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Ein Freitagabend in Bridgend, Flutlicht, 28.404 Zuschauer und ein Team, das offensichtlich beschlossen hatte, dass Winterabende mit Offensivfußball besser zu ertragen sind: Bridgend Athletic besiegte im walisischen Ligaduell die Flint Silkmen mit 3:1 (2:0). Was die Statistik nüchtern als 13:13 Torschüsse und 48 zu 51 Prozent Ballbesitz ausweist, fühlte sich auf dem Rasen zeitweise wie ein Sturmlauf an. Trainer Jiri Hartl hatte seine Jungs offensiv eingestellt - und das im wahrsten Sinne des Wortes. "Wir wollten über die Flügel kommen, und das hat funktioniert. Außerdem war’s kalt, also mussten wir uns bewegen", grinste Hartl nach dem Spiel. Den Anfang machte Christopher Gady in der 18. Minute. Nach einem feinen Zuspiel von Luke Ackland zog der 21-Jährige von rechts in den Strafraum und traf trocken ins lange Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten - so wie im Training, nur dass ich da selten treffe", lachte Gady später, während er sich von den Fans feiern ließ. Die Silkmen wirkten zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich wach. Bastiaan Conklin und Dimas Peña hatten zwar früh Chancen, doch entweder verzogen sie oder fanden in Torwart Dylan Forsythe ihren Meister. "Forsythe hat Hände wie Bratpfannen", kommentierte ein Zuschauer süffisant auf der Tribüne. Kurz vor der Pause legte Bridgend nach: Callum Caviness, erst 20, nutzte in der 38. Minute eine Hereingabe von Andres Nuno, nahm den Ball volley und traf zum 2:0. Es war ein Treffer, der das Stadion zum Beben brachte - und Flint an den Rand der Verzweiflung. "Wir waren eigentlich ganz gut im Spiel, bis der Ball im Netz war", murmelte Flint-Coach Lasse Reden später mit britischem Understatement. Noch vor dem Halbzeitpfiff kassierte Bridgends Ackland die Gelbe Karte - wohl aus purer Euphorie nach seinem Assist. "Er hat mich einfach umarmt, und der Schiri dachte, das sei ein Foul", erklärte er lachend. Nach dem Seitenwechsel kam Flint mutiger aus der Kabine. In der 50. Minute belohnte sich Bastiaan Conklin für seine unermüdlichen Versuche: Nach feiner Vorarbeit von Benjamin Prinsloo traf er zum 2:1. Ein Lebenszeichen der Gäste, die nun mehr Ballbesitz hatten, aber weiterhin zu harmlos wirkten, um die Partie wirklich zu drehen. Doch kaum hatte sich Flint gefreut, schlug Bridgend wieder zu. Nur drei Minuten später bediente Nuno erneut einen Mitspieler - diesmal den wuchtigen Finlay O’Farrell, der den Ball zum 3:1 versenkte. "Ich hab nur gedacht: bitte nicht drüber. Der Rasen war glitschig wie ein Aal", gestand der Stürmer nach dem Spiel. Danach war die Partie entschieden. Flint rannte an, Bridgend konterte clever - und das Publikum sang sich warm. Die Silkmen sammelten noch zwei Gelbe Karten (Willoughby in der 37., Winfield in der 39. Minute), ansonsten blieb es bei viel Ballbesitz und wenig Ertrag. Eine bittere Randnotiz: Bereits in der achten Minute musste Bridgends Innenverteidiger Julian Langer verletzt raus. "Knie verdreht, aber nichts Schlimmes", meinte Hartl später lakonisch. Ersatzmann Ivo Papa fügte sich nahtlos ein - und das Abwehrzentrum blieb stabil. So endete ein Spiel, das mehr Unterhaltung bot, als es die Statistiken vermuten lassen. Beide Teams feuerten 13 Schüsse ab, und doch wirkte Bridgend in den entscheidenden Momenten einfach entschlossener. Vielleicht lag es am Heimvorteil, vielleicht an der Flügelstrategie. Vielleicht aber auch daran, dass Flint einfach zu brav war. "Wir haben nicht schlecht gespielt", verteidigte sich Lasse Reden, "aber man kann eben nicht gewinnen, wenn man von außen zuschaut, wie der Ball im eigenen Netz zappelt." Während die Fans noch jubelten, verabschiedete sich Hartl mit einem letzten Bonmot: "Manchmal gewinnt nicht das bessere Team, sondern das, das mehr Spaß hat. Und das waren heute eindeutig wir." Bridgend Athletic klettert damit weiter nach oben in der 1. Liga Wales, und die Silkmen müssen sich fragen, warum sie trotz 51 Prozent Ballbesitz und identischer Schusszahl am Ende klar unterlegen waren. Vielleicht sollte man in Flint das Wort "balanced" aus der Taktiktafel streichen - und durch "mutig" ersetzen. Ein verdienter Sieg, ein kalter Abend, und ein Publikum, das sich warmgejubelt hat. Wenn jedes Spiel so unterhaltsam wäre, müsste man den Fußball nicht neu erfinden. 08.11.643990 06:05 |
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