Außenseiter
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Brieske geht baden: Rot-Weiss Essen tanzt den Oberliga-Walzer

Wenn ein Spiel schon nach einer halben Stunde entschieden ist, dann hat das meist zwei Gründe: Entweder trifft der Favorit nach Belieben - oder die Abwehr des Gegners hat kollektiv beschlossen, den Abend als Sozialexperiment zu nutzen. Beim 2:5 (1:4) von Brieske gegen Rot-Weiss Essen war es wohl eine Mischung aus beidem.

3.000 Zuschauer im Flutlicht von Brieske sahen ein wildes Spektakel, das schon nach elf Minuten Fahrt aufnahm. Der erst 17-jährige Jose Valente, kaum volljährig, aber schon mit der Frechheit eines Straßenfußballers, nutzte den ersten echten Angriff der Gäste und versenkte den Ball nach feinem Zuspiel von Lucas Thuringer eiskalt - 0:1. "Ich hab einfach geschossen, weil keiner rausgerückt ist", grinste Valente später. "Trainer Orlando hat gesagt, Mut wird belohnt."

Brieske antwortete immerhin mit Stolz. In der 22. Minute legte der erfahrene Stephan Urban von links auf Karsten Mayr quer, der aus kurzer Distanz den Ausgleich erzielte. Ein Tor, das Hoffnung gab - allerdings nur für exakt zehn Minuten. Dann begann die Essener Jugendoffensive richtig Spaß zu haben.

Zuerst Valente erneut in der 32. Minute - diesmal nach Vorlage von Agemar Henrique, der mit einem Pass in die Tiefe die Briesker Innenverteidigung aussehen ließ, als stünden sie in der Warteschlange an der Stadionwurstbude. Nur drei Minuten später war es Nasreddin Sentürk (18), der nach Vorlage von Thuringer trocken ins lange Eck traf. Und weil’s so schön war, legte Thuringer selbst in der 40. Minute nach - nach feinem Doppelpass mit Henrique. 1:4 - und die Briesker Fans schauten auf die Anzeigetafel, als hätte jemand ein Tipp-Kick-Ergebnis eingeblendet.

"Wir wollten offensiv spielen", erklärte Brieskes Trainer nach dem Spiel mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Galgenhumor und Wetterbericht lag. "Aber wir haben wohl vergessen, dass man dazu auch den Ball braucht." Tatsächlich hatten die Hausherren mit 58 Prozent Ballbesitz das Spiel nominell in der Hand - nur leider meistens in der eigenen Hälfte. Essen konterte präzise, schnell und mit einer Kaltschnäuzigkeit, die man sonst selten in der Oberliga sieht: 19 Torschüsse, fünf Treffer. Mehr Effizienz geht kaum.

Nach der Pause versuchte Brieske, die Scherben zusammenzukehren. Noch einmal war es Karsten Mayr, der in der 56. Minute nach Ecke von Verteidiger Michael Monroe zum 2:4 einköpfte. Kurz keimte Hoffnung auf, dann kam wieder Valente - natürlich Valente. In der 67. Minute machte der junge Portugiese seinen Dreierpack perfekt, diesmal nach Flanke von Linksverteidiger Nick Christ. "Ich hab ihm gesagt, er soll’s einfach genießen", meinte Essen-Coach Luca Orlando später schmunzelnd. "Wenn du mit 17 so spielst, darfst du auch mal einen Ball mit der Hacke verlieren."

Danach wurde es ruppig. Der ebenfalls 17-jährige Jewgraf Schalimow sah erst Gelb (74.) und kurz darauf Gelb-Rot (80.). Orlando winkte ab: "Er wollte wohl zeigen, dass er kein Kind mehr ist." Selbst in Unterzahl blieb Essen gefährlich, während Brieske den Ball zwar oft hatte, aber offensichtlich nicht wusste, wohin damit.

Die letzten Minuten plätscherten dahin - oder, wie ein älterer Zuschauer auf der Tribüne murmelte: "Wenn wir den Ballbesitzpreis gewinnen, ist mir das Ergebnis egal." Neben ihm lachte jemand, als Valente ausgewechselt wurde und sich von den Essener Fans feiern ließ.

Statistisch blieb Brieske zumindest in einem Punkt überlegen: mehr Pässe, mehr Ballbesitz, mehr Verzweiflung. Die Gäste dagegen zeigten, dass Tempo und Zielstrebigkeit wichtiger sind als Ästhetik und Prozentwerte.

"Das war Lehrgeld", seufzte Brieskes Kapitän Oliver Schlüter nach dem Abpfiff. "Wir wollten sie früh stören, aber sie waren einfach schneller - und jünger."

Am Ende stand ein 2:5, das deutlicher war, als es die Zahlen ohnehin sagen. Essen spielte erwachsen, Brieske wirkte überfordert. Und irgendwo in der Kabine wird Valente vermutlich noch immer grinsen - drei Tore, ein Sieg, und das alles an einem frostigen Januarabend, an dem Brieske nur eines blieb: höflicher Gastgeber.

Vielleicht sollte man die Essener Jugend demnächst warnen: So viel Spaß am Fußball kann gefährlich werden - zumindest für die Gegner.

25.11.643987 10:37
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