// Startseite
| Sverige Fotboll |
| +++ Sportzeitung für Schweden +++ |
|
|
|
Bei eisigem Februarwind, aber glühender Stimmung im vollbesetzten Grimsta IP, hat IF Brommapojkarna am 21. Spieltag der 1. Liga Schweden Västra Frölunda IF mit 3:0 abgefertigt. 34.978 Zuschauer sahen eine Partie, die lange offen blieb - zumindest auf der Anzeigetafel. Auf dem Platz war der Klassenunterschied allerdings schon nach zehn Minuten mit bloßem Auge zu erkennen. "Wir wollten früh Druck machen und das Spiel in ihre Hälfte verlagern", grinste Bromma-Trainer Torsten Hoppe nach dem Schlusspfiff und zog genüsslich an seinem Pappkaffee. "Dass wir dafür 21 Torschüsse brauchten, nun ja - das war wohl die schwedische Variante von Geduldsspiel." Geduldig war in der ersten Hälfte vor allem das Publikum. Juanito Carvalho prüfte Frölundas jungen Keeper Anselm Karlson bereits nach vier Minuten, Jannis Hesse flankte, schoss, und flankte wieder - nur das Netz weigerte sich beharrlich, mitzuspielen. Frölunda hingegen, taktisch sorgfältig austariert, verstand es vor allem, den Ball lang und weit zu klären. Zwei kümmerliche Abschlüsse in 90 Minuten sprechen Bände: Es war ein Abend, an dem selbst die Eckfahne mehr Ballkontakte hatte als die Gäste-Offensive. Zur Pause stand es 0:0, doch Hoppe blieb gelassen. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr weiter so rennt, fällt das Ding irgendwann von selbst rein", berichtete er augenzwinkernd. Und tatsächlich, kaum war der zweite Durchgang angepfiffen, da bebte das Stadion. In der 51. Minute sprintete Rechtsverteidiger Jean Beaupre die Linie entlang, flankte halbhoch - und Jannis Hesse drosch den Ball kompromisslos unter die Latte. 1:0. Endlich. Hesse, der schon in der ersten Hälfte den halben Strafraum umgepflügt hatte, jubelte mit einer Mischung aus Erleichterung und Trotz. "Ich wollte eigentlich querlegen, aber dann dachte ich mir: Na gut, wenn keiner will, mach ich’s halt selbst." Ein Satz, der sinnbildlich für Brommas Auftritt stand: Willenskraft, Tempo, Spielfreude - nur mit der Effizienz haperte es. Doch das änderte sich. In der 70. Minute legte Hesse nach, diesmal als Vorbereiter. Nach einem energischen Dribbling über rechts passte er flach in den Rückraum, wo Dragan Mihajlovic lauerte. Der bosnische Flügelspieler, bislang unauffällig, traf trocken ins lange Eck - 2:0. Der Jubel war nun grenzenlos, und Frölunda wirkte endgültig wie ein Boxer, der nur noch auf den Gong wartet. Drei Minuten später kam das, was man gemeinhin als den Deckel bezeichnet: Joshua Beecroft, sonst Fels in der Abwehr, schleuderte einen Pass in die Tiefe, Mihaly Miriuta startete perfekt und schob eiskalt an Karlson vorbei zum 3:0 ein. "Ich wusste, dass der Ball kommt", sagte Miriuta später mit einem Grinsen. "Joshua hat ja so eine Art sechsten Sinn - oder einfach ein gutes Auge." Frölunda versuchte in der Schlussphase, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen. Salvador Cruz prüfte Brommas Keeper Vicente Andrade in der 77. Minute, Charles Carey legte in der 82. nach - doch Andrade blieb stoisch. Mehr als ein paar gezielte Blicke in Richtung Anzeigetafel war ihm nicht zu entlocken. Einziger Wermutstropfen: Nachwuchsverteidiger Gabriel Hanson sah kurz vor Schluss Gelb, nachdem er einen gegnerischen Konter rustikal beendet hatte. Hoppe nahm’s sportlich: "Er ist 18. Wenn er in dem Alter keinen Fehler macht, dann stimmt was nicht." Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 21:2 Torschüsse, 50,3 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von fast 59 Prozent für Brommapojkarna. Frölunda, mit einer eher zurückhaltenden, balancierten Ausrichtung, schien über weite Strecken einfach nur froh, das Spiel nicht in Unterzahl beenden zu müssen. Während die Fans nach dem Abpfiff in den verschneiten Abend hinauszogen, wurde in der Mixed Zone gelacht und geplaudert. "Das war ein Statement", meinte Kapitän Santiago Garcia. "Wir wollten zeigen, dass wir auch im Winter Fußball spielen können - und nicht nur Schneeballschlachten." Ein Satz, der hängen blieb. Denn an diesem Abend war Brommapojkarna nicht nur die bessere, sondern auch die wärmere Mannschaft - spielerisch, kämpferisch und, ja, menschlich. Und Västra Frölunda? Die nahmen es mit Humor. "Drei Tore Rückstand, zwei Torschüsse, eine Lehre fürs Leben", murmelte Trainer Anders Lindström (angeblich) beim Verlassen des Stadions. Man darf gespannt sein, ob er beim nächsten Wiedersehen eine dickere Decke mitbringt. 20.05.643993 05:35 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack