Marco Gerlach (84.), und als der Schlusspfiff ertönte, sank Reutlingen erschöpft zu Boden.

Ein knapper, aber verdienter Sieg für die Sportfreunde, die damit weiter im oberen Tabellendrittel schnuppern dürfen. Reutlingen dagegen muss sich fragen, ob man mit 46 Prozent Ballbesitz und vier Torschüssen wirklich etwas reißen kann.

"Wir haben zu brav verteidigt und zu spät reagiert", gab Cristilli zu. "Aber wenigstens wissen wir jetzt, dass man mit 44 auch noch entscheidend sein kann - das gibt Hoffnung für unsere Alten-Herren-Mannschaft."

Fazit: Ein Sommerabend voller Schweiß, Chancen und ein bisschen Nostalgie. Und irgendwo in Lotte sitzt jetzt ein 44-Jähriger mit einem breiten Lächeln und denkt sich: Es ist nie zu spät für ein spätes Tor.

18.07.2026 09:12
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