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Es war ein kühler Märzenabend im Umedalen-Stadion, 31.537 frierende, aber tapfere Zuschauer, und einer dieser Abende, an denen man ahnt: Hier wird’s kein Feuerwerk - bis plötzlich doch eines gezündet wird. Umedalens IF empfing IF Brommapojkarna zum zweiten Spieltag der 1. Liga Schweden, und am Ende stand ein klares 0:3. Doch der Weg dahin war ein Geduldsspiel - zumindest für die Gäste. In den ersten 45 Minuten probierte Brommapojkarna alles außer vielleicht den Schneeschieber. 20 Torschüsse sollten es am Ende werden, und gefühlt fiel die Hälfte davon schon in der ersten Halbzeit. Jannis Hesse prüfte den Torwart Norman bereits in der 4. Minute, Santiago Garcia in der 7., Francisco Pinto in der 9., und so zog sich das durch wie eine schlecht gelaunte Schallplatte. Nur: Der Ball wollte nicht rein. "Ich hab irgendwann gedacht, wir spielen hier Eishockey - da darf man ja auch ewig schießen, ohne dass was zählt", grinste Gästestürmer Juanito Carvalho nach dem Spiel. Sein Lachen war berechtigt, denn die zweite Halbzeit gehörte ihm und seinen Offensivkollegen. Kaum war der Pausentee getrunken, fiel die Führung - und das auf kuriose Weise: Innenverteidiger Marcos Vidigal, sonst eher Mann fürs Grobe, stieg nach einer Ecke von Dragan Mihajlovic am höchsten und köpfte den Ball unhaltbar ins rechte Eck (46.). "Ich hab schon in der Jugend gesagt: Lasst mich mal vorne ran", witzelte Vidigal später. Trainer Torsten Hoppe dagegen blieb sachlich: "Das war einstudiert. Also… fast." Umedalen, das bis dahin defensiv solide stand und über 44 Prozent Ballbesitz immerhin den Anschein von Kontrolle wahren konnte, verlor mit dem Gegentor auch den Glauben. Offensiv kam ohnehin wenig - ein einziger Torschuss, abgegeben von Marko Väyrynen in der 22. Minute, blieb der einzige nennenswerte Versuch. Ab der 60. Minute wurde das Spiel dann endgültig zum Trainingslager für Brommapojkarnas Angriffsabteilung. Mihajlovic wirbelte über links, Pinto tanzte über rechts, und in der Mitte lauerte Carvalho. In der 76. Minute war es soweit: Pinto flankte punktgenau, Carvalho hielt den Fuß hin - 0:2. "Ich hab mich einfach fallen lassen, der Ball hat den Rest gemacht", beschrieb der Torschütze trocken. Die Moral des Heimteams war nun endgültig im Frühlingstau ertrunken. Der Rest des Spiels entwickelte sich zu einer Art Offensiv-Show der Gäste. Kurz vor Schluss (86.) setzte Jannis Hesse nach einem Doppelpass mit Carvalho den Schlusspunkt. Ein Schuss, so trocken wie die Umedalener Hoffnung: 0:3. Trainer Hoppe klatschte an der Seitenlinie nur halbherzig, als wolle er sagen: "Das hätte auch 6:0 ausgehen können." Nach dem Spiel wirkte er trotzdem zufrieden: "Wir haben geduldig gespielt, ruhig geblieben und das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten: Tore schießen. Gut, das hat eine Halbzeit gedauert, aber besser spät als nie." Umedalens Coach - der in den offiziellen Statistiken merkwürdigerweise nicht auftaucht, aber laut Teamsprecher "sichtlich bedient" war - verzichtete auf große Worte. Aus der Kabine drang lediglich ein seufzendes "Das war zu brav". Die Statistik sprach ohnehin Bände: 20:1 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste. Dass Brommapojkarna trotz ihrer offensiven Ausrichtung (Pressing? Nur wenn nötig!) so stabil blieb, lag auch an der Ruhe im Aufbau. Kurzpassspiel, hoher Einsatz, aber nie Hektik - das war Lehrbuchfußball. Umedalen dagegen wirkte, als würde die Mannschaft noch nach der passenden Fernbedienung suchen. Kein Pressing, kein Tempo, keine Überraschung. "Wir wollten sicher stehen und dann Nadelstiche setzen", sagte Mittelfeldroutinier Dieter Fritz. "Leider war unsere Nadel stumpf." Zumindest Humor blieb also erhalten. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierte das Heimpublikum trotzdem artig - wohl aus Respekt vor der handwerklich sauberen Vorstellung der Gäste. Und irgendwo in der hinteren Reihe rief ein Fan: "Beim nächsten Mal schießen wir auch aufs Tor!" Ein Versprechen, das Hoffnung macht. Denn schlimmer kann’s kaum werden. Und Brommapojkarna? Die fuhren mit drei Punkten, drei Toren und ziemlich breitem Grinsen in die Hauptstadt zurück. Trainer Hoppe verabschiedete sich mit den Worten: "Ich mag Spiele, in denen wir 20 Mal aufs Tor schießen. Da bleibt wenigstens keine Langeweile." Ganz Schweden nickt zustimmend. 04.12.643993 02:59 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler